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Rene Adler hätte am Mittwoch sein Länderspieldebüt gegen Belgien gegeben © getty

Herber Rückschlag für den "Überflieger". Rene Adler muss sein geplantes Debüt im Tor der deutschen Nationalmannschaft verschieben.

München - Eine Schulterprellung hat "Überflieger" Rene Adler auf dem Weg zum Stammplatz in der deutschen Nationalmannschaft erst einmal gestoppt und Tim Wiese eine Chance in der DFB-Auswahl eröffnet.

Wegen der im Training des Bundesligisten Bayer Leverkusen erlittenen Blessur musste der 23 Jahre alte Adler seine Teilnahme am Länderspiel am Mittwoch gegen Belgien in Nürnberg absagen. Am Donnerstagnachmittag nominierte Bundestrainer Joachim Löw nach Absprache mit Bundestorwarttrainer Andreas Köpke dann Wiese nach.

Der Bremer ist erstmals bei der A-Mannschaft dabei.

Scharfer Angrif 2007

"Nach der verletzungsbedingten Absage von Rene haben wir entschieden, dass wir Tim Wiese beim Länderspiel in Nürnberg eine Bewährungschance geben", erklärte Köpke: "Er hat in den vergangenen Jahren in der Bundesliga und der Champions League gute Leistungen gezeigt und sich diese Berufung verdient."

Die Nominierung von Wiese, der zwischen 2003 und 2004 für die "U21" des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) 13 Spiele bestritten hat, ist dennoch eine Überraschung. Denn im Herbst 2007 hatte er Löw scharf angegriffen, weil der Bundestrainer ihn trotz guter Leistungen nicht berücksichtigt habe.

Unfall im Training

Ohne die Verletzung von Adler wäre Wiese aber wohl kaum zu einer Einladung gekommen. "Er ist im Training unglücklich auf die Schulter gefallen", berichtete Leverkusen Trainer Bruno Labbadia:`Es tut mir für Rene unheimlich leid, auch wegen seines Länderspiel-Einsatzes. Aber wir hoffen, dass er so bald wie möglich wieder fit ist."

Gegen Belgien wird Wiese aber wohl als Ersatz für Robert Enke von Hannover 96 auf der Bank sitzen. In Nürnberg hätte Adler, der nach dem Rücktritt von EM-Keeper Jens Lehmann als aussichtsreichster Kandidat für den Platz im deutschen Tor galt, aller Voraussicht nach sein Debüt gegeben.

Der Leverkusener, bei der EM schon als dritter Torhüter im Aufgebot, war am Dienstag zunächst zu keiner Stellungnahme zu erreichen. Er wird auch den Bundesliga-Auftakt am Samstag gegen Borussia Dortmund verpassen.

Hildebrand in der Warteschlange

Wiese profitierte allerdings auch davon, dass der Schalker Manuel Neuer (Mittelfußbruch) verletzungsbedingt nicht in Frage kam.

Und Timo Hildebrand, der vor der EM überraschend ausgebootet worden war, hat mit dem FC Valencia noch keine Spielpraxis.

Zudem steht die Aussprache zwischen dem früheren Stuttgarter und Löw noch aus.

Keine Festlegung

Bei der Nominierung von Adler und Enke hatte sich Löw am Dienstag noch auf keine Rangfolge festgelegt: "Wir gehen das sehr gelassen an und wollen den Konkurrenzkampf fördern." Allerorten werden jedoch dem jüngeren und von vielen Seiten protegierten Adler beste Chancen auf den Stammplatz bei der WM 2010 in Südafrika eingeräumt.

Dass Enke, bei der EM Nummer 2, nach dem Rücktritt Lehmanns automatisch zur neuen Nummer 1 aufsteigt, schloss Löw zuletzt jedenfalls kategorisch aus.

"Früher hat sich das meist wie von selbst ergeben. Köpke nach Illgner, Kahn nach Köpke, Lehmann nach Kahn", erklärte der Bundestrainer: "Diesmal gibt es keine so eindeutige Nummer 2. Deshalb muss nicht sofort eine absolute Festlegung auf die Nummmer 1 stattfinden."

Traum vorerst geplatzt

Am Dienstag sagte Adler noch: "Es ist für mich ein Kindheitstraum, im deutschen Tor zu stehen. Wenn ich in diesem Monat mein erstes Länderspiel machen könnte, wäre ich sehr glücklich. Dafür werde ich alles tun."

Zwei Tage später kam die Ernüchterung.

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