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Schwierige Zeiten: Klaus Allofs ist seit 1999 als Geschäftsführer bei Werder Bremen tätig © getty

Auch Marko Marin verlässt Bremen, der Klub droht im Niemandsland zu versinken. Klaus Allofs muss puzzlen und sichtet Kandidaten.

Von Hardy Heuer

München - Die schönen Jahre sind vorbei.

Mit der zweiten Saison ohne europäischen Wettbewerb vor Augen plant Werder Bremen die Zukunft - und stößt dabei immer mehr an die eigenen Grenzen.

Mit dem Transfer von Marko Marin zum FC Chelsea (Bericht) verlässt bereits der vierte Profi die Bremer am Saisonende, weitere Abgänge könnten folgen.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nachdem Tim Wiese bekannt gegeben hat, dass er seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängert, geht mit Marin der nächste große Name. Sein Wechsel an die Stamford Bridge war aus Bremer Sicht nicht zu verhindern.

"Es waren letztlich auch finanzielle Erwägungen. Er hatte noch ein Jahr Vertrag, da mussten wir eine Lösung finden", erklärte Geschäftsführer Klaus Allofs. 550061(DIASHOW: Der 33. Spieltag)

Pizarro: Bayern kein Thema mehr?

Die Champions-League-Millionen sind passe, Geld für Neuzugänge ist knapp.

Und so ist es auch schwierig, hochdotierte Verträge zu verlängern, wie den von Claudio Pizarro. Der Peruaner spielt als Stütze des Teams eine wichtige Rolle, wurde zuletzt aber mit Ex-Klub Bayern München in Verbindung gebracht.

Angeblich soll Pizarro bei den Bayern mittlerweile aber kein Thema mehr sein, der Champions-League-Finalist signalisierte dagegen Interesse am französischen Angreifer Olivier Giroud von Tabellenführer HSC Montpellier

"Er wägt ab"

Eine Entscheidung wird von Woche zu Woche erwartet. "Pizarro wägt ab", meinte Allofs.

Dass der mit 16 Toren in dieser Saison beste Werder-Torschütze das Ganze nur hinauszögert, weil er kein besseres Angebot vorliegen haben soll, weist Allofs zurück:

"Diese Einschätzung kann ich nicht teilen. Er überdenkt die Situation sorgfältig, damit er sich der Bedeutung dieser Entscheidung im Klaren ist."

Zwei Bochumer auf dem Zettel?

Was aber auch klar ist: Teure Transfers, wie bei den beiden Brasilien-Flops Carlos Alberto (8 Millionen) und Wesley (7,5 Millionen), gehören erstmal der Vergangenheit an.

"Eine bezahlbare Mannschaft mit Zukunft" will Allofs nun aufbauen, wie er dem "Weser-Kurier" versichert. Dafür ist der Werder-Boss unterwegs und sichtet Kandidaten.

Unter anderem in Bochum, wo es die Grün-Weißen auf Torhüter Andreas Luthe abgesehen haben sollen. "Es stehen einige Torhüter auf der Liste, klar ist auch, dass Andreas Luthe dazugehört", sagte Allofs dem "Reviersport".

Auch an Takashi Inui soll Interesse bestehen, Bochums Japaner könnte Marins Rolle einnehmen.

Werder kämpft um Sokratis

In der Offensive stehen bei Markus Rosenberg trotz zehn Saisontoren die Zeichen auf Trennung. Der Schwede wird laut einem "kicker"-Bericht wohl ebenso gehen wie Mikael Silvestre und Tim Borowski.

Sebastian Prödl steht dagegen angeblich vor der Verlängerung seines Kontrakts, für den Sturm soll Berlins Pierre-Michel Lasogga ein Kandidat sein.

Keine Kompromisse wollen die Bremer bei Verteidiger Sokratis machen. Obwohl Werder die Kaufoption gezogen hat, soll Juventus Turin am Griechen baggern.

"Wir denken nicht daran, ihn abzugeben. Mit uns hat auch niemand gesprochen", stemmt sich Allofs gegen die Gerüchte.

Allofs vor Puzzlespiel

Das große Puzzlespiel, es geht also weiter an der Weser. Immerhin hat sich der Transfer von Marin wirtschaftlich gelohnt, von einem Erlös bis zu acht Millionen Euro ist die Rede.

Geld, dass Allofs gut gebrauchen kann. Vielleicht gelingt ihm in dieser schwierigen Situation ja das, was Werder jahrelang ausgezeichnet hat: Mit geschickter Transferpolitik eine Mannschaft zu formen, die um die europäischen Startplätze mitspielen kann.

Gelingt es nicht, droht den Bremern die langfristige Verabschiedung ins Niemandsland der Tabelle.