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Kevin-Prince Boateng hofft beim BVB seine Karriere wieder in die Spur zu bekommen © getty

Kevin-Prince Boateng bekommt in Dortmund seine zweite Chance in der Bundesliga. Er gibt sich nach der Station Tottenham geläutert.

Von Kristof Reitemeyer

München - Sein Ruf war bereits angeschlagen, als Kevin-Prince Boateng unter großem Getöse 2007 von Hertha BSC zu Tottenham Hotspur wechselte.

Dort wurde er zuletzt links liegen gelassen und verschwand auch noch in der sportlichen Bedeutungslosigkeit.

Nun ist er in der Bundesliga zurück. Dortmund lieh den gebürtigen Berliner bis zum Saisonende aus ? für 100 000 Euro. Zudem erhielt der Verein eine Kaufoption, um den Mittelfeldspieler über die Saison hinaus langfristig binden zu können.

Der Ex-Herthaner galt zu seinen Bundesliga-Zeiten stets als "Enfant-Terrible". Mit seiner exzentrischen Art und nächtlichen Eskapaden sorgte er immer wieder für Aufsehen.

Riesenstreit mit Hoeneß

Der junge Boateng war ehrgeizig, erfolgshungrig - und überheblich. Das ganze endete in einem Riesenstreit mit Hertha-Manager Dieter Hoeneß.

"Ich habe mich mit ihm angelegt", erklärte Boateng nun rückblickend. "Heute weiß ich, dass mir zwei oder drei weitere Jahre bei Hertha BSC und unter Lucien Favre gut getan hätten."

Stattdessen ging er für 7,9 Millionen Euro nach London, in Europas stärkste Liga.

Auf dem Boden der Tatsachen

Dort erfüllten sich die Vorstellungen des damals 19-Jährigen nicht. Boateng landete heftig auf dem Boden der Tatsachen.

In Tottenham wurde der aufstrebende Star zum Bank- und Tribünendrücker. In zwei Jahren bestritt er lediglich 14 Partien für die "Spurs", nur eine davon über 90 Minuten.

"Ich habe mich zerrissen und trotzdem manchmal nur in der zweiten Mannschaft gespielt. Das hat mich stärker und reifer gemacht", behauptet er nun.

Überstürzter Angang

"In England habe ich viel nachgedacht", so Boateng. "Mein Weggang aus Berlin war überstürzt. Ich bin geflüchtet, ich war jung und naiv", bereut er seinen Wechsel.

Schon im vergangenen Jahr hoffte er auf eine Rückkehr in die Bundesliga. Unter anderem gab es Verbindungen zum VfB Stuttgart. Doch ein Wechsel scheiterte immer an der Ablösesumme.

Wunsch hat sich erfüllt

Nun hat sich sein Wunsch doch noch erfüllt. Mit Borussia Dortmund erhält der 21-Jährige nicht nur sportlich eine neue Perspektive. Für ihn ist es eine zweite Chance.

"Für diese Chance bin ich dankbar. Und 'Danke' habe ich in meinem Leben noch nicht oft gesagt", räumte er ein.

Boateng kann und muss nun beweisen, dass er an Reife dazu gewonnen und aus seinen Fehlern gelernt hat.

"Klopp mag verrückte Typen

Beim BVB spielt er nun in einer jungen, aufstrebenden Mannschaft. Dass der BVB immer auf spezielle Typen gebaut hat, könnte dem Exzentriker ebenfalls zu Gute kommen kann.

Trainer Jürgen Klopp hat seine Jungs allerdings stets im Griff. Ähnliche Eskapaden und Fehltritte wie ihn Berlin darf er sich bei ihm kaum erlauben. Auch Boateng weiß, was er an "Kloppo" hat.

"Jürgen Klopp mag verrückte Typen. Wer sich mit Klopp nicht versteht, hat selber ein Problem", erklärte er. "Das ist ein Super Typ."

Der Trainer verspricht sich viel vom Neueinkauf. "Für beide Seiten macht diese Verpflichtung Sinn", meinte Klopp. "Wir hoffen alle auf eine Win-Win-Situation."

"Nahezu perfekte Lösung"

"Es ist die nahezu perfekte Lösung, weil wir einen Spieler gesucht und gefunden haben, der alle Positionen im Mittelfeld spielen kann", lobte der Coach den Neuling weiter.

Das Debüt im Trikot der Schwarz-Gelben ist Boateng jüngst geglückt. Beim 3:0 im Testspiel gegen den VfL Osnabrück feierte er einen gelungenen Einstand.

"Ich freue mich hier auf alles", behauptet Boateng. "Außerdem will ich auf jeden Fall an meinem Image arbeiten."

Es liegt nun an ihm, was er aus seiner zweiten Chance macht: "Ich will hier Gas geben" sagt er. "Und wenn alles gut läuft, können wir bald Europa angreifen."

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