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Vedad Ibisevic traf für Hoffenheim in der Hinrunde 18 Mal ins Schwarze © imago

Hektische Betriebsamkeit: Nach dem Ausfall von Ibisevic sucht Hoffenheim nach adäquatem Ersatz und übt sich in Zweckoptimismus.

Von Tobias Schneider

München - Der Schock bei 1899 Hoffenheim sitzt tief, ganz tief:

Während Vedad Ibisevic am Donnerstag um 16.55 Uhr auf dem Frankfurter Flughafen landete, um sich in Heidelberg einer weiteren Kernspin-Tomographie zu unterziehen, versuchten Vereinsverantwortliche und Mitspieler, die später bestätigte Diagnose vom Kreuzbandriss ihres Toptorjägers zu verkraften.

Coach Ralf Rangnick gab dem Team am Donnerstag-Nachmittag trainingsfrei.

Suche nach Ersatz

Ausgerechnet Ibisevic: Der Spieler, der den schier unglaublichen Aufschwung des Aufsteigers mit 18 Toren in der Hinrunde verkörpert wie kein Zweiter, fällt für den Rest der Saison aus.

"Dass es ihn jetzt erwischt, ist extrem bitter", sagt Manager Jan Schindelmeiser im Gespräch mit Sport1.de. "Aber solche Verletzungen kommen immer zum falschen Zeitpunkt. Noch schlimmer wäre es allerdings gewesen, wenn sich Vedo am 2. Februar verletzt hätte. Jetzt haben wir noch die Möglichkeit zu reagieren."

Hoffenheim ist nach dem Kreuzbandriss des ligaweit besten Torschützen zum Handeln gezwungen. Denn: Die Personaldecke im Sturm ist zu dünn, um für den Rest der Spielzeit ein ernsthafter Mitbewerber im Meisterschaftskampf zu sein.

Wellington und Terrazino noch nicht so weit

Zwar stehen mit dem 20-jährigen Brasilianer Wellington und dem 17-jährigen Eigengewächs Marco Terrazino zwei hoffnungsvolle Nachwuchsstürmer parat, als Ersatz für den bosnischen Knipser taugen aber wohl beide nicht.

Zu allem Überfluss quält sich auch Chinedu Obasi mit muskulären Problemen, zum Rückrundenauftakt gegen Cottbus ist der dribbelstarke Nigerianer wohl zum Zuschauen verdammt.

Dementsprechend macht Trainer Rangnick erst gar keinen Hehl daraus, dass der Aufsteiger im verbleibenden Transferfenster noch einmal zuschlagen will.

Abweichung von der Philosophie

Dabei würden die Badener gar von ihrer eigenen Philosophie, junge, meist ungeschliffene Rohdiamanten zu verpflichten, abrücken.

"Er kann ruhig ein bisschen älter sein als Vedad. Vor allem muss er seine Torjäger-Qualitäten nachgewiesen haben und sowohl menschlich als auch finanziell bei uns reinpassen", skizziert Rangnick das Anforderungsprofil des gesuchten Stürmers.

Schindelmeiser sagt zwar, 1899 sei "gut orientiert", ist sich aber darüber im Klaren, dass sich die Suche nach Ersatz schwierig gestalten wird: "Welcher Verein gibt denn jetzt seinen besten Torjäger ab? Zumal wir nicht jeden Preis zahlen."

Absage von Derdiyok?

Nach der Verletzung Ibisevics hat 1899 die Fühler erneut nach Eren Derdiyok vom FC Basel ausgestreckt und sich nach Informationen der "Sport Bild" von dem Schweizer, der bereits Bayer Leverkusen eine mündliche Zusage für einen Wechsel im Sommer erteilte, einen Korb eingefangen.

Ohnehin wäre Derdiyok aber kaum der gewünschte Knipser gewesen, der Hoffenheim ad hoc weiterhilft.

In der im Vergleich zur Bundesliga deutlich schwächeren Super League kommt der 20-Jährige bislang auf lediglich vier Saisontore - bei 14 Einsätzen.

Gestärkter Teamgeist

Trotz der augenblicklich gedrückten Stimmung übt sich der Herbstmeister in Zweckoptimismus: "Die Jungs sind stabil. In wenigen Tagen wird sich die Lage wieder entspannt haben", hofft Rangnick.

Neu-Nationalspieler Tobias Weis nimmt seine Mannschaftskameraden in die Pflicht: "Das ist ein herber Schlag für uns. Jetzt müssen wir noch enger zusammenrücken." Dennoch: Einen adäquaten Ersatz für Ibisevic zu finden, bedarf viel Fingerspitzengefühl und einer Riesenportion Glück.

"Die Lücke sofort zu schließen, ist natürlich extrem schwer", weiß Schindelmeiser. Der ärgste Verfolger traut es 1899 zu: "Sie sind clever genug", sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß der "Bild". "Sie werden sich schon was einfallen lassen."

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