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Robert Enke startete seine Profikarriere 1995 bei Carl Zeiss Jena © getty

Nach 100 Tagen kehrt Robert Enke zurück ins Tor: Der Keeper setzt sich hohe Ziele - und will seinen Vertrag in Hannover erfüllen.

Nova de Cacela/Portugal - Nach einer gefühlten Ewigkeit stand Robert Enke endlich wieder in seinem Kasten.

Lange hatte der Torwart von Hannover 96 auf diesen Moment warten müssen.

Exakt 100 Tage nach seinem im Training der Nationalmannschaft erlittenen Kahnbeinbruch stand der Torwart von Hannover 96 im Testspiel gegen den FC Augsburg (2:1) wieder zwischen den Pfosten.

"Es fehlt noch einiges bis 100 Prozent"

"Ein schönes Gefühl", sagte Enke, auch wenn noch "einiges bis 100 Prozent fehlt". Gegen Augsburg zeigte der 31-Jährige eine souveräne Leistung, flog aber auch an einer Flanke vorbei.

"Ich habe mich selten so wenig über einen Fehler geärgert", meinte Enke gelassen, gab aber auch zu: "Am Timing bei Flanken muss ich noch arbeiten, da geht es um Zehntelsekunden."

Am Mittwoch gegen Beckham und Co.

Schon am Mittwochabend wird Enkes Timing einem echten Härtetest unterzogen. Dann kommt der AC Mailand mit David Beckham und seinen gefürchteten Flanken zum Testspiel nach Hannover.

"Mailand ist ein guter Test, ich freue mich drauf", sagte Enke.

Im Training imitierten Cheftrainer Dieter Hecking und Assistent Dirk Bremser die Hereingaben des Engländers. "Es geht darum, dass er wieder die Sicherheit und Ausstrahlung wie vor der Verletzung bekommt", sagt Hecking.

Kampf ums DFB-Tor

Das Wichtigste ist für Enke zunächst, nicht mehr tatenlos zusehen zu müssen.

Wie in den letzten drei Monaten, als Hannover die Talfahrt in den Tabellenkeller nicht stoppen konnte und in der Nationalmannschaft der große Rivale Rene Adler - für viele Experten ohnehin der Torwart der Zukunft - zum Zug kam.

Für Enke ist der Leverkusener Torhüter deswegen keineswegs im Vorteil.

"Ich denke, das Rennen ist offen. Der Rene hat zweieinhalb Spiele gemacht, ich vor meiner Verletzung vier. Ich glaube nicht, dass da irgendeine Entscheidung gefallen ist", sagt der Schlussmann, bei dem sich vor Weihnachten Bundestrainer Joachim Löw und Torwart-Trainer Andreas Köpke gemeldet hatten.

Im Kampf um den Stammplatz sei das nächste halbe Jahr aber entscheidend.

Hinter den Erwartungen zurück

Entscheidend ist die Rückserie auch für 96.

Mit nur vier Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz sind die Niedersachen von den anvisierten Plätzen, die zum internationalen Geschäft berechtigen, meilenweit entfernt.

Es droht der Abstiegskampf.

"Das ist eine gefährliche Situation. Es ist hoffentlich jeder in sich gegangen", mahnt Enke, der sich mit dem bloßen Ziel Klassenerhalt nicht anfreunden kann: "Nur nicht absteigen zu wollen, ist mir da doch zu wenig. Wir sollten so eine Rückrunde spielen, dass der Klassenerhalt frühzeitig klar ist."

Abschied aus Hannover?

Eins ist aber klar: Die Europacup-Bühne bleibt für Enke bei 96 weiter versperrt. Unbefriedigend für einen Nationaltorhüter, genauso wie die Tatsache, nie einen Titel geholt zu haben.

Enkes Vertrag in Hannover läuft noch ein Jahr, doch nicht wenige mutmaßen, die die Wege könnten sich schon nach der laufenden Saison trennen.

"Habe Vertrag bis 2010"

Dem widerspricht der Keeper: "Auf keinen Fall, ich habe hier einen Vertrag bis 2010", sagte Enke in einem Interview der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" auf die Frage, ob sich die 96-Fans auf schlechte Nachrichten einstellen müssen.

Dennoch gibt sich Klubchef Martin Kind eher skeptisch. "Ich denke, die Chancen stehen 50:50, dass Robert bleibt", sagte Kind im "NDR".

Karriere-Ende in Portugal?

Lose Anfragen für Enke, der Vertragsverhandlungen mit Hannover ablehnt ("Es gibt keine Notwendigkeit, Stress zu machen") gebe es, aber nichts Konkretes.

An den immer wiederkehrenden Gerüchten mit Bayern München, wo Kahn-Nachfolger Michael Rensing ein schwieriges halbes Jahr hinter sich hat, sei nichts dran.

"Ich habe nur gesagt, dass ich in meiner Karriere irgendwann nochmal für Benfica Lissabon spielen und vorher gerne einen Titel in Deutschland gewinnen würde", erklärt Enke. "Daraus wurde gefolgert, dass dies nur bei den Bayern möglich ist."

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