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Rudi Völler (l.) und Uli Hoeneß sind sich mit der Kritik an der verkürzten Pause einig © getty

Bayern-Manager Hoeneß regt sich über die Verkürzung der Spielpause und eine größere Bundesliga auf. Die DFL verteidigt sich.

Frankfurt/Main - Die einen feiern sie als wichtigen Durchbruch, den anderen ist sie ein Dorn im Auge:

Die Verkürzung der Bundesliga-Winterpause ab der kommenden Saison sorgt innerhalb der Liga weiterhin für Unmut.

Vor allem eine nun zusätzlich ins Spiel gebrachte Aufstockung heizt die Diskussionen unter den Verantwortlichen neu an.

Vorneweg poltert einmal mehr Bayern-Manager Uli Hoeneß gegen Überlegungen, 20 Vereine in der Eliteklasse spielen zu lassen.

"Ich finde, dass die Zweite Liga gerne auf 24 Vereine aufgestockt werden kann", sagte er der Münchner "tz".

"Damit habe ich überhaupt kein Problem. Aber die erste Liga muss dringend bei 18 Vereinen bleiben, ich bin eher dafür, sie auf 16 zu reduzieren."

Hoeneß: Belastung zu hoch

Als Grund führte Hoeneß auch mit Blick auf die zuletzt immer wieder geforderte Wiedereinführung des Ligapokals die zu hohe Belastung der Spieler an.

"Wenn auch noch ein Ligapokal während der Saison dazukommen soll, dann muss ich mir die Frage stellen, was das alles eigentlich soll?", meinte Hoeneß.

"Das wichtigste Kapital für die Vereine sind die Spieler. Wenn man die noch mehr belastet und ein zusätzlicher Spieler deswegen verletzt wird, ist das viel teurer als die Einnahmen, die man durch zusätzliche Heimspiele im Ligapokal kriegt."

Peters will Debatte

Für Ligaverbands-Vizepräsident Peter Peters ist eine Aufstockung von 18 auf 20 Klubs aber keineswegs vom Tisch. Er mahnte eine sachliche Debatte ohne Tabus und Denkverbote an

"Wir müssen die möglichen wirtschaftlichen Vorteile von Mehreinnahmen mit den sportlichen Nachteilen abwägen. Erst wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, können wir eine grundsolide und zukunftssichere Entscheidung treffen - und keine Minute früher", sagte der Schalke-Vorstand.

"Aufstockung ein ganz relevantes Thema"

DFL-Chef Christian Seifert hält eine Aufstockung zwar grundsätzlich für "ein ganz relevantes Thema, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Aber wir sollten darauf verzichten, kurzfristig Dinge zu entscheiden, die das Bild der Bundesliga in den nächsten 20 Jahren deutlich verändern würden. Wir müssen den Staus quo genau analysieren, die Fakten zusammentragen und dann konsequent eine Enscheidung treffen", erklärte er.

Laut Seifert dürfen die durch den neuen Medienvertrag in der kommenden Saison entstehende Delle bei den TV-Einnahmen in Höhe von knapp 25 Millionen Euro sowie die weltweite Finanzkrise nicht als Gründe angeführt werden, um "über eine Aufstockung nachzudenken oder Investoren zuzulassen".

Allerdings ist sich der DFL-Boss im Klaren darüber, "dass es keine Einstimmigkeit darüber bei allen Klubs der ersten und Zweiten Liga geben kann". Zudem müsse für eine Erweiterung der Bundesligen auf 20 Teams der Grundlagenvertrag mit dem DFB verändert werden.

Strutz fordert Aufstockung

Die Uneinigkeit zwischen denVereinen zeigt sich schon jetzt deutlich, zumal das Probleme der Überbelastung der Spieler hauptsächlich die Spitzenklubs der Bundesliga betrifft. Für die Zweitligisten ist eine Liga mit nur 18 Vereinen reinster Luxus.

"Wenn sich die Bundesliga nicht zu einer Aufstockung durchringt, sollte die Zweite Liga ihren eigenen Weg gehen. Wir können uns nicht immer von den Reichen regieren lassen. Die Zeit ist mehr als reif für eine Aufstockung", sagte Mainz-Präsident Harald Strutz, der als Vizepräsident des Ligaverbandes ein absoluter Befürworter der Aufstockung ist.

Hoeneß kritisiert Verkürzung der Pause

Bayern-Manager Hoeneß ist nicht nur diese Diskussion ein Dorn im Auge. Auch dass die Winterpause grundsätzlich verkürzt werden soll, hält Hoeneß in Deutschland für unsinnig.

"Bei den jetzigen Witterungsverhältnissen haben wir am Samstag wieder gemerkt, wie klug diese Abschaffung der Winterpause ist. Die Herren machen immer die Entscheidungen am 18. August, wenn es 35 Grad hat - und denken nicht daran, wie es im Winter ist", sagte Hoeneß.

Die hatten am vergangenen Samstag bei einem Test gegen Regionalligist Eintracht Bamberg (3:0) auf einer zentimeterhohen Schneedecke spielen müssen.

DFL verteidigt Entscheidung

In der Spielzeit 2009/2010 wird die Winterpause auf knapp vier Wochen verkürzt, die Saison endet wegen der WM in Südafrika bereits am 8. Mai 2010. Die Rückrunde startet bereits am 15. Januar 2010.

"Dadurch erübrigen sich während der gesamten Spielzeit die Wochenspieltage", erklärte der für den Spielbetrieb zuständige DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus und verteidigte die Entscheidung.

Neben Hoeneß sieht dagegen auch der ehemalige DFB-Teamchef Rudi Völler die kürzere Winterpause problematisch. "Das kann im Januar gut gehen, das kann aber ein großer Reinfall werden. Es kann mir keiner erzählen, dass es im Januar bei dieser Witterung Spaß macht, im Stadion zu sitzen. Da verstehe ich jeden Zuschauer, der zu Hause bleibt", sagte Leverkusens Sportchef Völler in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau".

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