Guardiola hat Lust auf Bayern
Von Andreas Kloo
München - Guardiola zum FC Bayern: Es wäre eine absolute Sensation.
Und mittlerweile scheint klar: Es könnte 2013 tatsächlich so kommen.
Christian Nerlingers angebliches Treffen mit Guardiolas Bruder Pere beim spanischen Cupfinale am 25. Mai wurde zwar dementiert.
Auch ist Pere nicht Agent seines Bruders, wirkt nur als dessen Berater.
Erste Sondierungskontakte gab es aber nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" auf jeden Fall.
"Mag die deutsche Liga"
Und seine grundsätzliche Bereitschaft soll der Star-Trainer bereits signalisiert haben.
Mehr als das: Guardiola hat sogar richtig Lust auf den Job beim FC Bayern. Die Bundesliga als neues Aufgabenfeld nach insgesamt 22 Jahren als Spieler und Trainer bei Barca reizt ihn.
Das gab er bereits im vergangenen Herbst zu verstehen:
"Ich mag die deutsche Liga, wegen des Landes, der Stadien und weil ich eine neue Sprache lernen würde", sagte Guardiola am Rande einer PR-Veranstaltung.
Erzählungen des Ex-Schalker Rauls, mit dem Guardiola eng befreundet ist, dürften dessen positive Meinung beeinflusst haben.
Raul betonte immer wieder, wie wohl er sich auf Schalke gefühlt habe und schwärmte von den professionellen Verhältnissen in Deutschland.
Gegenargument entkräftet
Mit dem Erwerb der Sprachkenntnisse wäre auch das einzige Gegenargument der Bayern-Verantwortlichen für eine Verpflichtung Guardiolas entkräftet.
"Wäre die Sprachbarriere nicht, würde ich sagen, dass Guardiola sicherlich einer für uns wäre", hatte Präsident Uli Hoeneß zuletzt im "Focus" gesagt.
In seinem jetzt begonnenen Sabbatjahr hätte Guardiola genügend Zeit, um Deutsch-Unterricht zu nehmen.
Wer ist Klub X?
Laut "SZ" hat Guardiola derzeit zwei ernsthafte Optionen, eine davon ist der FC Bayern. (DIASHOW: Bayerns Planspiele)
Wer der zweite Kandidat ist, ist unklar. Ein Angebot des FC Chelsea hatte Guardiola kürzlich ebenso abgelehnt wie eine Offerte aus Katar und die Avancen des AC Mailand.
Auch der ukranische Champions-League-Teilnehmer Shaktar Donezk, mit dessen Geschäftsführer sich der Coach kürzlich im Urlaub in Dubrovnik traf, ist eher unwahrscheinlich.
Guardiola winkt Rekordgehalt
Billig dürfte der dreifache Champions-League-Sieger (zweimal als Trainer, einmal als Spieler) für die Münchner jedenfalls nicht werden.
Bei Barcelona verdiente der 41-Jährige zehn Millionen Euro pro Jahr. Heynckes Gehalt liegt dem Vernehmen nach bei fünf Millionen.
Guardiola würde wohl auf jeden Fall teuerster Bayern-Trainer aller Zeiten werden.
Aber das dürfte es dem deutschen Rekordmeister wohl wert sein.
Khedira: "Das würde passen"
Auch die ersten Reaktionen der Spieler fallen lobend aus.
Holger Badstuber bezeichnete die Personalie als "interessant", Toni Kroos nennt Guardiola in der "Bild" das "Beste vom Besten".
Real Madrids Sami Khedira, der Guardiola aus der Primera Division kennt, ist sich sicher: "Das würde passen. Guardiola ist ein großer Trainer, der FC Bayern ein großer Verein."
Positive Äußerungen von Valdes
Auch Barcas Torwart Victor Valdes kann sich seinen Ex-Trainer sehr gut beim deutschen Rekordmeister vorstellen.
"Pep passt mit seiner Philosophie und seiner Art zu arbeiten sehr gut in die Mannschaft", sagte der 30-Jährige auf der Pressekonferenz des spanischen EM-Teams.
Für Valdes sei Bayern einer der größten Klubs der Welt und daher könne er sich gut vorstellen, dass sie Guardiola gerne als Trainer hätten.
Wenig Alternativen
Die Alternativen für Guardiola sind ohnehin rar. Angeblich haben Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Sportchef Christian Nerlinger eine Präferenz für Gladbach-Coach Lucien Favre.
Präsident Uli Hoeneß soll dagegen Hannovers Mirko Slomka und den neuen, alten Bayern-II-Trainer Mehmet Scholl favorisieren.
Feste Philosophie im Sinn
Aber was Erfolge und internationales Standing angeht, kann keiner mit Guardiola mithalten.
Außerdem könnte es ihm gelingen, bei den Bayern eine feste Spielphilosophie zu verankern, so wie er es auch beim FC Barcelona schaffte.
Das ließ die Münchner lange neidisch auf die Katalanen blicken.
Heynckes hilft mit
Auf SPORT1-Nachfrage wollten sich die Bayern-Verantwortlichen nicht zu dem Thema äußern.
Sollten sich die Kontakte mit Guardiola intensivieren, könnte es aber zu einer kuriosen Situation kommen.
Heynckes selbst könnte dank seiner exzellenten Spanisch-Kenntnisse bei den Verhandlungen mit seinem Nachfolger mithelfen.
Zuletzt hatten die Bayern schon erklärt, Heynckes könne über seinen Nachfolger mitbestimmen.
Gegenargumente dürften auch ihm wenige einfallen.


