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Uli Hoeneß kann den aktuellen Transfer-Wahnsinn nicht ernst nehmen © getty

Uli Hoeneß über Transfer-Wahnsinn, Podolski, die Vorbereitung auf die Rückrunde und das Pokalspiel in Stuttgart.

Aufgezeichnet von Matthias Becker

München - Die Nachwirkungen des UEFA-Cup-Jahres 2007/08 sind bei Uli Hoeneß immer noch sichtbar.

Auch bei der Eröffnung des neuen FC-Bayern-Reisebüros zeigte sich der Manager erleichtert, dass der böse Spuk des "Verlierercups" inzwischen vorbei ist:

"Hier werden alle Reisen zu Champions-League- und UEFA-Cup-Auswärtsspielen organisiert", sagte er: "Die zu UEFA-Cup-Spielen aber nur sehr ungern."

In diese unangenehme Situation kommen die Bayern aber diese Saison nicht.

So kann Hoeneß aus vielmehr über den momentan vorherrschenden Transferwahnsinn herziehen, schließlich hatte er jüngst erklärt, Juwel Ribery höchstens für 150 Millionen Euro ziehen zu lassen.

"Das war eher ein Spaß, ich hätte auch 500 Millionen sagen können", sagte Hoeneß angesichts der Mega-Summen, mit denen vor allem das neureiche Manchester City im Moment um sich wirft.

Im Interview spricht er zudem über Lukas Podolski, die Konkurrenten im Meisterkampf und das traurige Schicksal von Willy Sagnol.

Frage: Auf welchem Stand ist die Mannschaft wenige Tage vor dem ersten Pflichtspiel im Jahr 2009?

Uli Hoeneß: Wir hatten eine gute Vorbereitungsphase. Wir hatten in Dubai prima Verhältnisse und haben uns bei den Testspielen steigern können. Mit Kaiserslautern hatten wir einen ordentlichen Gegner und werden jetzt von Mainz gefordert. Der Trainer wollte wenige Spiele, und dem haben wir Rechnung getragen. Wir gehen gut gerüstet in das Pokalspiel gegen Stuttgart.

Frage: Die wichtigsten Personalfragen sind auch geklärt mit Lukas Podolski und Landon Donovan...

Hoeneß: Wir haben gesagt, im Fall Podolski bis Ende Januar Klarheit haben zu wollen. Das ist uns Gott sei dank gelungen. Was die anderen Dinge anbelangt, haben wir noch Zeit bis zum 6. oder 8. März. Donovan spielt im Moment ordentlich. Jetzt kommen die ernsthaften Spiele. (Donovan empfiehlt sich gegen Lautern)

Frage: Podolski wird von allen Seiten gelobt nach seinen Wechsel zu seinem Heimatverein. Nervt Sie das ein bisschen?

Hoeneß: Warum sollten wir das jetzt kritisch begleiten? Die Sache ist ordentlich abgelaufen und zu Ende gekommen und ich denke nicht, dass da jetzt nachgetreten werden sollte oder man irgendwelche Lobeshymnen aussprechen sollte. Das ist eine Sache, die am Ende sauber abgelaufen ist. (Podolski: "Ich bin nicht gescheitert")

Frage: Franz Beckenbauer hat gesagt, er finde es sehr schade, dass Podolski wieder gehe. Wie ist es für Sie persönlich?

Hoeneß: Natürlich hätte ich ihn lieber hier behalten, aber jetzt haben seinem Wunsch entsprochen. Es war sein Traum nach Köln zurückzukehren. Am Ende haben wir unser Geld wieder, Köln seinen Spieler. Also ist ja nicht viel passiert.

Frage:Was sagen sie zu Franck Ribery und den Ablösesummen, die im Raum standen? Sie haben gesagt, wenn Kaka 120 Millionen wert ist, müsste Ribery 150 Millionen kosten... 52991(Die Bilder: Busfahrer Ribery)

Hoeneß: Das war ja mehr ein Spaß. Ich glaube deswegen wird es jetzt Zeit, dass die Bundesliga wieder beginnt, sonst kostet der Spieler demnächst eine Milliarde. Ich habe ja vorher gesagt, dass ich nicht glaube, dass dieser Kaka-Transfer zu Stande kommt und bin sehr zufrieden, dass es auch so gekommen ist.

Frage: Nach den 150 Millionen für Ribery, die Sie aufgerufen haben, gibt es denn generell eine Schmerzgrenze?

Hoeneß: Ich hätte ja auch 500 Millionen sagen können. Ich wollte damit zeigen, dass ich das alles lächerlich finde, was da im Moment abgegangen ist. Wir haben selbstverständlich nicht vor, uns in Sachen Ribery locken zu lassen. Wir haben einen Vertrag mit Franck und wollen ihn möglichst lange hier behalten.

Frage: Gibt es bei Mark van Bommel einen neuen Stand?

Hoeneß: Nein, er ist gut gelaunt hier und wir haben keine Probleme miteinander.

Frage: Und zu Anatoli Timoschtschuk?

Hoeneß: Er hat unser Angebot und irgendwann werden wir seine Entscheidung bekommen.

Frage: Gibt es Neuigkeiten in Sachen Willy Sagnol?

Hoeneß: Ein Gespräch sollte schon stattfinden. Das musste aber ausfallen, weil seine Frau krank wurde und er auf das Kind aufpassen musste. Daher ist das Gespräch verschoben.

Frage: Und wie sieht es aus bei Alexander Baumjohann?

Hoeneß: Auch da gibt es nichts Neues. Wir werden uns in den nächsten Tagen damit beschäftigen.

Frage: Herbstmeister Hoffenheim ist durch die Verletzung von Vedad Ibisevic geschwächt. Ein Vorteil für den FC Bayern?

Hoeneß: Hoffenheim hat einen Rückschlag erlitten und wird noch nachrüsten in den nächsten zehn Tagen. Auf der anderen Seite ist es eine relativ gut gewachsene Mannschaft, die jetzt seit zwei Jahren zusammenspielt. Die nächsten vier Monate kann man das auch möglicherweise ohne neuen Stürmer kompensieren, dann ist Ibisevic ja auch schon wieder gesund.

Frage: Auf wen muss der FC Bayern neben Hoffenheim achten?

Hoeneß: Wir müssen uns auf jeden Fall darauf einrichten, dass der HSV und vielleicht auch Leverkusen die Gegner sein werden, die uns ernsthaft gefährden können.

Frage: Der nächste Gegner ist im Pokal Stuttgart, wie schätzen Sie den VfB ein?

Hoeneß: Wir haben ja kurz vor Weihnachten noch ein Punktspiel mit 2:2 in Stuttgart gehabt. Das war ja ziemlich dramatisch, speziell in der Schlussphase. Auch am Dienstag wird es ein heißer Fight und schwer genug. Aber wenn man ins Endspiel will, muss man jeden schlagen.

Frage: Serdar Tasci und Markus Babbel haben gesagt, dass Sie Luca Tonis "Schwalbenverhalten" nervt...

Hoeneß: Ich betrachte Luca Toni nicht als einen Mann, der viele Schwalben produziert. Er wird im Strafraum und der gegnerischen Hälfte fast immer unfair angegangen. Ein Mann mit fast zwei Metern Größe fällt nicht so leicht. Ich finde die Vorwürfe nicht haltbar.

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