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Sport1.de-Redakteur Daniel Rathjen (l.) trifft Bayerns Mittelfeld-Star Hamit Altintop © SPORT1

Hamit Altintop ist nach langer Pause wieder da. Mit Sport1.de spricht er über die Konkurrenz, Mekka und Lukas Podolski.

Von Daniel Rathjen

München - Hamit Altintop hat im Wintertrainingslager des FC Bayern in Dubai 52991(Die besten Bilder) ganz besonders Gas gegeben.

"Ich fühle mich wieder vollkommen fit, bin körperlich gut drauf", sagt Altintop im Interview mit Sport1.de.

Der türkische Nationalspieler hatte fast die komplette Bundesliga-Hinrunde verpasst. Am zweiten Spieltag war in seinem operierten rechten Mittelfuß eine Stressreaktion aufgetreten, die ihn lange außer Gefecht setzte.

Rückkehr am 17. Spieltag

Erst im letzten Spiel vor der Winterpause (2:2 in Stuttgart) konnte Trainer Jürgen Klinsmann den 26 Jahre alten Mittelfeldspieler erstmals wieder einwechseln.

Jetzt greift Altintop wieder an. Er will sich zunächst Einsatzzeit und dann einen Platz in der Startelf zurück erobern (Droht "Schweini" die Bank?).

Bei Sport1.de spricht Hamit Altintop über den Konkurrenzkampf mit Bastian Schweinsteiger, den Wechsel von Lukas Podolski und die Pilgerfahrt nach Mekka mit Franck Ribery.

Sport1.de: Herr Altintop... oder wollen Sie lieber "Haddsch" Altintop genannt werden?

Hamit Altintop: Nein, nein. Hamit Altintop ist mir lieber.

Sport1.de: Aber Sie sind Moslem und während des Trainingslagers in Dubai, beziehungsweise Saudi Arabien, nach Mekka - in die Geburtsstadt Mohammeds - gepilgert.

Altintop: Ja, das stimmt. Die Möglichkeit hat sich glücklicherweise ergeben. Franck und ich haben das gerne wahrgenommen und es war ein bewegender Moment.

Sport1.de: Was bedeutet für Sie Religion?

Altintop: Jeder glaubt an irgendetwas. Die Religion hat schon einen großen Stellenwert in meinem Leben.

Sport1.de: Sie sind ein Kämpfertyp, geben auf dem Platz alles und drücken gerade jetzt in der Vorbereitung mächtig aufs Tempo. Woraus schöpfen Sie Ihre Kraft?

Altintop: Ich fühle mich wieder vollkommen fit, bin körperlich gut drauf. Im Trainingslager haben wir gut gearbeitet und gute Grundlagen geschaffen, um die Rückrunde positiv zu gestalten.

Sport1.de: Sie befinden sich im direkten Konkurrenzkampf mit Bastian Schweinsteiger um den Platz im rechten Mittelfeld. Warum setzt sich Hamit Altintop durch?

Altintop: Ich bin gesund, gut erholt und ich habe Qualitäten, die der Mannschaft gut tun. Ich gebe immer 100 Prozent und wenn die Verantwortlichen mich beobachten und das auch feststellen, bin ich sicher, dass ich meine Einsätze bekomme.

Sport1.de: Belastet die Situation Ihr gutes Verhältnis zu Bastian Schweinsteiger?

Altintop: Nein, wir verstehen uns sehr gut. Das ist privat. Für einen Platz in der Mannschaft zu kämpfen, ist dagegen unser Job - alles ganz normal.

Sport1.de: Sie wissen, was sie wollen, Sie haben in Ihrer ersten Saison gleich mit Leistung überzeugt und in der Mannschaft hat Ihr Wort Gewicht. Wäre die Kapitänsbinde nicht auch etwas, was Sie reizen würde?

Altintop: Als Spieler vom FC Bayern hat man immer etwas zu sagen. Die Binde ist natürlich etwas Besonderes. Aber ich würde Sie nie einfordern. Ich denke, das entwickelt sich von selbst. Wichtig ist, dass man step-by-step vorgeht. Wenn die Zeit reif ist, werden die entsprechenden Leute schon auf einen zugehen.

Sport1.de: Lukas Podolski wird den Verein dagegen verlassen. Von Seiten des FC Bayern wurde auch seine Einstellung in Frage gestellt. Können Sie seinen Wunsch, nach Köln zurückzukehren, verstehen?

Altintop: Spieler kommen und gehen in diesem Bundesliga-Geschäft. Ich kann ihn insgesamt schon verstehen. Vom Typ finde ich Podolski toll. Aber er ist jung und kann auch noch viel lernen.

Sport1.de: Kann er dem FC Bayern in der Rückrunde überhaupt noch helfen, wenn er gedanklich schon woanders ist?

Altintop: Ich weiß nicht, ob er gedanklich schon woanders ist. In jedem Fall hat er eine viel Klasse und wird uns dadurch sicherlich helfen können.

Sport1.de: Sie selbst waren 2008 ein halbes Jahr verletzt. Wie hat Sie Jürgen Klinsmann unterstützt?

Altintop: Ich war immer dicht bei der Mannschaft. Ich konnte zwar nicht spielen und war nicht bei den Auswärtsfahrten dabei, aber dennoch gab es die Gelegenheit, viel zu reden. Dadurch habe ich das Gefühl gehabt, vollkommen dazu zu gehören.

Sport1.de: War die Verletzungsphase die schlimmste in Ihrer Karriere?

Altintop: Es war auf jeden Fall die längste Zeit, die ich ausgefallen bin. Klar war es schlimm, solange nicht das tun zu können, was ich möchte und liebe - Fußball spielen. Aber die Phase hat mich auch weitergebracht.

Sport1.de: Inwiefern?

Altintop: Ich habe gelernt, den Sport mit anderen Augen zu sehen. Man lebt so schnell heutzutage. Die Seele kommt gar nicht mit und man hat gar keine Zeit, Spiele so richtig zu analysieren und Lehren daraus zu ziehen. Ich habe von der Tribüne aus sehr viele Sachen gesehen, die mein Spiel positiv beeinflussen können. Letztlich kann ich sagen, dass ich aus der Phase gestärkt hervor gegangen bin.

Sport1.de: Sie brennen auf die Rückrunde, muss sich 1899 Hoffenheim warm anziehen?

Altintop: Auf dem Papier sind wir Jäger von Hoffenheim. Bei allem Respekt: Für Hoffenheim wird es aber in der Rückrunde enorm schwierig, die Leistung aus der Hinrunde zu wiederholen. Sie stehen jetzt selbst unter Druck. Wir sind im Kommen und geben alles dafür, dass wir am Ende der Saison wieder oben stehen.

Sport1.de: Was haben Sie sich persönlich vorgenommen?

Altintop: Meine Ziele sind die der Mannschaft. Ich fühle mich absolut wohl hier. Der Verein ist top organisiert. Wir wollen Meister werden. Zudem können wir in der Champions League für eine Überraschung sorgen. Das Halbfinale, warum nicht auch das Finale, sind durchaus drin!

Sport1.de: Sie identifizieren sich mit dem FC Bayern, doch Sie haben auch noch eine emotionale Bindung zu Ihrem Ex-Klub Schalke 04, wo Ihr Zwillingsbruder Halil unter Vertrag steht. Warum läuft es in Gelsenkirchen nicht rund?

Altintop: Bei so einem großen Klub sind großer Druck und hohe Ansprüche normal. Die aktuelle Situation zeigt aber, dass es mit teuren Neuzugängen und einem neuen Trainer nicht immer so einfach getan ist.

Sport1.de: Wann wechselt Halil denn zum FC Bayern?

Altintop: Er hat Qualität und wenn er die richtigen Leute um sich herum hat, die ihm zeigen können, wie er die am besten einsetzt und ehrlich mit ihm umgehen, kann er auch noch viel mehr. Er wäre vielleicht auch eine Verstärkung für Bayern, aber über einen Transfer zu entscheiden liegt ja nicht in unserer Macht.

Sport1.de: Wo sind dennoch Neuverpflichtungen nötig?

Altintop: Wir haben eine gute Mannschaft, unsere Ziele vor Augen und entwickeln uns Stück für Stück weiter. Wenn wir als Team noch weiter wachsen, wird ganz automatisch eine sehr gute Mannschaft aus uns.

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