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Toni Schumacher hütete 76-mal das Tor der deutschen Nationalmannschaft © getty

Für Sport1.de schreibt der ehemalige Nationaltorhüter Toni Schumacher exklusiv über das Geschehen in der Bundesliga.

Endlich wieder Bundesliga, endlich liegt die Wahrheit Woche für Woche wieder auf dem Platz. Endlich haben diese Stammtisch-Formanalysen nach Testspielen ein Ende. Endlich weiß nach diesem Start-Wochenende jeder Trainer "wo er und seine Mannschaft stehen".

Jürgen Klinsmann steht heute Abend erst einmal im Regen! Denn in München hat der Wetterdienst Gewitter und Dauer-Schauer prognostiziert.

Außerdem kommt der HSV in die Allianz-Arena ? und der hat dort seit Eröffnung des raumschiffartigen Super-Stadions noch nie verloren.

Das wird auch so bleiben.

Denn: Bei den Bayern läuft noch gar nichts rund, spürt man schon die Nervosität, den Druck. Die Angst, dass man mit der "Methode Klinsmann" scheitern könnte und die Liga lacht.

Aber: Keine Panik, Uli Hoeneß! Am Saisonende hat DER Manager des Deutschen Fußballs wie immer Recht behalten. Seine Bayern werden Meister, Jürgen Klinsmann seinen ersten Trainer-Titel auf der Autogrammkarte.

Zwischendurch wird's krachen und scheppern, fliegen die Buddhas von der Lounge-Terrasse, gibt es das übliche Entertainment pur.

Deshalb liebe ich diesen FC Bayern und deshalb funktioniert unsere Bundesliga. Man weiß in München immer, woran man ist: Verlieren ist grundsätzlich verboten, Siege die tägliche Nahrung, Erfolg steht über ALLEM. Über jedem Namen, über jedem Trainer.

Die Besten sein zu wollen, ständig ? dieses Denken treibt Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge an. Gnadenlos die Konkurrenz in Schach halten und danach handeln. Der Rest, die Mini-Krisen ? eine unterhaltsame Show.

Jürgen Klinsmann wird in München schnell viel lernen - und mit der Schale in der Hand sein "Grinsi-Gesicht" zeigen?

Gespannt bin auf die anderen Neu-Trainer in der Liga: Fred Rutten, Martin Jol und Jürgen Klopp.

Bei "Kloppo" habe ich immer dieses Mainz-Gefühl im Hinterkopf, kann mich noch gar nicht an seine schwarz-gelbe BVB-Trainings-Tracht gewöhnen.

ABER: Auch das Experiment wird gut gehen. Weil Klopp die einstige Fußball-Großmacht schneller in den Griff bekommen wird als alle seine Vorgänger und die Sehnsucht der Fans in Dortmund nach "Fußball pur" lesen kann.

Auch in Schalke und Hamburg hat man gut gewählt: Den richtigen Chef für die richtige Mannschaft.

Schalke wird DER Bayern-Jäger sein. Wie seit Jahren. Nur besser, spielerisch organisierter, bissiger. Der Sieg gegen Atletico Madrid ? da konnte man die Spiel-Idee von Rutten schon erkennen. Kontrollierte Offensive, technische Rafinesse gepaart mit Willen und Kampf. Königsblau ist meine Nr. 2, der HSV bleibt unter den Top 5.

Und Werder ist natürlich auch dabei, obwohl in der letzten Saison das Weserstadion eigentlich der Komödiantenstadl der Liga war: Super-Star- Diego wurde von seinem Vater täglich neu verkauft, Carlos Alberto ?der teuerste Einkauf der Klubgeschichte ? war eher ein Party-Kicker mit Schlafstörungen, Prügeleien in der Kabine.

Nur hat's keiner richtig gemerkt, was bei Werder so los war ? außer der Kreiszeitung Syke und dem Weserkurier?

Und natürlich Thomas Schaaf. Und der walzt Krisen sofort nieder. Ergebnis: Werder bleibt immer in Champions-League-Nähe.

Bei den Aufsteigern lege ich mich auch fest: ALLE bleiben DRIN. Zwischendurch wird mal gezittert und in Köln wackelt der Dom, nein der Daum ? aber nur vor Wut.

Weil ihm die Euphorie schon wieder zu groß ist. Neben Karneval wird ja schon der UEFA-Cup geplant, typisch kölsch.

Auf dem Teppich bleiben! Der FC ist gut verstärkt und landet vor den Abstiegsrängen. Nicht weniger und auch nicht mehr.

Sorgen mache ich mir um Arminia Bielefeld. Wie immer.

Um Energie Cottbus. Wie immer.

Um den VfL Bochum. Wie immer.

Um Hertha BSC. Das ist neu. In Berlin ist einfach nichts entwickelt worden in den letzten Jahren. Die Hauptstadt-Dame Hertha ist eine graue Maus, da nutzt auch kein Uefacup weil man so fair spielt.

Hertha ist in Gefahr. Und das Schlimme daran: Keiner regt sich über den Zustand eines solchen Klubs wirklich auf.

Mich emotionalisiert Fußball immer. Wie gerne würde ich an diesem Wochenende in einem Mannschaftsbus sitzen und zum ersten Spiel fahren.

Nervös, angespannt, innerlich brodelnd, weil es endlich losgeht.

Das Gefühl wird immer bleiben. Die Bundesliga regt mich auf!

In ein paar Stunden ist Anpfiff. Ich freu mich drauf.

Herzlichst Euer Toni Schumacher

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