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Matthias Sammer (hi.) gewann 1997 mit Borussia Dortmund die Champions League © imago

Vor den Augen des neuen Sportchefs bittet der FCB zum Trainingsauftakt: Nach seiner Vorstellung ist Sammer pychologisch gefordert.

Von Christian Stüwe

München - Es war der große Paukenschlag beim FC Bayern schon einen Tag vor dem Trainingsauftakt am Dienstag (ab 15 Uhr) und elektrisiert noch immer ganz Fußball-Deutschland:

Der bisherige DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, der danach offiziell vorgestellt wird (ab 17 Uhr im ), löst den beim Rekordmeister in gleicher Funktion stehenden Christian Nerlinger ab und kümmert sich ab sofort als "Vorstand Sport" um die Belange an der Säbener Straße (Bericht).

Angesichts dieser Personalie wird der Aufgalopp der Bayern-Spieler zur ersten Übungseinheit zur Nebensache:

Zumal die Stars im Kader der Münchner noch im EM-Urlaub weilen. (563193DIASHOW: Bayerns Planspiele)

Aufbauhilfe vom Nerlinger-Nachfolger

Doch gerade die Aufbauhilfe für diese Spieler dürfte eine der Hauptaufgaben Sammers in den kommenden Wochen werden.

Nach drei Vizetitel inklusive des "Finale-Dahoam"-Desasters gegen Chelsea müssen die acht Nationalspieler der Münchner nun auch noch das bittere EM-Aus gegen Italien verarbeiten.

"Wir haben viermal auf die Fresse gekriegt", hatte Mario Gomez kürzlich einen Einblick in den aktuellen Gemütszustand der bayerischen Nationalkicker gegeben.

Schweinsteiger angeschlagen

Besonders schwer scheinen die letzten Wochen dabei Bastian Schweinsteiger zugesetzt zu haben.

Zunächst wurde der 27 Jahre alte Mittelfeldspieler im Champions-League-Finale zur tragischen Figur, als er im Elfmeterschießen den entscheidenden Versuch an den Pfosten setzte.

Nach mehreren Verletzungen im Verlauf der Saison wirkte Schweinsteiger schon damals nicht fit. Dann schleppte er sich auch noch mit einem schmerzenden Knöchel durch die EM - und enttäuschte.

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"Da nimmt keiner Rücksicht drauf"

Mitleid bekam Schweinsteiger keines. Stattdessen übernahm Sami Khedira die Rolle des Antreibers im Mittelfeld und stellte seinen Partner auf der Doppelsechs in den Schatten.

"Wenn du aufläufst, gibt es keine Entschuldigung", sagte Thomas Helmer im SPORT1-Doppelpass.

"Wenn du mit Grippe spielst und das schlecht, dann bist du selbst schuld", führte der Europameister 1996 weiter aus: "Da nimmt keiner Rücksicht drauf."

Und so wurde Schweinsteiger zu einem der Verlierer der EM.

Wieder kein internationaler Titel

Anstatt seine Karriere mit dem lang ersehnten internationalen Titel zu veredeln, waren die letzten Monate ein Rückschritt für Schweinsteiger - vielleicht die bitterste Zeit seiner bisherigen fußballerischen Laufbahn überhaupt.

Nach der EM müsse er sehen, "dass ich endlich mal wieder ganz gesund werde", hatte Schweinsteiger bereits während des Turniers gesagt.

Das liegt auch ganz in Sammers Interesse: Die Verantwortlichen hoffen, dass Schweinsteiger bis zum 22. Juli, wenn Bayerns Nationalspieler wieder ins Training einsteigen, zumindest körperlich wieder auf dem Damm ist.

Zweifel an Siegermentalität

Auch Philipp Lahm regeneriert noch:

"Jetzt haben wir ein paar Wochen Urlaub, da heißt es den Akku aufladen", erklärte der Kapitän und versuchte nach vorne zu blicken: "Und dann geht alles wieder von vorne los. Dann werden wir wieder hart arbeiten für den nächsten Erfolg."

Anfang November wird der Außenverteidiger 29 Jahre alt, trotz zahlreicher nationaler Titel muss er aber weiter auf einen internationalen Titel warten.

Bei allem Optimismus kann auch Lahm sich der aufkommenden Zweifel an einer fehlenden Siegermentalität nicht erwehren.

Sammer-Mentalität zum Vorbild

Genau hier dürfte Sammer ins Spiel kommen: Als Spieler führte der 44-Jährige die Nationalmannschaft 1996 zum Europameistertitel und Borussia Dortmund ein Jahr später zum Champions-League-Triumph.

Das Bild, wie Sammer einst in der Bundesliga trotz einer klaffenden Platzwunde mit blutbeflecktem Trikot weiterspielte, ist unvergessen.

Als Trainer ging er mit dem BVB 2002 als jüngster Meistertrainer in die Geschichte ein. Auch als DFB-Sportdirektor wurde es der 44-Jährige nie müde, fehlende Siegermentalität anzuprangern.

FCB will Negativserie brechen

Genau die gilt es den Bayern-Spielern nun einzuimpfen: Den acht deutschen Nationalspielern, aber auch Franck Ribery, Arjen Robben und Anatoliy Tymoshchuk, für die die EM alles andere als optimal verlief.

Und Sammer und der FC Bayern wollen noch ein weiteres Trauma aus der Welt schaffen: Seit der Saison 2004/'05 gelang es den Münchnern nicht mehr, nach einem großen Turnier die Meisterschaft zu gewinnen.

Doch in der kommenden Spielzeit muss der Titel um jeden Preis her: Eine dritte Saison ohne Meisterschaft wäre für den FC Bayern und Sportchef Sammer indiskutabel.

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