"Es war kein verlorenes Jahr"
Von Reinhard Franke
München - Mit dem Wechsel zum FC Bayern im vorigen Sommer hatte sich Nils Petersen einen Traum erfüllt.
Doch aus dem Traum wurde für den Zweitliga-Torschützenkönig von 2011 schnell harte Realität.
Nur selten kam der frühere Cottbuser beim Rekordmeister zum Einsatz. Die Konkurrenz in München war einfach zu stark.
Kein Wunder also, dass Petersen nach der vergangenen Saison den Wunsch äußerte, bei einem anderen Verein mehr Spielpraxis sammeln zu dürfen - und nun auf Leihbasis zu Werder Bremen ging (DIASHOW: Bayerns Planspiele).
Keine Torvorgabe
Bei seiner dortigen Vorstellung ließ er sich nicht entlocken, wie viele Tore er für die Hanseaten schießen wolle.
"Ich möchte möglichst bei allen 34 Spielen dabei sein und der Mannschaft helfen", sagte der 23-Jährige, der in Wernigerode geboren wurde (NEWS: Petersen in Bremen vorgestellt).
Sein Vertrag in München wurde indes bis 2015 verlängert.
Bei SPORT1 spricht Petersen über sein erstes Jahr beim Rekordmeister, den Neuanfang in Bremen und er stärkt Bayerns EM-Verlierern den Rücken.
SPORT1: Herr Petersen, wie groß ist Ihre Erleichterung, dass es mit dem Wechsel rechtzeitig vor Werders Trainingsauftakt am Donnerstag noch geklappt hat?
Nils Petersen: Ich freue mich, dass sich die beiden Vereine geeinigt haben. Aber für mich stand fest, dass ich auch bei Bayern weiter mein Bestes gegeben hätte, wenn es nicht geklappt hätte. Natürlich ist es so jetzt viel besser für mich, und die Vertragsverlängerung mit Bayern bis 2015 war für mich auch nochmal eine große Wertschätzung. Ich hoffe jetzt, dass ich das Jahr in Bremen nutzen kann, um Werder wieder erfolgreicher aussehen zu lassen und dass ich mich auch weiter entwickle. Es ist schön, dass ich die Chance bekomme zu zeigen, dass ich in der Bundesliga auch Tore schießen kann.
SPORT1: Sie können bei Bremen Spielpraxis sammeln und haben den Vertag mit den Bayern verlängert. Eine bessere Situation gibt es nicht, oder?
Petersen: Das stimmt, aber Herr Nerlinger hat ja gesagt, dass die Verlängerung zeigen soll, dass die Bayern weiter auf mich setzen.
SPORT1: Wie bewerten Sie das Münchner Signal, Ihren Vertrag zu verlängern?
Petersen: Es freut mich. Die Bayern gehen davon aus, dass ich eine gute Entwicklung nehmen und auch bei einem Super-Verein wie Werder Bremen meinen Weg gehen werde. Gleichzeitig habe ich das Zeichen bekommen, dass ich zurückkommen soll. Das ist auch nicht selbstverständlich und eine Bestätigung der guten Arbeit, wenn man auch nicht so oft gespielt hat, wie man sich das vorgestellt hat. Es war dennoch ein Super-Jahr bei Bayern.
SPORT1: Wirklich? Sie haben nur neun Bundesliga-Spiele absolviert, trafen zwei Mal. Titel konnten sie mit der Mannschaft auch keinen feiern.
Petersen: Es war dennoch kein verlorenes Jahr bei Bayern. Ich habe den Wechsel nach München bis heute nicht bereut. Ich wusste, dass das eine schwierige Aufgabe wird, aber ich bin realistisch an das Projekt Bayern München rangegangen. Ich konnte in allen Wettbewerben spielen, war ein Teil in einem qualitativ überragenden Kader. Dass am Ende kein Titel raussprang, war schade, aber das Kapitel Bayern ist ja nicht geschlossen.
SPORT1: Sie sind also nicht gescheitert?
Petersen: Überhaupt nicht. Ich kam 2011 aus der 2. Liga, und es war nicht so einfach. Ich habe nicht ein Training verpasst, habe mich immer versucht zu zeigen, und meine Verlängerung bis 2015 zeigt ja, dass ich nicht so viel falsch gemacht habe.
SPORT1: Aber ganz ehrlich, ein Profi will doch regelmäßig spielen.
Petersen: Natürlich ist man enttäuscht, wenn man auf der Bank sitzt. Aber ich verstehe Herrn Heynckes. Bei so einem tollen Kader muss man als Trainer immer einigen Spielern weh tun. Ich war schon auch sauer, aber generell konnte ich mit meiner Situation gut umgehen. Ich gehe nach Bremen, um gestärkt zurückzukommen. Diesen Weg sind schon vor mir viele Spieler bei Bayern gegangen. Bei Bremen habe ich ein gutes Gefühl, das ist eine Top-Adresse.
SPORT1: Aber nicht mehr so wie noch vor einigen Jahren. Werder Bremen spielt seit zwei Jahren nicht mehr im internationalen Geschäft, steht vor einem großen Umbruch.
Petersen: Es ist trotzdem eine reizvolle Aufgabe. Es gibt viel Qualität im Kader, und man hat auch den einen oder anderen Spieler verpflichtet. Vielleicht kommt noch Eljero Elia. Natürlich ist ein Umbruch da, aber mit den Spielern, die da waren, gab es auch keinen Erfolg. Die Zeit in Bremen ist reif für etwas Neues.
SPORT1: Bremens Trainer Thomas Schaaf ist ein ruhiger, sachlicher und bodenständiger Typ. Ähnlich wie Sie. Das könnte also passen.
Petersen: Auf jeden Fall. Ich habe bei ihm ein gutes Gefühl und mache mir da am wenigsten Gedanken. Natürlich kriege ich keine Stammplatzgarantie. Ich habe aber nur dieses eine Jahr Zeit, um meine Chance zu nutzen. Mein Wunsch ist es, Bremen zu helfen und mich weiterzubringen. Ich freue mich auf die Zeit.
SPORT1: Noch ein Wort zum Rekordmeister. Nach der titellosen Saison konnten die Bayern-Spieler auch bei der EM nicht glänzen. Wie wird man das wegstecken?
Petersen: Ich glaube, dass die Jungs Profis genug sind, viel Erfahrung haben und damit umgehen können. Natürlich wird das noch einige Zeit an ihnen nagen, aber spätestens zum Saisonstart kitzeln wieder die Füße, da sind sie wieder heiß auf Titel. Jeder weiß, dass es nichts bringt, die Köpfe hängen zu lassen. Ich mache mir keine Sorgen. Es wird das Jahr von Bayern München.


