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Matthias Sammer (r.) wird beim FC Bayern Nachfolger von Christian Nerlinger © getty

Der DFB-Sportdirektor wird ab sofort neuer Sportvorstand beim Rekordmeister. Die Trennung von Nerlinger steht schon länger fest.

Von Martin Volkmar und Christian Paschwitz

München - Hammer beim FC Bayern:

DFB-Sportdirektor Matthias Sammer wechselt ab sofort als Sportvorstand zum FC Bayern und löst dort den bisherigen Sportchef Christian Nerlinger ab.

Nachdem sich Sammer am Wochenende mit den Münchnern geeinigt hatte, erteilte ihm der Verband am Montag die Freigabe.

Trennung angeblich seit Wochen klar

Die Trennung von Nerlinger habe dagegen laut FCB schon nach dem Ende der titellosen letzten Saison wegen "unterschiedlicher Auffassungen über das Konzept für die Zukunft der Mannschaft" festgestanden.

"Wegen der bevorstehenden Euro 2012 und der damit zu erwartenden Unruhe, wurde vereinbart, die Trennung von Christian Nerlinger erst nach der Europameisterschaft bekannt zu geben", erklärte der Rekordmeister in einer Pressemitteilung.

Dank von Hoeneß

"Ich möchte mich im Namen des Klubs bei Christian Nerlinger ausdrücklich für seine Arbeit in den vergangenen vier Jahren beim FC Bayern bedanken", sagte Bayern-Aufsichtsratsboss Uli Hoeneß.

"Ich hoffe sehr, dass unser aller gutes persönliches Verhältnis auch weiterhin Bestand hat."

Dennoch machen die Münchner Nerlinger nun zum Sündenbock für die verkorkste abgelaufene Spielzeit, während Trainer Jupp Heynckes seinen bis 2013 laufenden Vertrag erfüllen darf.

Nur dreimal Zweiter

Der FCB war nach Niederlagen im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea und im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund sowie in der Meisterschaft dreimal Zweiter geworden.

Erstmals seit 1992 blieb der deutsche Rekordmeister damit zwei Jahre in Folge ohne Titel.

"Ich wünsche dem FC Bayern weiterhin alles erdenklich Gute", wurde Nerlinger zitiert. "Ich habe hier eine gute und sehr intensive Zeit erlebt und werde dem Klub auch weiterhin freundschaftlich verbunden bleiben."

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Schon länger auf Bayerns Liste

Der in der Nähe von München lebende Sammer galt schon länger als Favorit auf einen Posten bei den Bayern, entweder als Trainer oder als Sportchef.

Nun wird der 44-Jährige in der Vereinsführung neben Boss Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner offiziell Vorstand für Lizenzspielerangelegenheiten.

"Lassen Sammer nur schweren Herzens gehen"

"Wir lassen Matthias Sammer nur sehr schweren Herzens gehen. Er hat mit seiner Kompetenz und Leidenschaft viel für die Talentförderung in Deutschland bewegt und dem Verband mit seiner Art unglaublich gut getan", erklärte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

"Gleichzeitig respektieren wir seinen Wunsch und möchten seinen weiteren Plänen nicht im Wege stehen. Die enge Verbindung zu ihm wird auch in Zukunft erhalten bleiben."

Der Verband will nun in Ruhe nach einem Nachfolger für den seit 2006 beim DFB erfolgreich tätigen Sammer suchen.

Rückkehr als Trainer ausgeschlossen

Der Ex-Weltstar war in den vergangenen Tagen auch als möglicher Nachfolger für Bundestrainer Joachim Löw gehandelt worden, falls dieser nach der heftigen Kritik in Folge des EM-Ausscheidens gegen Italien zurücktreten sollte.

Eine Rückkehr auf die Trainerbank hatte der ehemalige Meistercoach von Borussia Dortmund (2002) allerdings zuletzt im Mai kategorisch ausgeschlossen.

"Ich sehe mich als Sportdirektor. Ich habe ein paar Jahre dafür gebraucht, um das beurteilen zu können", erklärte Sammer, der auch den VfB Stuttgart betreute:

"Aber heute, mit der ganzen Erfahrung, sage ich ganz klar: Der Job des Sportdirektors ist meine absolute Erfüllung. Das ist ein herausragender Beruf, weil wir im deutschen Fußball noch viel bewegen müssen."

Vertrag beim DFB bis 2016

Mit dieser Begründung hatte der gebürtige Dresdner auch Anfang 2011 ein unterschriftsreifes Angebot des Hamburger SV als Sportchef abgelehnt und seinen Vertrag beim DFB bis 2016 verlängert.

Umso überraschender kommt nun der Wechsel zu den Bayern, wo die Hauptaufgabe das Ende der Dominanz seines Ex-Vereins Borussia Dortmund sein dürfte.

Als Profi war Sammer Champions-League-Sieger mit dem BVB (1997) sowie mit den Borussen und dem VfB Stuttgart dreimal Meister, zudem 1996 Europameister.

Für den gebürtigen Dortmunder Nerlinger endet dagegen die Nachfolge von FCB-Boss Uli Hoeneß auf dem Managerstuhl nach nur vier Jahren.

Nerlingers magere Bilanz

Der ehemalige Bayern-Profi hatte am 1. Juli 2008 als Teammanager angefangen, war ein Jahr später zum Sportdirektor aufgestiegen und besaß noch einen Vertrag bis 2014.

Nerlinger konnte in dieser Zeit aber lediglich zwei Titel holen, das Double mit Trainer Louis van Gaal 2010.

Eine vergleichsweise magere Bilanz, offenbar auch für die Führung des Renommierklubs.

Obwohl daher die Trennung schon seit Mai feststehen soll, hatte der 39-Jährige zuletzt die Planungen für die neue Saison auf Hochtouren voran getrieben.

So verpflichtete Nerlinger in Dante, Claudio Pizarro, Mario Mandzukic, Mitchell Weiser, Tom Starke sowie des schon länger feststehenden Xherdan Shaqiri bereits sechs Neuzugänge. ( 563193 DIASHOW: Bayerns Planspiele )

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