"Reizvolle Aufgaben" überzeugen Favre
Von Tobias Wiltschek
München - Lange hatte er sich Zeit gelassen.
Lucien Favre verweigerte trotz des sensationellen vierten Platzes in der vergangenen Saison und der Aussicht auf die Champions League monatelang seine Unterschrift unter eine Vertragsverlängerung.
Knapp acht Wochen vor Beginn der neuen Saison verlängerte er dann doch bei der Gladbacher Borussia - bis Juni 2015 ( SPIELPLAN: Die Saison 2012/2013).
"Ich war mit dem Vorstand und der Geschäftsführung schon seit längerer Zeit in Gesprächen und freue mich nun über die Vertragsverlängerung und die vor uns liegenden reizvollen Aufgaben", erklärte der Schweizer. "Es wird eine große Herausforderung."
Leistungsträger verlassen Gladbach
Dass diese Gespräche nicht schon früher zu einer Einigung geführt haben, hatte mehrere Gründe ( VEREINSSEITEN: Alles zu Ihrem Verein).
Die Gladbacher verloren nach der besten Saison seit Jahrzehnten ihre Leistungsträger Dante, Marco Reus und Roman Neustädter an die zahlungskräftigere Bundesliga-Konkurrenz und suchten lange vergeblich nach adäquatem Ersatz.
Spekulationen um Wechsel
Dazu kamen immer wieder Spekulationen auf, wonach auch der Schweizer bei einigen europäischen Top-Klubs auf der Wunschliste stehen soll (DIASHOW: Transfermarkt Bundesliga).
Immer wieder war in diesem Zusammenhang von den Bayern die Rede gewesen, die Favre angeblich gerne als Nachfolger für Jupp Heynckes gesehen hätten.
Vor allem Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und der mittlerweile entlassene Sportdirektor Christian Nerlinger sollen sich für Favre stark gemacht haben, während Präsident Uli Hoeneß Zweifel geäußert habe.
"Es gab mehrere Anfragen"
Aber auch bei Bayer Leverkusen und in Frankreich wurde der Name des 54-Jährigen gehandelt.
Nach Informationen der "L'Equipe" galt er als Wunschkandidat für den am Montag bei Olympique Marseille zurückgetretenen Didier Deschamps.
"Es gab mehrere Anfragen", gab Favre bei der Pressekonferenz am Mittwoch zu, "aber die Priorität war immer Gladbach. Ich habe immer gesagt, dass ich bei Gladbach bleibe, wenn
wir eine Lösung finden."
Rettung vor dem Abstieg
Womöglich waren zu diesem Zeitpunkt zwischen ihm und den Gladbachern, die er 2011 noch vor dem fast sicheren Abstieg gerettet hatte, nur noch Details zun klären.
Entsprechend erleichtert äußerte sich auch der Gladbacher Sportdirektor.
"Lucien Favre ist für Borussia genau der richtige Trainer und wir freuen uns, dass wir den Weg, den wir mit ihm eingeschlagen haben, weiter gehen werden", so Max Eberl. "Es gibt in der Welt nicht viele Trainer, die besser mit jungen Spielern arbeiten können"
Verdienst von Eberl
Dass sich Favre nun sogar langfristig an den Verein bindet, ist zum Großteil Eberls Verdienst.
Er konnte mit dem Schweizer Mittelfelspieler Granit Xhaka, den Stürmern Branimir Hrgota und Peniel Mlapa sowie dem spanischen Innenverteidiger Alvaro Dominguez von Europa-League-Sieger Atletico Madrid vier viel versprechende Spieler von der Borussia überzeugen - und damit auch den Trainer.
"Bisher bin ich mit allen Verpflichtungen zufrieden. Ich hoffe, sie können sich weiterentwickeln", erklärte Favre.
Ein Stürmer soll noch kommen
Noch aber ist die Kaderplanung für die kommende Saison nicht abgeschlossen. Favre und Eberl sind auf der Suche nach einem hochkarätigen Stürmer.
Auf der Kandidatenliste stehen Luuk de Jong von Twente Enschede, David Hoilett von den Blackburn Rovers und John Guidetti, der zuletzt von Manchester City an Feyenoord Rotterdam ausgeliehen war.
Fragezeichen wegen Olympia
Die beiden Millionen-Einkäufe Dominguez und Xhaka könnten den Gladbachern während der heißen Phase der Saisonvorbereitung jedoch fehlen, weil beide von ihren Nationalverbänden für die Olympischen Spiele in London (27. Juli bis 12. August) nominiert wurden.
Beim Schweizer Xhaka besteht aber zumindest die Hoffnung, dass er trotz Olympia am Niederrhein bleibt. "Ich habe ein Gespräch mit Nationaltrainer Tami geführt und ihm erneut meinen Wunsch mitgeteilt, nicht nach London zu fahren", sagte der 19-Jährige:
"Ich gehe davon aus, dass ich nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen werde."


