Haftstrafe für Breno: Drei Jahre und neun Monate
Von Björn Seitner und Reinhard Franke
München - Harte Strafe für Breno:
Der ehemalige Bayern-Spieler muss für drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.
Das Landgericht München verurteilte den Brasilianer, der am 20. September 2011 vorsätzlich seine Mietvilla in Grünwald angezündet hatte, wegen schwerer Brandstiftung.
"Der Angeklagte hat mit dieser Tat eine sehr schwere Schuld auf sich geladen", sagte Richterin Rosi Datzmann in der Begründung:
"Er ist zwar kein normaler Delinquent, weil er Hausbesitz in Brasilien, Vermögen und eine Familie hat. Aber er muss wie ein normaler Delinquent behandelt werden."
Nach zweieinhalb Jahren Abschiebung nach Brasilien
Der Haftbefehl wurde sofort wieder in Kraft gesetzt, nach zweieinhalb Jahren Haft soll Breno in seine Heimat abgeschoben werden.
Seine hoffnungsvolle sportliche Karriere dürfte damit beendet sein.
Staatsanwalt Nikolaus Lanz forderte zuvor fünf Jahre und sechs Monate Haft.
Verteidiger forderte Freispruch
Brenos Verteidiger Werner Leitner wiederum hatte in seinem Plädoyer Freispruch gefordert.
Es bestünden Zweifel, dass nur Brandstiftung in Frage komme, sagte Leitner.
Sollte das Gericht zu einer anderen Ansicht kommen, bat er um eine milde Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren.
Auch Lazio-Sportchef Tare geschockt
Entsprechend groß war der Schock nach der Urteilsverkündung, auch bei Brenos potenziellem neuen Klub.
"Das tut mir sehr leid für den Jungen. Ich hätte das nicht gedacht. Das muss ich erstmal verarbeiten. Das Sportliche ist hier jetzt absolut zweitrangig", sagte Lazio Roms Sportdirektor Igli Tare zu SPORT1:
"Er hätte eine zweite Chance verdient gehabt. Sein Leben ist jetzt ruiniert. Man muss sich ernsthaft Gedanken machen um Breno. Das ist ein schwerer Schlag."
Und weiter meinte der langjährige Bundesliga-Profi: "In Deutschland gibt es Menschen, die morden und vergewaltigen Frauen und bekommen nur vier Jahre. Ich kann das nicht nachvollziehen. Ich bin geschockt."
Bayern will Breno unterstützen
Auch der FC Bayern, dessen Vertrag mit Breno vor vier Tagen abgelaufen war, bedauerte das Urteil.
"Unsere Hoffnung war, dass Breno seine Karriere als Fußballer und damit sein Leben zusammen mit seiner Familie hätte fortsetzen können", schrieb der Rekordmeister in einer Pressemitteilung.
Und Bayerns früherer Stürmer-Star Giovane Elber, der Breno dem FCB einst empfohlen hatte, meinte gegenüber der "Sport Bild": "Das ist eine Katastrophe. Für mich ist klar: Seine Karriere ist vorbei.
Breno sei aber "kein schlechter Junge. Er hat niemanden umgebracht, er ist kein Mörder. Das Gefängnis wird ihm nicht helfen. Der Junge ist krank, er hat Probleme. Er braucht Hilfe."
Keine verminderte Schuldfähigkeit
Auf die verminderte Schuldfähigkeit des 22-Jährigen, der zum Tatzeitpunkt unter starkem Alkoholeinfluss (1,74 Promille) stand und Schlaftabletten genommen haben soll, hoffte Brenos Seite vergeblich.
Nach Angaben einer Gutachterin war er zur Tatzeit jedoch schuldfähig.
"Er hat nichts außer der Familie und Fußball", sagte Leitner kurz vor der Urteilsverkündung. Ein Strafvollzug im Ausland bedeute für ihn das sportliche Aus.
"Geben sie Breno eine Chance", bat er das Gericht abschließend.
Breno entschuldigt sich
Der Verurteilte selbst hatte kurz vor der Urteilsverkündung sein Schweigen gebrochen:
"Ich möchte mich für diese Nacht entschuldigen", sagte Breno, der vor einigen Wochen schon einen Vorvertrag bei Lazio Rom unterschrieben hatte - dieser verliert nun seine Gültigkeit.
Er entschuldigte sich auch bei seiner Familie und seinen Kindern: "Ich war für sie kein gutes Vorbild", sagte Breno:
"Ich bin ein Mensch, der an Gott glaubt und ich danke ihm, dass er meine Familie geschützt hat."
Seine Familie hatte das Anwesen kurz vor der Tat verlassen.
Der Sachschaden soll bei rund einer Million Euro liegen, nur durch ein Großaufgebot der Feuerwehr wurde ein Übergreifen auf andere Häuser verhindert.
Beides wirkte sich offenbar strafverschärfend aus.
FCB-Physio von Polizei vernommen
Vor der Rechtssprechung am Nachmittag wurden zudem auch Ermittlungen gegen den FC Bayern München eingeleitet.
Breno hatte vor Gericht angegeben, Schlafmittel in größeren Mengen aus einem unverschlossenen Medizinschrank des Klubs genommen zu haben.
Ein Physiotherapeut des Vereins wurde hierzu von der Polizei vernommen.
Ermittlungen gegen Bayern
Nach Angaben von Staatsanwaltschafts-Sprecher Thomas Steinkraus-Koch stießen die Ermittler an der Säbener Straße tatsächlich auf einen offenen Medizinschrank.
"Es soll diesen Schrank geben und dieser Schrank soll unverschlossen sein", so Steinkraus-Koch.
Es gehe um Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz. "Das müssen wir von Amts wegen aufklären."
Eine Reaktion zu den aufgenommenen Ermittlungen gibt es seitens des Vereins noch nicht, die Vorwürfe hatte er zuvor schon vehement zurückgewiesen.
Depressionen und Alkoholprobleme
Der Prozess gegen Breno lief seit Mitte Juni und brachte erschreckende Details zu Tage.
Der Innenverteidiger, der vor vier Jahren vom FCB für zwölf Millionen Euro verpflichtet worden war, hatte aufgrund der fehlenden Intregration Depressionen und massive Alkoholprobleme.
"Irgendwie hat er mich an Mogli erinnert", erklärte sein Anwalt. "Aber vielleicht wäre der Vergleich Kaspar Hauser besser."
"Schwere Stunde für Breno"
Die Verteidigung hat nun eine Woche Zeit, gegen das Urteil Berufung einzulegen. "Es ist eine schwere Stunde für Breno, aber er ist sehr gefasst. Wir waren nicht unvorbereitet", sagte Brenos Verteidiger: "Wir werden das Urteil rechtlich überprüfen."
Sorgen um seinen Mandanten macht der Anwalt sich nicht. "Ich denke, er ist stabil und wird die ersten schweren Tage überstehen. Das Leben geht weiter, in jeder Krise steckt eine Chance", sagte er.
Ob die Bekanntheit Brenos den Prozess beeinträchtigt habe, wollte Leitner "nicht beurteilen": "Aber das Verfahren war nicht alltäglich."


