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Matthias Sammer war von 2006 bis Juni 2012 Sportdirektor beim DFB © imago

Für Matthias Sammer gibt es viel zu tun. Der neue FCB-Sportvorstand muss einige Felder beackern, die sein Vorgänger brach ließ.

Von Andreas Kloo

München - Für Karl-Heinz Rummenigge ist er "das neue Herzstück des FC Bayern".

Und Matthias Sammer geht seine neue Aufgabe als Sportvorstand beim FC Bayern mit großer Leidenschaft an.

Wie sehr er für diese Tätigkeit brennt, zeigte er am Donnerstag, als er mit Trainer Jupp Heynckes das Training beobachtete (Video).

Sammer wird aber auch viel Energie brauchen, um seine Aufgaben zu bewältigen.

Was er nicht will, ist klar: eine Rückkehr auf die Trainerbank als Notfall-Coach.

"Ich will konzeptionell arbeiten, eine Philosophie entwickeln und umsetzen", umreißt er seine Arbeitsweise.

Zu tun gibt es viel. Unter Vorgänger Christian Nerlinger war von konzeptioneller Arbeitsweise nichts zu sehen - allerdings auch weil der FC Bayern ihn nicht offiziell mit dieser Aufgaben betraute.

SPORT1 zeigt Sammers Baustellen:

Nachwuchsarbeit

Der Jugendbereich ist Sammers Hauptaufgabengebiet. Das machte Präsident Uli Hoeneß deutlich.

Sammer habe als DFB-Sportdirektor "überragende Erfolge des deutschen Nachwuchsfußballs" erzielt. "Wir wollen ein Zeichen setzen, auch in diesem Bereich neue Wege gehen."

Der neue Sport-Vorstand kündigte an: "Über unsere Jugendmannschaften muss ich mir noch einen Überblick verschaffen und werde einiges optimieren." Optimierungsbedarf besteht zweifellos.

In den Jugend-Teams sowie in der U-23-Mannschaft lassen Bayern-Erfolge schon seit längerem auf sich warten. Den letzten Meistertitel mit der U 19 errangen die Bayern 2004, die Zweite Mannschaft (U 23) stieg 2011 in die Regionalliga ab.

Personelle Umstrukturierung

Schon vor der Verpflichtung Sammers wurde der Jugenbereich komplett umstrukturiert.

In der Verantwortung stehen nun allesamt Ex-Profis der Münchner. Mehmet Scholl ist als Trainer für die U 23 zuständig, Hans-Jörg Butt ist Nachwuchskoordinator, Michael Tarnat hat die Aufgabe des Jugendscouts inne.

Bei der Rekrutierung von Talenten geht man mittlerweile auch andere Wege. Auf die Spielersuche in Südamerika, zuvor betrieben durch Giovane Elber und Paul Breitner, wird kein großer Wert mehr gelegt.

[kaltura id="0_7iyqvxrr" class="full_size" title="Sammer gibt schon Vollgas"]

Talentsuche in der Region

Stattdessen will man frühzeitig Talente in der Region in und um München entdecken.

Da gingen dem FCB zuletzt viele Jung-Kicker durch die Lappen. Bestes Beispiel sind die Bender-Zwillinge, die sich der TSV 1860 angelte - und die von den Bayern auch anschließend, als ihr Talent schon bekannt war, nicht verpflichtet wurden.

Regelmäßig hält der FCB nun Talenttage ab, zu denen bereits Sechs- und Siebenjährige eingeladen werden.

Reicher Erfahrungsschatz

Mit Sammer hat man nun einen weiteren großen Vorteil. Im Bereich der 14- bis 18-Jährigen können sich die Münchner nun die Scouting-Kosten größtenteils sparen.

Durch seine Tätigkeit als DFB-Sportdirektor hat Sammer einen Überblick über die derzeit größten Talente in diesem Altersbereich.

Seine Erfolge beim DFB können sich sehen lassen. 2008 wurde die U 19 Europameister, 2009 die U 21 und die U 17.

Vor Sammers Engagement hatte es viele Jahre lang keine Titel für deutsche Nachwuchsteams gegeben.

Ganzheitliche Philosophie

Zu Sammers wichtigsten Zielen beim DFB gehörte es auch, bei allen Jugendnationalmannschaften eine gleichartige und feste Spielphilosophie zu verankern. Sammer legte mehr Wert auf technische und taktische Fähigkeiten, wollte aber auch, dass die Spieler gewisse Werte erlernen und zu Persönlichkeiten reifen.

Sammer soll nun auch für den FC Bayern eine solche Philosophie für den ganzen Klub entwickeln. Danach sollen sich dann alle Mannschaften inklusive der Jugendteams richten.

Großes Vorbild ist dabei der FC Barcelona.

Dreiteilige Hierarchie

Dabei stellt sich neben der Taktik und des Spielsystems auch die Frage nach den Strukturen innerhalb einer Mannschaft.

Sammer hat da recht klare Vorstellungen: "Eine komplett flache Hierarchie widerspricht jeglicher Realität, wir dürfen nicht alle Spieler über einen Kamm scheren", hatte er kürzlich in der "Süddeutschen Zeitung" erklärt.(BERICHT: Ende der Alibis, Beginn der Sammerzeit)

Er unterteilt in Führungsspieler, Teamspieler und Individualisten. Mit Individualisten sind "Künstler" wie Arjen Robben und Franck Ribery gemeint.

Zur Frage der Philosophie gehört auch: Soll man eher auf Spieler aus der eigenen Jugend oder Einkäufe von Stars setzen?

Die stärkere Betonung des Jugendbereichs zeigt zumindest, dass der FC Bayern in Zukunft wieder mehr auf den ersten Weg einbiegen will.

Alles andere würde zu einer Verpflichtung Sammers auch nicht passen.

Transferaktivitäten vollenden

"Was bisher passiert ist, haben die entscheidenden Leute vorbereitet und abgewickelt. Was noch nicht abgewickelt ist, wird auch bei mir Gehör finden. Wir haben schon ein paar Themen besprochen", sagte Sammer zu den Münchner Tätigkeiten auf dem Transfermarkt.

Sechs Neuzugänge haben die Bayern für die kommende Saison bereits verpflichtet.

Letztlich ist nur noch eine Position im defensiven Mittelfeld offen.

Verhandlungen mit Martinez

Hierfür baggern die Bayern nun schon länger am Spanier Javi Martinez von Athletic Bilbao. (563193DIASHOW: Bayerns Planspiele).

"Ich kenne diesen Spieler gut, aber man sollte ihn sehr gut kennen. Die Verantwortlichen schätzen ihn als sehr gut ein. Also warten wir es doch mal ab", erklärte Sammer zu dieser Personalie.

Nun ist sein Verhandlungsgeschick gefragt, um den Transfer einzutüten. "Es geht um die Knete", sagte Heynckes zum aktuellen Stand am Mittwoch.

Bilbao hat eine feste Ablösesumme von 40 Millionen Euro aufgerufen, die Bayern wollen höchstens 25 Millionen Euro zahlen.

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