Weiser: Furchtlos, aber mit Ehrfurcht
Von Andreas Kloo
München - Für seinen ersten größeren Pressetermin wirkte Mitchell Weiser erstaunlich gelassen.
Bereitwillig und locker erteilte der 18-Jährige den Journalisten an der Säbener Straße Auskunft.
Mit der gleichen Lockerheit startet der Neuzugang aus Köln auch in das große Abenteuer FC Bayern München. "Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden", lautet sein Fazit nach den ersten Tagen beim Rekordmeister.
Nervosität oder gar Angst vor den berühmten Profis, mit denen er nun auf dem Platz stehen wird, hat er keine.
Traum geht in Erfüllung
Ganz im Gegenteil. "Ich freue mich auf Spieler wie Robben und darüber, dass ich mit diesen Spielern trainieren darf", sagt Weiser mit leuchtenden Augen.
Man merkt, für ihn geht gerade ein Traum in Erfüllung.
In Köln wurde früh klar, dass Weiser über außergewöhnliches Talent besitzt. Dieses hat er von seinem Vater Patrick geerbt, der 270 Bundesligaspiele für den 1. FC Köln und den VfL Wolfsburg absolvierte.
Weiser trumpft auf
Im letzten Sommer machte er sich dann auf internationaler Bühne erstmals einen Namen. Bei der U-17-WM erreichte er mit dem von Steffen Freund trainierten DFB-Team Platz drei.
Dabei gelangen ihm in sechs Spielen drei Treffer.
Ein FIFA-Expertengremium beschrieb ihn als "wendigen und antrittsstarken rechten Mittelfeldspieler mit gutem Passspiel und guter Technik".
Von diesem Zeitpunkt an war er für die Kölner nur noch schwer zu halten. Der FC bemühte sich zwar um eine Vertragsverlängerung, gegen Mitkonkurrenten wie die Bayern war man aber von vorneherein chancenlos.
Engels ist skeptisch
Der Leiter der Kölner Nachwuchsabteilung, Stephan Engels, hält den Zeitpunkt des Wechsels zum Rekordmeister allerdings für zu früh.
"In einem Kader wie dem des FC Bayern München liegt die Messlatte naturgemäß deutlich höher als andernorts, was den Einstieg in die Bundesliga erschweren dürfte. Nicht zuletzt deshalb hätte ich ihm geraten, noch ein, zwei Jahre beim 1.FC Köln zu bleiben", sagte der langjährige Kölner Profi dem "Kölner Stadtanzeiger".
Weiser selbst beschäftigt sich nicht mit dem Gedanken, in München möglicherweise zu scheitern.
"Ich bin von mir überzeugt und kann das schaffen. Auch wenn es ein, zwei oder drei Jahre dauert, das wäre kein Problem für mich."
Weiser bleibt bescheiden
Zunächst will er vor allem nur lernen. "Ich will mir von den gestandenen Profis etwas abgucken und so oft wie möglich im Kader sein", umreißt er seine persönlichen Ziele für die kommende Spielzeit.
Seine Aussichten schätzt er recht realistisch ein, er weiß, dass er zunächst verstärkt im Regionalliga-Team von Mehmet Scholl eingesetzt werden wird. (DIASHOW: Bayerns Planspiele)
Von Trainer Jupp Heynckes und Ex-Sportdirektor Christian Nerlinger, der den Transfer einfädelte, hat er mit auf den Weg mitbekommen, den Stammspielern "Druck zu machen."
Auf seiner Position im rechten Mittelfeld spielt Arjen Robben. Eine Kampfansage an den niederländischen Vizeweltmeister wagt er aber nicht: "Ich sage jetzt nicht, dass ich in ein, zwei Jahren den Robben verdrängen will."
Anlage begeistert Weiser
Zunächst mal muss er sich sowieso beim großen FC Bayern eingewöhnen. Die Unterschiede zum 1. FC Köln sind schon rein äußerlicher Natur riesig. "Als ich hierhergekommen bin, dachte ich, ich träume. Die Anlage in Köln ist höchstens ein Zehntel so groß."
Dennoch findet er sich in der neuen, fremden Welt schon ganz gut zurecht. Mit Emre Can hat er schließlich auch einen gleichaltrigen Ansprechpartner.
Can stammt aus der Bayern-Jugend und rückte zum 1. Juli zu den Profis auf. Er war Kapitän der U-17-Mannschaft bei der WM in Mexiko.
Aber auch die anderen Youngsters wie David Alaba (20), Patrick Weihrauch (18) und Torhüter Lukas Raeder (18) werden ihm den Einstieg erleichtern.
Alaba zum Beispiel freut sich über den Neuzugang aus dem Rheinland: "Wir haben jetzt eine sehr junge Truppe, das macht sehr viel Spaß."


