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Einzig in Nürnberg gibt es aktuell das sogenannte "GoalRef"-System © getty

Die Bundesliga hat sich noch nicht auf das "GoalRef"-System verständigt. Es kommt frühestens 2013. Wie läuft die Finanzierung?

Von Eric Böhm

München - Noch ist die einschneidendste Regeländerung in der Bundesliga seit der Einführung der Rückpass-Regel 1992 nicht beschlossen.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) widersprach Medienberichten, wonach sich die 36 Profiklubs bereits auf dem Chip im Ball ("GoalRef") als bevorzugte Torlinien-Technologie für die Saison 2013/2014 verständigt hätten (ANALYSE: Roboter-Angst nach Revolution).

"Es gibt weder einen Beschluss noch einen Geheimplan. Der Ligavorstand wird sich mit dieser Thematik frühstens im Rahmen seiner nächsten Sitzung im September beschäftigen und dabei alle Handlungsoptionen erörtern", sagte ein Sprecher der DFL.

"Hawk-Eye" ist teurer

Dennoch scheint zumindest in Deutschland der vom Fraunhofer-Institut in Erlangen entwickelte Chip-Ball die bevorzugte Variante zu sein.

Dabei wird auf der Torlinie ein Magnetfeld erzeugt. Der Magnetspulen enthaltende Ball sendet bei Überschreiten der Linie ein Signal zur Armbanduhr des Schiedsrichters.

Im Vergleich zum aus dem Tennis bekannten "Hawk-Eye" ist dieses System mit zirka 125.000 Euro etwa um die Hälfte billiger.

2013/2014 als möglicher Start

Eine Einführung zur aktuellen Saison ist schon allein aus logistischer Sicht utopisch, da das computergesteuerte System in allen Profi-Stadien installiert werden muss.

Die DFL teilte zudem mit, dass "bisher noch nicht einmal ein schriftlicher Bescheid der FIFA in dieser Angelegenheit vorliegt".

Liga-Präsident Reinhard Rauball bestätigte den zeitlichen Rahmen: "Der Ligaverband wird sich alsbald im Hinblick auf die Saison 2013/2014 mit dem Einsatz befassen."

Vertrag mit Ballhersteller

In der vergangenen Woche hatte die FIFA mit ihrer Entscheidung nach jahrelangen Diskussionen den Weg für technische Hilfsmittel in der ewigen Frage "Tor oder kein Tor?" freigemacht (BERICHT: FIFA beschließt Einführung der Torlinien-Technik).

Neben der Einigung auf ein System - unterschiedliche Technologien für Ober- und Unterhaus würden aufgrund von Auf- und Abstiegen keinen Sinn machen - müssen die 36 Profiteams aber ebenfalls die Finanzierung und Umsetzung klären.

Schließlich liefert noch bis 2014 ein Hersteller den Ligaball und müsste dann mit den Technikern aus Erlangen zusammenarbeiten.

Holzhäuser: Finanzierung mit TV-Geld

Grundsätzlich müsste jeder Klub die Installation - genau wie bei der vorgeschriebenen Rasenheizung - selbst bewerkstelligen.

Da jedoch 2013/2014 auch der neue Fernsehvertrag anläuft, wird von Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser eine andere Variante ins Spiel gebracht.

"Ich bin dafür, dass ein Teil des Geldes eingefroren und dann zweckgebunden ausgegeben wird", schlug Holzhäuser in der "Bild am Sonntag" vor:

"Bevor die Millionen wieder in die Taschen der Berater und Spieler wandern, sollte man davon die Torlinien-Technik finanzieren."

Miete für unterklassige Vereine?

Aktuell besitzt einzig das Easy-Credit-Stadion in Nürnberg eine solche Anlage, die das Fraunhofer-Institut auf eigene Kosten zu Testzwecken installiert hat.

Noch unklar ist, wie in der Dritten Liga oder in Heimspielen unterklassiger Klubs im DFB-Pokals verfahren wird. Die Wissenschaftler schlagen dafür ein Leih-System vor.

"Die Kurzzeitmiete wäre auf jeden Fall deutlich günstiger als die Anschaffung eines eigenen Systems", erklärt Erfinder Ingmar Bretz in der "Welt am Sonntag".

Die Fans befürworten die technischen Hilfsmittel in jedem Fall. In einer Umfrage hielten fast 78 Prozent der SPORT1-User die Einführung für richtig.

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