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Luuk de Jong wechselte 2009 von De Graafschap nach Enschede © imago

Luuk de Jong will zur Borussia, doch Enschede treibt den Preis in die Höhe. Youri Mulder rät bei SPORT1, die Ablöse zu zahlen.

Von Christian Stüwe und Reinhard Franke

München - Vor knapp einer Woche wurde der Wechsel von Luuk de Jong zu Borussia Mönchengladbach in einigen Zeitungen schon als perfekt vermeldet.

Doch der Poker um den 21 Jahre alten Torjäger aus den Niederlanden geht in die Verlängerung.

Ursprünglich wollte Twente Enschede elf Millionen Euro für den Nationalspieler, mittlerweile soll Präsident Joop Muntermann 20 Millionen Euro fordern.(SPIELPLAN: Die Saison 2012/2013)

"Ich bin fast vom Stuhl gefallen, als ich das gehört habe", schimpfte de Jong gegenüber niederländischen Medien.

De Jong verärgert

Bei den Verhandlungen zwischen der Borussia, Twente und seinem Berater in der vergangenen Woche seien völlig andere Summen genannt worden, erklärte der verärgerte de Jong.

Das Tischtuch zwischen de Jong und Muntermann scheint zerschnitten. Dennoch will der Präsident den Torjäger nicht ohne Weiteres gehen lassen.

"Ich hoffe, dass Twente noch einlenkt", sagte de Jong: "Sie haben mich vor drei Jahren für 900.000 Euro von De Graafschap geholt. Und können nun 14 Millionen für mich bekommen."(VEREINSSEITEN: Alles zu Ihrem Verein)

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Mulder: "Twente ist nicht arm"

Doch Enschede will mehr und hat im Poker offenbar beste Karten, wie Co-Trainer Youri Mulder verriet.

"Twente ist nicht arm, sie brauchen nicht dringend das Geld", sagt Mulder zu SPORT1: "Wenn Gladbach den Spieler will, sollten sie das Geld auch zahlen."

Gladbach wisse ja noch gar nicht, ob es die Champions League werde. "Das macht es schwierig für sie. Twente ist in einer guten Position", erklärte Mulder.

Der frühere Schalke-Stürmer bestätigte zwar, dass de Jong nach Gladbach wechseln will, "aber den Preis bestimmt Twente. Es gab immer Wechsel, die in letzter Sekunde noch geplatzt sind."(492198DIASHOW: Transfermarkt Bundesliga)

Vor allem der letzte Satz dürfte die Gladbacher erschrecken. Die Verantwortlichen von Twente scheinen zu allem bereit.

Zumal die Borussia im Werben um ambitionierten Angreifer offenbar ebenso prominente wie zahlungskräftige Konkurrenz bekommen hat.

Auch Leverkusen interessiert

Neben Tottenham Hotspur und Newcastle United erklärte auch Bayer Leverkusen, Interesse am Stürmer zu haben.

"Einen Spieler von der Qualität eines de Jong würde ich mit Kusshand nehmen und ihn auf einer Sänfte nach Leverkusen tragen", sagte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser dem "Express".

Bei der Borussia scheint die Personalie des Reus-Nachfolgers höchste Priorität zu haben.

Eberl reist nach Enschede

Manager Max Eberl reiste offenbar bereits am Sonntag in die Niederlande, um am Montagmorgen in die nächste Runde des Pokers einzusteigen.

Für SPORT1 war Eberl nicht zu erreichen, die beiden Vize-Präsidenten Rainer Bonhof und Hans Meyer wollten sich auf SPORT1-Anfrage nicht zum Stand der Dinge äußern.

Eine zusätzliche Brisanz erhält das Feilschen um de Jong durch die Tatsache, dass Mike Hanke länger ausfallen könnte.

Der 28 Jahre alte Borussia-Angreifer wurde an der Leiste operiert.

Hankes Comeback offen

"Wann er wieder spielen kann, ist noch offen. Das hängt vom Heilungsprozess ab", sagt Professor Ulrich Kania, der den Eingriff durchgeführt hatte, dem "Express".

Es könnte also durchaus sein, dass die "Fohlen" die am 21./22. und 28./29. August anstehenden Qualifikationsspiele für die Champions League, bei denen ein schwerer Gegner droht, ohne Hanke bestreiten müssen.

Zwar stellte sich am Sonntag heraus, dass die Borussia Offensiv-Neuzugang Granit Xhaka nicht für das Schweizer Olympiateam abstellen muss.

Dennoch droht in vorderster Spitze ein Engpass, wenn nicht bald ein Stürmer verpflichtet wird.

Hoilett soll de Jongs Partner werden

"Borussia hat die Chance, sich für die Champions League zu qualifizieren. Das ist für mich ein höheres Niveau, auf dem ich mich entwickeln kann, auch mit Blick auf die niederländische Nationalmannschaft", stellte de Jong nochmals klar.

Für einen Wechsel an den Niederrhein erklärte er sich sogar zu einem Verzicht auf die ihm vertraglich zustehenden 20 Prozent der Transfersumme bereit.

Und auch die Gladbach haben offenbar alles auf einen Transfer des Wunschspielers ausgerichtet.

In Enschede ist Ola John der Sturmpartner und Zuspieler de Jongs, nun steht Gladbach offenbar kurz davor, mit David Hoilett von den Blackburn Rovers einen Spieler zu verpflichten, der diese Rolle in der Elf von Lucien Favre übernehmen könnte.

Alles passt also bestens. Aber solange sich Gladbach und Twente bei der Ablösesumme nicht entgegen kommen, bleibt der Ausgang des Pokers ungewiss.

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