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Clemens Tönnies ist seit 2001 Aufsichtsratsboss beim FC Schalke 04 © getty

Schalke-Boss Clemens Tönnies spricht bei SPORT1 über die Saisonziele, den Verzicht auf van der Vaart und Huntelaars Situation.

Von Reinhard Franke

München - Auch auf Schalke rollt seit dem Wochenende wieder der Ball. (SERVICE: Die Sommerfahrpläne der Bundesligisten)

Die "Knappen" haben als letzter Bundesligist die Saisonvorbereitung aufgenommen und bei jedem königsblauen Fan kribbelt es schon wieder.

Auch bei Klub-Boss Clemens Tönnies ist Vorfreude zu spüren. (DATENCENTER: Der Spielplan 2012/2013)

Der 56-Jährige wird erstmals mit der Mannschaft in einem Trainingslager dabei sein.

Das Ziel für die kommende Saison: der erneute Einzug in die Champions League. (492198DIASHOW: Bundesliga Transfermarkt)

Bei SPORT1 spricht Tönnies über das "neue Schalke", die Ziele, die Personalsituation - und verrät, warum EM-Fahrer Klaas-Jan Huntelaar gestärkt zurückkommen wird.

SPORT1: Herr Tönnies, mit welchen Zielen gehen Sie in die neue Runde?

Clemens Tönnies: Wir wollen guten und erfolgreichen Fußball zeigen und mit dem Ziel antreten, wieder die Champions League zu erreichen

SPORT1: Kann Schalke ganz oben noch nicht anklopfen?

Tönnies: Ich denke, dass die Favoriten Bayern München und Borussia Dortmund sind. Diese beiden werden sich auch nichts schenken. Wir sind als Dritter in einer Nische, in die wir ganz gut hineinpassen. Jetzt das Ziel auszugeben, dass wir um die Meisterschaft mitspielen wollen, das passt nicht.

SPORT1: Neues Understatement bei Königsblau?

Tönnies: Man hat ja gesehen, dass wir guten Fußball spielen können. Wir haben uns verstärkt, haben eine gute Truppe. Ich sehe doch ganz deutlich, dass wir mit diesem Zwang, endlich die Meisterschaft holen zu müssen, in der Vergangenheit nicht weitergekommen sind. Deswegen geben wir dieses Ziel gar nicht aus.

SPORT1: Hört sich ungewohnt bescheiden an.

Tönnies: Natürlich greifen wir nochmal an und wollen auch irgendwann ganz hohe Ziele erreichen, aber das kommt von selbst. Wenn wir guten Fußball spielen und irgendwann besser sind als die anderen, werden wir Meister.

[kaltura id="0_hw3tyoql" class="full_size" title="Heldt Namen allein machen nicht den Unterschied "]

SPORT1: Viele Vereine haben ordentlich eingekauft. Schalke war auf dem Transfermarkt eher defensiv, der richtige Kracher fehlt. Warum?

Tönnies: Wir haben genug Kracher und uns deshalb gesagt, dass wir keinen weiteren benötigen. Wir haben eine gute, leistungsfähige Mannschaft, sind glücklich, dass wir "Jeffi" (Jefferson Farfan, Anm. d. Red.) halten konnten und mit dem einen oder anderen Neuzugang noch eine tolle Verstärkung haben.

SPORT1: Rafael van der Vaart hätten Sie aber gewiss gerne verpflichtet. Sind Sie enttäuscht, dass es mit ihm nicht geklappt hat?

Tönnies: Wenn wir ihn unbedingt hätten haben wollen, dann hätten wir ihn auch bekommen. Es machte aber keinen Sinn, da wir zu weit auseinander waren. Das Thema ist durch.

SPORT1: Wie sehr vermissen Sie Raul im Team, auch als Typen?

Tönnies: Natürlich sind wir noch immer stolz darauf, dass der Senor bei uns gespielt hat. Man muss aber realistisch sehen, dass jetzt eine neue Zeitrechnung begonnen hat, und wir sehr gut aufgestellt sind.

SPORT1: Der prominenteste Zugang ist der Ex-Leverkusener Tranquillo Barnetta. Was erhoffen Sie sich von ihm?

Tönnies: Wenn er richtig gut drauf ist, fit und den Ehrgeiz hat, den er in Leverkusen vorletztes Jahr gezeigt hat, dann haben wir uns richtig gut verstärkt. Ich bin bei dem Jungen guter Hoffnung, dass er bei uns einschlagen wird. Aber wir haben auch noch andere wie Roman Neustädter, der aus Gladbach gekommen ist. Auch er ist eine gute Verstärkung. Ich habe ein sehr gutes Gefühl bei unserem neuen Kader.

SPORT1: Sie sprachen immer von einem Konsolidierungskurs bei Schalke. Wie weit ist dieser?

Tönnies: Die Mannschaft ist konsolidiert und wir haben in dieser Hinsicht alles abgeschlossen. Das andere ist die finanzielle Konsolidierung, und in diesem Prozess befinden wir uns noch. Wir wollen uns auch im nächsten Jahr weiter entschulden. Ich sehe Schalke 04 auf einem sehr guten Weg.

SPORT1: Wie richten Sie Klaas-Jan Huntelaar nach einer enttäuschenden EM wieder auf?

Tönnies: Das ist längst passiert. Da haben Huub, Horst und auch ich schon intensiv mit Klaas-Jan gesprochen. Er ist gut drauf und hat das alles abgeschüttelt. Das Abschneiden der Niederlande bei der EM hat ja nicht an ihm gelegen. Er muss sich keine Vorwürfe machen.

SPORT1: Ist Huntelaar weiter ganz bei Schalke oder steht er vor seinem letzten Jahr, bevor 2013 sein Vertrag ausläuft?

Tönnies: Ich bin überzeugt davon, dass er ein hundertprozentiger Schalker ist. Er hat bei uns alles, was man braucht, um guten Fußball zu spielen und erfolgreich zu sein. Er ist außerdem nah an seinem Zuhause, kann jeden Tag bei seinen Kindern sein. Was will man mehr?

SPORT1: Huub Stevens heizte mit seiner Aussage, dass Benedikt Höwedes mit dem Druck als Kapitän nicht klar kam, zuletzt die Spekulationen an. Wäre Huntelaar ein guter Kapitän?

Tönnies: Aus dieser Diskussion halte ich mich prinzipiell raus, weil das in erster Linie eine Sache des Trainers und der Mannschaft ist. Ich halte Benny für einen guten Jungen, er ist Ur-Schalker und machte als Kapitän einen guten Job. Eine Diskussion um das Kapitänsamt wird von mir nicht losgetreten.

SPORT1: Wird noch mal etwas auf dem Transfermarkt losgetreten?

Tönnies: Nein, die Positionen sind alle gut ausgerichtet. Alle warten darauf, dass es wieder mit der Liga losgeht. Jetzt geht es in die Trainingslager. Ich werde erstmals selbst in einem dabei sein.

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