Elia: Transfer-Coup oder nächster Problemspieler?
Von Christian Paschwitz
München - Via twitter ließ Eljero Elia seinen Gefühlen schon vor dem ersten offiziellen Auftritt freien Lauf.
"Today my first training. Cannot wait (Heute ist mein erstes Training. Ich kann es kaum erwarten)", zwitscherte Werder Bremens Neuzugang über das soziale Netzwerk, ehe der 26-malige niederländischen Nationalspieler im Trainingslager auf Norderney endlich loslegen durfte.
Elia war froh darüber, dass das lange Tauziehen um seinen Wechel von Juventus Turin doch noch ein Happy End gefunden, die Hanseaten in die kolportierte Ablösesumme von 5,5 Millionen Euro eingewilligt hatten.
Ein stolzer Preis für einen Offensivmann (Vertrag bis 2016), der zuletzt nur Reservist war, beim italienischen Meister gerade mal auf vier Liga-Einsätze kam. Und der wegen seiner Zeit beim Hamburger SV auch als wenig pflegeleicht und Problem-Profi gilt.
"Bin nicht schwierig"
"Es stimmt nicht, dass ich schwierig bin", entgegnete Elia nun bei seiner Vorstellung, er brauche auch nicht ständig Streicheleinheiten. "Ich bin ein ganz lockerer Typ."
In der Vergangenheit womöglich ein bisschen zu locker, mit dessen Berufsauffasung es nicht allzu weit her war. (DIASHOW: Transfermarkt Bundesliga)
Beim HSV war Elia 2011 wegen einer selbstverschuldeten Hautentzündung wochenlang ausgefallen - nachdem er sich ein großflächiges Brust-Tattoo hatte stechen lassen. Die Schmerzen machten dem extrovertierten Profi das Tragen des Trikots offenbar unmöglich.
Wirbel um Tattoo-"Verletzung"
Zuvor hatte der Niederländer auch nur sporadisch seine Klasse und Antrittsschnelligkeit aufblitzen lassen. ( SERVICE: Bundesliga-Sommerfahrpläne)
Eine Knöchelverletzung schließlich brachte Elia derart aus dem Tritt, dass er fortan nur noch abseits des Platzes für Schlagzeilen gut war - und Hamburg froh, ihn für zehn Millionen Euro an Juventus
losgeworden zu sein.
Mehr als die Hälfte davon war Elia nun den Bremern wert - mehr als die Hälfte auch dessen, was den Norddeutschen der Verkauf von Marko Marin zum FC Chelsea eingebracht hatte.
Allofs: Werder nicht klamm
Dass noch einmal jemand bereit sein würde, so viel Geld für Elia auf den Tisch zu legen, überrascht. Nicht nur in Hamburg, wo die Verantwortlichen sehr froh waren, den am Ende nur noch lustlosen Spieler vor einem Jahr für neun Millionen Euro losgeworden zu sein.
Zumal die Bremer auch in der kommenden Saison nicht international spielen, der Klub durch zahlreiche Verkäufe und Abgänge die Personalkosten enorm zurückgefahren hat. ( SPIELPLAN: Die Saison 2012/2013)
Sportchef Klaus Allofs widersprach nun Spekulationen, Werder sei finanziell klamm: "Totaler Blödsinn - in einem wirtschaftlich vernünftigen Rahmen können wir Transfers tätigen. Elia ist der Beweis dafür."
"Skandalnudel" Carlos Alberto
Ein Wagnis ist die Verpflichtung dennoch: Mehr als einmal hatte die sportliche Leitung in der jüngeren Vergangenheit die erhofften Verstärkungen falsch eingeschätzt, die sich dann als Sorgenkinder entpuppten, vor allem menschlich.
Allen voran Skandal-Brasilianer Carlos Alberto sowie Boubacar Sanogo, mit Abstrichen auch Mikael Silvestre und Pierre Wome.
Aktuell bereitet der zur Großspurigkeit neigende Marko Arnautovic immer wieder Sorgen.
Wirbel um Arnautovic
Zuletzt musste der Österreicher zum Rapport, weil er einen Polizisten beleidigt hatte ("Lecken Sie mich am A.... Du hast mir gar nichts zu sagen. Ich verdiene so viel, ich kann dein Leben kaufen. Ich bin etwas Höheres als Du")
Allofs sieht es aber gelassen, sich mit Elia nun den nächsten Problem-Profi geangelt zu haben: "Wir sind doch alle Sozialarbeiter im Fußball. Wenn man nicht mehr riskieren darf, kann man mit dem Job ja aufhören."
Exzentrische Flügelzange
Bremens Sportchef rührt vielmehr die Werbetrommel für die Exzentriker im Team: Elia und Arnautovic hätten in ihrer gemeinsamen Zeit bei Twente Enschede eine phantastische Flügelzange gebildet.
Ob es auch bei Werder so kommt, muss sich noch zeigen - die Erwartungshaltung ist hoch, womöglich doch einen Transfer-Coup gelandet zu haben.
Bewiesen haben die Bremer bisher allein, dass sie nach wie vor eine gute Adresse sind für Spieler, deren Karriere am Scheideweg steht.


