"Trainer brauchen immer auch kurzfristigen Erfolg"
Von Reinhard Franke
München - Er gilt als ein ruhiger Vertreter in der Branche.
Wolfgang Holzhäuser bastelt seit Jahren an seinem kleinen Traum. Der da heißt, mit Leverkusen endlich einen großen Titel zu gewinnen.
Der letzte liegt schon 19 Jahre zurück. 1993 gewann Bayer den DFB-Pokal, fünf Jahre nach dem Triumph im UEFA-Cup.
Seitdem blieb die Vitrine des Klubs leer. Doch Holzhäuser, ein fleißiger Arbeiter, gibt die Hoffnung nicht auf. Auch in der neuen Saison will Leverkusen wieder einen Anlauf auf die Spitze starten. Und der Klubchef ist guter Hoffnung.
Bei SPORT1 spricht der 62-Jährige über die aktuelle Lage bei der Werkself, die Saisonziele, das neue Trainergespann - und erklärt Andre Schürrle vorerst für unverkäuflich.
SPORT1: Herr Holzhäuser, die Vorbereitung auf die neue Saison hat begonnen. Mit welchen Gedanken blicken Sie voraus?
Wolfgang Holzhäuser: Auch in der Saison 2012/2013 ist natürlich das Erreichen eines internationalen Platzes unser Ziel. Dabei stellt die Champions League einen Wunsch dar, die Europa League ist fast schon ein Muss.
SPORT1: Bayer geht mit dem neuen Gespann Sami Hyypiä als Teamchef und Sascha Lewandowski als Trainer in die neue Saison. Kann diese Konstellation funktionieren und ist das eine Lösung für länger?
Holzhäuser: Ob es eine Lösung für länger ist, wird letztlich das Ergebnis zeigen. Trainer brauchen immer auch kurzfristigen Erfolg, das ist nichts Neues. Aber wir werden geduldig sein, auch wenn es mal Rückschläge geben wird. Ich bin sehr optimistisch, weil das Duo Hyypiä und Lewandowski das vereint, was man idealerweise als Trainer heutzutage braucht. Den Trainer gibt es derzeit am Markt nicht, den wir uns vorstellen. Deshalb haben wir uns für die Konstellation entschieden und so ganz neu ist die ja auch nicht. Auch die schwedische Nationalmannschaft hatte mal ein ganz erfolgreiches Gespann, warum soll das bei uns nicht auch klappen?
SPORT1: Ist das Vertrauen in die Zwei auf jeder Ebene im Verein da?
Holzhäuser: Absolut. Wir haben uns natürlich sehr viele Gedanken gemacht, nachdem sich abgezeichnet hatte, dass das Engagement von Robin Dutt früher enden würde als ursprünglich geplant. Da haben wir intensiv überlegt, wer der richtige Nachfolger sein kann. Wir haben auf allen Ebenen diskutiert, viele Varianten durchgespielt und sind dann einhellig zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kombination Hyypiä und Lewandowski für uns richtig ist. Wir sind sehr optimistisch, dass das hinhaut.
SPORT1: Lassen Sie uns über einige Personalien sprechen. Der FC Chelsea wollte Andre Schürrle verpflichten. Wie konkret war das?
Holzhäuser: Wir haben dem Berater, der uns das Angebot brachte, gesagt, dass wir Andre Schürrle behalten wollen. Wir freuen uns, dass ein Spieler wie Schürrle die Aufmerksamkeit des Champions League-Siegers auf sich zieht und die gebotene Summe, die jenseits der 20 Millionen Euro lag, ist sehr interessant. Wir haben sie geprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Preis zwar stimmt, aber es aktuell keine Alternative zu Schürrle gibt, die uns weiterhelfen würde. Wir haben mit Schürrle von allen denkbaren Varianten am Markt die beste behalten.
SPORT1: Sie haben also konkret über einen Verkauf Schürrles nachgedacht?
Holzhäuser: Als Geschäftsführer eines Unternehmens bin ich verpflichtet, derartige Anfragen sorgfältig zu prüfen und pro und contra abzuwägen. Wir haben uns dann für Andre Schürrle entschieden, weil wir glauben, dass er uns noch weiterhelfen wird.
SPORT1: Borussia Mönchengladbach möchte gerne den holländischen Nationalspieler Luuk de Jong verpflichten. Auch Bayer Leverkusen soll Interesse an dem Spieler haben. Was ist da dran?
Holzhäuser: Wir mussten bei Schürrle das Angebot prüfen. Hierbei haben wir nicht nur den Preis geprüft, sondern auch die Alternativen. Und eine Alternative ist Luuk de Jong auf jeden Fall. Er ist ein ausgezeichneter Spieler, den wir schon länger beobachten. Wir glauben aber unterm Strich, dass uns Schürrle mehr bringt. Das Thema de Jong ist abgehakt.
SPORT1: Kommen noch Zugänge?
Holzhäuser: Wir haben die Verpflichtung von Daniel Carvajal für die rechte Verteidigerposition realisiert. Der Junge ist 20 Jahre alt, ein großes Talent von Real Madrid, das uns auf der vakanten Defensivposition weiterbringen wird. Mit ihm, Philipp Wollscheid, Junior Fernandes, Hajime Hosogai und Jens Hegeler haben wir unseren Kader gut ergänzt. Außerdem darf man nicht vergessen, dass wir mit Bernd Leno frühzeitig einen hochklassigen Torhüter geholt haben. Wir haben also sehr viel investiert und uns gut aufgestellt.
SPORT1: Ein anderer Spieler hat bei der EM nicht nur durch sein Tor gegen Dänemark positiv auf sich aufmerksam gemacht: Lars Bender. Wie glücklich macht Sie der Junge?
Holzhäuser: Wir sind natürlich sehr froh darüber, dass Lars Bender sich bei der EM so positiv präsentiert hat. Es überrascht uns allerdings nicht, denn als Arturo Vidal wegging und wir von allen Seiten gefragt wurden, was wir mit den zehn Millionen Euro machen und wen wir als Alternative holen, da haben wir immer gesagt, dass diese Alternative Lars Bender ist. Wir glauben, dass er in diese Rolle reinwachsen kann. Er ist ein anderer Typ als Vidal, er kann die Rolle aber in seiner Art sehr gut interpretieren. Das tut er.
SPORT1: Haben Sie die Befürchtung, dass der FC Bayern schon bald seine Fühler nach Bender ausstreckt?
Holzhäuser: Da können wir ganz ruhig schlafen und uns zurücklehnen. Wir haben den Vertrag mit Lars vor der EM langfristig verlängert, so dass wir davon ausgehen, dass er uns noch viele Jahre in Leverkusen glücklich machen wird.
SPORT1: In den letzten Jahren reichte es nie für ganz oben. Wo steht der Verein?
Holzhäuser: Es ist doch klar, dass auch in diesem Jahr Bayern München und Borussia Dortmund die Topfavoriten sind. Danach gibt es etwa acht Vereine, die um die internationalen Plätze spielen werden, dazu gehören wir auch. Wenn es richtig gut läuft, kann man auch mal ganz vorne dabei sein, wenn nicht, dann kann man auch mal auf Platz sieben landen.
SPORT1: Klingt realistisch, aber nicht optimistisch…
Holzhäuser: Ich bin ganz optimistisch, weil die Mannschaft nicht schwächer ist als im letzten Jahr. Wesentlich wird sein, dass wichtige Spieler nicht länger ausfallen. Die Qualität in der Breite ist bei uns nicht so wie in Dortmund oder in München. Wir sind eine kleine Stadt und haben ein kleines Umfeld. Daran gemessen waren die Leistungen in den letzten Jahren gut.


