Sammer und Heynckes: "Das muss sich einspielen"
Von Thorsten Mesch
München/Unterhaching - "Lasst mich erst einmal ein bisschen arbeiten", sagte Matthias Sammer, als ihn ein TV-Reporter um ein Statement bat. Dann verließ er geschwind den Rasen des Hachinger Sportparks.
Der neue Sportvorstand des FC Bayern stand beim ersten Testspiel des Vizemeisters beim Drittligisten SpVgg Unterhaching ( Bericht) im Mittelpunkt des Interesses.
Auf der Bank hatte Sammer neben Hermann Gerland, Peter Hermann und Cheftrainer Jupp Heynckes das Spiel verfolgt. In der Hand hielt er den Aufstellungszettel, ab und zu gestikulierte er wild, sprang kurz auf und schüttelte mit dem Kopf.(DIASHOW: Bayerns Planspiele)
Die Fotografen am Spielfeldrand waren derart auf den Mann mit der roten Stoppelfrisur fixiert, dass sie sogar fast das Siegtor durch David Alaba verpasst hätten.
Nach der Partie nahm sich Sammer zwar noch Zeit für ein Foto mit einem Fan im Rollstuhl und sorgte dafür, dass der treue Anhänger ein Autogramm von Neuzugang Xherdan Shaqiri bekam.
"Ein anspruchsvoller Beobachter"
Doch vor den Mikrophonen äußern wollte er sich nicht.
Das übernahm nach dem mühevollen 1:0-Sieg Heynckes. Wie er es denn finde, dass Sammer seinen Platz auf der Trainerbank eingenommen habe, wurde der Chefcoach gefragt.
"Es ist aus meiner Sicht selbstverständlich", sagte Heynckes, "das war eigentlich immer so beim FC Bayern."
Sammer sei "ein Beobachter mehr, der sehr anspruchsvoll ist. Ich denke, das kann uns eigentlich nur gut tun." Richtig überzeugt von seinen Worten wirkte er dabei allerdings nicht.
"Er ist fast immer beim Training", sagte Heynckes über den neuen starken Mann beim Rekordmeister. "Es ist natürlich sehr gut, dass man über viele Dinge reden kann. Aber ich denke, das Verhältnis muss sich jetzt erst einmal einspielen."
Sammer soll verändern
Ähnlich wie die Münchner Mannschaft, die ohne ihre zwölf EM-Teilnehmer, aber mit den Zugängen Dante, Shaqiri, Tom Starke und Mitchell Weiser auflief, braucht wohl auch das Gespann aus Trainer und Sportchef noch Zeit, sich aufeinander abzustimmen.
"Wir sind in der Vorbereitung und müssen die nächsten Wochen abwarten, wie das Ganze umzusetzen ist", meinte Heynckes.
"Das Ganze", also die Verpflichtung Sammers, "war die Idee von Uli Hoeneß", bestätigte FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge in der "Sport Bild". Der Präsident habe ihn und Finanzvorstand Karl Hopfner informiert.
Sammers Aufgabe sei es zunächst, eine Bestandsaufnahme zu machen und dann gegebenenfalls Dinge zu verändern, erklärte Rummenigge.
Power, Präsenz, Persönlichkeit
Dass Sammer bei der Umsetzung seiner Aufgabe anders vorgeht als Christian Nerlinger, ist gewollt und schon dadurch bedingt, dass er ein komplett anderer Charakter ist als sein Vorgänger.
"Dass der FC Bayern hier ein Zeichen setzt, um den Verein wieder in die richtige Richtung zu führen", glaubt Ex-Bayern Kapitän Stefan Effenberg.
Sammer habe "eben diese Power, Ausstrahlung, Präsenz und Persönlichkeit, die Christian ein bisschen gefehlt hat", findet Effenberg.
Sammer gilt im Gegensatz zum immer ruhig und kontrolliert wirkenden Nerlinger als sehr emotional, bisweilen sogar als aufbrausend. Zumindest für Leute, die ihn nicht näher kennen.
Er habe "nicht den Eindruck, dass er ein Mensch ist, der sehr laut ist", meinte Rummenigge über Sammer. "Ich freue mich über Menschen mit Qualität, einer eigenen Meinung - und die Fehler ansprechen und beheben."
Nachfolger von Rummenigge?
Am Dienstagebend beim Test in Haching diskutierte Sammer mit den Co-Trainern leidenschaftlich über die Dinge, die ihm nicht gefallen hatten. In der Halbzeit und vor dem Spiel war er in der Kabine.
Sammer hat sich schnell eingelebt beim FC Bayern und könnte vor einer große Zukunft beim deutschen Rekordmeister stehen. Rummenigge erklärte, der neue Sportvorstand habe die Qualifikationen, die ihn befähigten, irgendwann in seine Fußstapfen zu treten.
Von der Art her wie Hoeneß
Mit seiner direkten Art erinnert Sammer manchmal sehr an Hoeneß, der als Manager immer sehr nah an der Mannschaft war und den FC Bayern zu einer der Top-Adressen im Weltfußball machte.
Hoeneß saß am Dienstag im Hachinger Sportpark auf der Tribüne. Auch er sagte nichts. Der Präsident sah von oben, wie die Mannschaft sich schwertat. Beunruhigt wirkte er nicht.
Wenn die Bayern am Ende der Saison nach zwei titellosen Jahren endlich wieder etwas Zählbares in den Händen halten, ist seine Rechnung aufgegangen.
Doch um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Münchner und ihr neuer Sportvorstand vor allem eins: hart arbeiten.


