Heynckes gibt Martinez noch längst nicht auf
Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel
München/Ismaning - Lautstark forderten die Fans, dass ihre Stars am Zaun in Ismaning Autogramme schreiben sollten.
Jupp Heynckes hörte das in dem Münchner Vorort deutlich und mag nach dem 4:0-Testspielsieg ( Bericht) über den Regionalligisten FC Ismaning wohl daran gedacht haben, ob die Anhänger demnächst auch den Namen Javier Martinez skandieren werden.
Denn der Spanier, Weltmeister von 2010 und Europameister von 2012, bleibt nach wie vor der Wunschspieler des Bayern-Trainers. (DIASHOW: Bayerns Planspiele)
Selbst die lauthals verkündete Ansage von Martinez, seinen Vertrag bei Athletic Bilbao erfüllen zu wollen, schreckt Heynckes nicht.
Martinez-Absage nicht endgültig?
Der 67-Jährige hat selbst fünf Jahre lang Bilbao trainiert, kennt die Natur der hochemotionalen Basken.
"Das müssen Sie richtig einordnen", sagte Heynckes daher nur vieldeutig zum vermeintlichen Korb des defensiven Mittelfeldspielers.
Denn: Etwas Anderes als ein Bekenntnis zu den "Rojiblancos" wäre Martinez schlecht ausgelegt worden, zumal mit Bayern noch nichts fix ist.
Auch Sammer bleibt gelassen
Auch der neue Sport-Vorstand Matthias Sammer hat den Martinez-Deal längst nicht abgehakt und ließ wissen, dass der FCB bei den nötigen Signalen aus Spanien "wieder aktiv werden" würde.
Zu Martinez' Nein meinte Sammer nur: "Wir werden in Ruhe prüfen, ob diese Meldung der hundertprozentigen Wahrheit entspricht."
"Es ist ja bekannt, dass wir mit ihm Martinez planen", erklärte Heynckes am Freitagabend vor dem Vereinsheim des FC Ismaning und fügte an: "Die Ablöse ist exorbitant, das ist das Problem."
Aktuell fordern die Basken 40 Millionen Euro für Martinez, der zum Pendant von Bastian Schweinsteiger werden könnte.
"Wir brauchen Alternativen"
Dass Verstärkungen - auch im Mittelfeld - nötig sind, daran besteht aus Heynckes' Sicht kein Zweifel.
"Der FC Bayern ist auf vielen Hochzeiten dabei, wir brauchen daher ein paar Alternativen, die hatten wir im letzten Jahr nicht", kommentierte der Trainerveteran.
Vorstandboss Karl-Heinz Rummenigge hat prinzipiell zwar nichts gegen weitere Verstärkungen einzuwenden, sagte in der "Bild" aber auch: "Wenn, dann machen wir nur etwas, was überzeugend ist und unsere bestehenden Qualitäten verbessert."
Nicht nur im unglücklich verlorenen Champions-League-Finale vermissten die Münchner einen bedingungslosen Antreiber, also einen Aggressiv-Leader, wie einst Ottmar Hitzfeld dem Niederländer Mark van Bommel ins Arbeitszeugnis schrieb. ( SPIELPLAN: Die Saison 2012/2013)
Bender und Marchisio als Optionen?
Der Leverkusener Lars Bender könnte so ein Typ sein, der zugleich dem früheren Dauer-Marschierer Sammer bestens zusagen würde. Allerdings läuft der Vertrag des 23-Jährigen noch bis 2017.
Sammer wollte diese Spekulation gegenüber SPORT1 nicht kommentieren, der ehemalige DFB-Sportdirektor sagte nur: "Es gib ein paar interessante junge deutsche Spieler, die auf Dauer für uns interessant sein könnten."
Zudem gilt Claudio Marchisio von Juventus Turin als kampferprobter Defensivabräumer. Die Bayern müssten für ihn allerdings kräftig das Festgeldkonto belasten, sein Marktwert wird auf 28 Millionen Euro taxiert.
Schweinsteiger-Rückkehr genau datiert
Erst nach dem Trainingslager am Gardasee kann Heynckes an der Verfassung von Schweinsteiger arbeiten, ihn nach dem Fehlschuss im Champions-League-Finale und der verpatzten EM wieder aufbauen.
"Er wird am 22. Juli wieder dabei sein so wie die anderen deutschen Nationalspieler auch", kündigte der FCB-Coach an. ( SERVICE: Bundesliga-Sommerfahrpläne)
Arjen Robben, Anatoliy Tymoshchuk und Neuzugang Mario Mandzukic werden nach dem EM-Vorrunden-Aus bis dahin bereits eine Woche am Gardasee geschuftet haben.
Stabilitätstest für Mandzukic, Tymoshchuk und Robben
Vor der Abreise erwartet die Drei am Samstag an der Säbener Straße ein Stabilitätstest, mit dem Heynckes die aktuelle Leistungsstärke bewerten möchte.
Der 4:0-Sieg über Ismaning war für den Bayern-Coach nur ein Zwischenschritt, zumal viele Spieler aus der ersten Reihe fehlten.
Dass teilweise der Ball arg holprig durch die Reihen ging, beunruhigte Heynckes nicht: "Die Neuerwerbungen und die jungen Spieler hauen sich rein, irgendwann ist dann der Akku leer."
Ribery nicht im Trainingslager
Daniel van Buyten, den die Achillessehne zwickte, bekam zudem zur Halbzeit eine Verschnaufpause verordnet.
Abwehrkollege Diego Contento war wegen Magen-Darm-Problemen erst gar nicht im Kader.
Superstar Franck Ribery wiederum wird am kommenden Mittwoch aus dem Urlaub zurückerwartet, ist im italienischen Trainingsquartier nicht dabei.
Laut Rummenigge soll er zuerst individuell "mit einem Fitnesstrainer" arbeiten: "Das ist sinnvoll, weil dem ja auch Rechnung getragen werden muss, dass er jetzt später einsteigt."
Ribery wird dann aber mit auf die anschließende China-Reise gehen und sich im Flieger womöglich bereits mit dem nächsten Bayern-Neuzugang bekannt machen.


