Schlägerei und Investor-Attacke: Zoff beim HSV
Von Reinhard Franke
und Christian Paschwitz
München - Eine ruhige Vorbereitung sieht anders aus.
Beim Hamburger SV knallt es richtig: Während bei anderen Klubs Floßfahrten, Grillabende oder Klettertouren anstehen, um die Neuzugänge zu integrieren, fliegen bei den Hamburgern die Fetzen.
Nicht nur, dass den Spielern Slobodan Rajkovic und Tolgay Arslan während des Trainings die Sicherungen durchbrannten, sich der Verteidiger und der Angreifer Son Heung-Min einen Schlagabtausch lieferten, an dessen Ende Tolgay Arslan benommen mit einer Platzwunde auf dem Rasen lag. (Bericht: Schlägerei im Fernsehen)
Schlechte Stimmung gibt es auch bei den HSV-Verantwortlichen, die sich von Klub-Investor Klaus-Michael Kühne ins Tagesgeschäft hineinregiert sehen. (DIASHOW: Bundesliga-Transfermarkt)
Kühne mischt sich ein
Hintergrund: Der Milliardär war im Transfer-Poker um Rafael van der Vaart vorgeprescht, hatte in einer Telefon-Konferenz gegenüber selbst eingeladenen Reportern erklärt: "Mir geht es zu langsam. Ich wünsche mir einen aktiveren, schnelleren Vorstand. Das habe ich den Herren mehrfach gesagt."
Und: "Mir ist gesagt worden – man will ihn haben, der Trainer will ihn haben. Aber mir fehlt das letzte Feuer. Man muss sehr aktiv an Dingen arbeiten, Fantasie entwickeln. Man muss was wagen. So, wie ich Mut zeige und investiere."
Kühne forderte die Mitglieder gar dazu auf, für einen Transfer van der Vaarts Spenden zu sammeln: "Ich hätte einen HSV-Groschen von so vielen Mitgliedern wie möglich vorgeschlagen. Wenn 60.000 Mitglieder im Schnitt 100 Euro geben, käme eine beachtliche Summe zusammen."
Jarchow reagiert sauer
Carl-Edgar Jarchow reagierte verschnupft auf die Einmischung:
"Wir reden über van der Vaart, von dem wir gar nicht wissen, ob er zur Verfügung steht. Uns vorzuwerfen, wir wären nicht aktiv genug, halte ich für nicht nachvollziehbar, und das werde ich ihm auch klar sagen", konterte der HSV-Boss.
Und ergänzte: "Der Vorstand lässt sich nicht beeinflussen." (DATENCENTER: Der Bundesliga-Spielplan)
Fink: Van der Vaart wäre perfekt
Thorsten Fink wiederum wollte das Verhalten des Investors bei SPORT1 nicht weiter kommentieren: "Damit macht man sich nur Feinde. Meine gute Arbeit wird dadurch jedenfalls nicht gestört. Wir sind auf einem guten Weg und lassen uns nicht davon abbringen", erklärte der Coach.
Fink bestätigte allerdings auch noch einmal das Hamburger Interesse am Ex-Spieler in Diensten von Tottenham Hotspur: "Er ist ein guter Spieler und würde gut zum HSV passen. Das kann man ja nicht verleugnen."
Und: "Ich warte auf das, was mir Frank (HSV-Sportdirektor Frank Arnesen, An. d. Red.) präsentiert. Ich würde mich über einen guten Zehner freuen, natürlich passt van der Vaart perfekt in unser Anforderungsprofil."
Bemerkungen auch über Guerrero
Während Kühne sich mit abfälligen Äußerungen über den zu SC Corinthians Paulista nach Sao Paulo in Brasilien verkauften Paolo Guerrero wenig Freunde gemacht haben dürfte ("Er war unberechenbar. Sein Verkauf war der erste wirklich gute Schritt"), verurteilte Fink die Trainingsschlägerei.
Der Coach suspendierte Wiederholungstäter Rajkovic, der auch schon mal mit Marcell Jansen zusammengerasselt war und für den es beim HSV nun "kein Zurück" mehr gibt, sprich: Der Serbe muss sich einen neuen Klub suchen.
"Ich musste reagieren und konsequent sein. Ich arbeite mit der Mannschaft und will Ruhe haben", so Fink, der Son zudem eine Geldstrafe aufbrummte.
Arslan spielt Schlägerei runter
Auch Jarchow zeigte sich in der "Hamburger Morgenpost" verärgert über den Vorfall: "Bojan weiß, dass es nicht richtig war. Es ist nicht die Art, mit der hier Konflikte gelöst werden. Er wird ab sofort bei unserer U 23 Mannschaft trainieren und auch nicht mit nach Südkorea (Promotion-Tour, Anm. d. Red.) reisen."
Allein Arslan, der bei der Rauferei als Einziger körperlichen Schaden nahm, spielte die Aktion runter: "Das kann passieren."
Nach vorn bringen die aktuellen Störfeuer den HSV jedoch nicht.
"Der HSV hatte den Abstieg verdient"
Wenig verwunderlich, dass Kühne nach dem zuletzt gerade so geschafften Klassenerhalt meint:
"Diesmal wird es nicht die Ideal-Konstellation geben, dass drei Vereine schlechter sind. Nur deswegen sind wir doch in der letzten Saison drin geblieben. Der HSV hatte den Abstieg verdient – leider. Das ging auf keine Kuhhaut, was gespielt wurde."


