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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Matthias Sammer (l.) ist seit Juli Sport-Vorstand des FC Bayern © getty

FCB-Boss Rummenigge erklärt, warum Sport-Vorstand Sammer und Heynckes zusammen passen. Auch Beckenbauer sieht kein Wagnis.

Von Mathias Frohnapfel

München - Zwei Jahre lang keine Meisterfeier, kein Empfang auf dem Marienplatz und dazu noch ein unglücklich verlorenes Champions-League-Finale:

Karl-Heinz Rummenigge lässt die titellose Zeit beim FC Bayern keine Ruhe.

Der Vorstandsboss hat nur zu gut in Erinnerung, wie nahe die Münchner zuletzt an einem Pokal dran waren und wie bitter die folgende Enttäuschung war.

Jetzt soll der neue Sport-Vorstand Matthias Sammer nach dem Vize-Tripel das Team neu kitzeln und zugleich im Duo mit Trainer Jupp Heynckes funktionieren.

Rummenigge lobt Sammer für Detailanalyse

Eine ebenso mutige wie gewagte Konstellation zwischen Charakterkopf Sammer und dem Trainerroutinier. (563193DIASHOW: Bayerns Planspiele)

"Ich finde, dass uns Matthias Sammer gut zu Gesicht steht", stellt dagegen Rummenigge in der "Bild am Sonntag" optimistisch fest.

Und ergänzt: "Er hebt im Moment jeden Stein beim FC Bayern auf und schaut drunter, ob da alles okay oder etwas verbesserungswürdig ist."

Heynckes selbst ist sich im Klaren darüber, dass sich das Verhältnis zum neuen Sport-Vorstand, der zugleich sein Vorgesetzter ist, noch einspielen müsse. Und Sammer betonte bisher mantramäßig, die Aufgabenteilung zwischen ihm und dem Trainer beachten zu wollen.

Reform statt Revolution

"Ich habe den Eindruck, dass zwischen beide kein Blatt Papier passt", sagt Rummenigge daher.

In seiner Karriere trug Sammer nie das Bayern-Trikot, kannte bislang den Klub nur von außen. Und doch soll er den entscheidenden Puls geben, damit auf die Meisterschale wieder FC Bayern eingraviert wird.

Keine Revolution erwarten die Bayern-Bosse von Sammer, aber eben doch, dass er korrigiert und anleitet, wo immer es nötig erscheint.

"95 Prozent sind sehr gut beim FC Bayern. Bei den restlichen fünf Prozent müssen wir diskutieren, was im Detail verändert werden muss", befindet der Vorstandsvorsitzende.

[kaltura id="0_ni1kvxy4" class="full_size" title="Rummenigge Champions League Finale tut noch immer weh"]

Stichelei gegen Dortmund

Rummenigge lässt vor allem Bayerns neue Offensive mit der bisherigen Stammkraft Mario Gomez sowie den beiden Neuzugängen Mario Mandzukic und Claudio Pizarro daran glauben, den BVB vom Meisterthron verscheuchen zu können. (SPIELPLAN: Die Saison 2012/2013)

"Ich habe gelesen, dass die Dortmunder ihrer Understatement-Politik treu bleiben. Das macht sie in der Öffentlichkeit sympathisch. Aber ob das ehrlich gemeint ist?", setzt er zugleich eine kleine Spitze gegen den Konkurrenten.

Keine Job-Garantie für Heynckes

Heynckes' Vertrag endet im kommenden Sommer, eine Job-Garantie bis dahin möchte ihm Rummenigge trotz aller Hilfe aber nicht aussprechen. (SERVICE: Bundesliga-Sommerfahrpläne)

"Wir werden alles tun, dass Jupp ein gutes und wir gemeinsam ein erfolgreiches Jahr haben. Er wird überall unterstützt, wo es notwendig ist. Das ist es, was wir ihm garantieren können", erklärte der FCB-Boss.

Ohnehin werde Heynckes mit Sammer an der Seite nach 1990 seinen dritten Meistertitel mit dem FCB holen, davon sind die Bayern überzeugt.

Beckenbauer preist Sammer

"Es ist eine der besten Entscheidungen, die der FC Bayern in den vergangenen Jahren getroffen hat", sagte Franz Beckenbauer im SPORT1-Interview.

Und der Ehrenpräsident des Klub fügte an: "Was aufgefallen ist, die Spieler waren in den letzten beiden Jahren nicht bereit, bis an die Leidensgrenze zu gehen. Das wird ihnen Matthias Sammer wieder beibringen."

Für den "Kaiser" ist klar, dass Sammer dem Coach Heynckes "nichts wegnehmen" werde, der ehemalige DFB-Sportdirektor sei vielmehr eine "zusätzliche Unterstützung".

Veh spottet über Sammer-Zauber

Sammer reagiert auf das Vorab-Lob gelassen, weiß, welch große Erwartungen derzeit geweckt werden.

Mit der ersten Häme muss der gebürtige Sachse neben zig Komplimenten auch umgehen.

"Man könnte den Eindruck gewinnen, Matthias Sammer könnte zaubern", kommentierte Frankfurts Trainer Armin Veh via "Süddeutsche" süffisant die erste Begeisterung.

Dabei erhoffen sich Rummenigge und FCB-Präsident Uli Hoeneß keine Zaubertaten von der Sammer-Zeit, sondern schlicht ein Ende der titellosen Jahre.

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