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Der Mann blutet, auch der damalige HSV-Boss Bernd Hoffmann ist fassungslos: "Solche Dinge gehen gar nicht im Fußball."
Vorstandsboss Bernd Hoffmann hat beim Hamburger SV noch einen Vertrag bis 2011 © getty

Bei der HSV-Mitgliederversammlung am Sonntag droht die offene Konfrontation zwischen der Führung und der Basis des Klubs.

Hamburg - Die Anhänger des Hamburger SV proben den Aufstand und die Vereinsbosse fürchten um ihre Macht:

Wenn bei der HSV-Mitgliederversammlung am Sonntag die Neuwahl von acht der zwölf Aufsichtsräte ansteht, droht dem Bundesligisten die offene Konfrontation zwischen seiner derzeitigen Führung und der Basis des Klubs.

Die Fan-Organisation "Supporters", die mit 45.000 Mitgliedern die weitaus größte Fraktion im Verein bildet, beansprucht mehr Einfluss und könnte damit zu einer ernsthaften Gefahr für Vorstandschef Bernd Hoffmann und sein Gefolge werden.

Wahlkampf wie nie zuvor

Seit Wochen wird an der Waterkant Wahlkampf betrieben, wie es der Traditionsverein in seiner 122-jährigen Geschichte noch nicht erlebt hat. Weil sich gleich vier Supporters-Mitglieder um Plätze im Kontrollgremium bewerben, geht in der Führungsetage die Angst vor einem Umsturz um.

Denn sollte sich das Quartett durchsetzen und die Supporters dank eines ohnehin gesetzten Delegierten künftig fünf Aufsichtsräte stellen, wäre wohl deutlich mehr Opposition als bisher aus dem mächtigen Gremium zu erwarten - bis hin zur möglichen Handlungsunfähigkeit des Vorstands.

Nach einigen verbalen Attacken im vergangenen Herbst hielten sich beide Parteien in ihren Äußerungen zuletzt jedoch zurück.

"Ich gehe davon aus, dass die Mitglieder weitsichtig im Sinne des HSV entscheiden", sagt Hoffmann, dessen Vertrag vom alten Aufsichtsrat im vergangenen Jahr bis 2011 verlängert worden war.

Hoffmann-Rücktritt nicht ausgeschlossen

Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass der seit fast sechs Jahren amtierende Klubchef im schlimmsten Fall sogar zurücktritt.

Das allerdings sei nicht die Intention der Supporters, behauptet deren Chef Ralf Bednarek: "Bernd Hoffmann macht einen guten Job, den wir als Supporters-Klub unterstützen", so der 34 Jahre alte Rechtsanwalt.

Vielmehr wolle man einfach mehr Kontrolle ausüben, als das bislang der Fall war: "Wir wollen die Strukturen in diesem Gremium verändern", sagt Bednarek.

"Sieht nach einer geplanten Aktion aus"

Der bisherige Aufsichtsratschef Horst Becker glaubt dennoch, dass mehr dahinter steckt. "Für mich sieht das alles nach einer geplanten Aktion aus", erklärte der 67-Jährige, der von der Anti-Hoffmann-Fraktion bisweilen als "Abnicker" beschimpft wurde.

Nach Ansicht des Supporters-Kandidaten Manfred Ertel, der als politischer Journalist und Betriebsrat beim "Spiegel" tätig ist, bedarf das Kontrollgremium sehr wohl einer Auffrischung: "Wir benötigen einen Aufsichtsrat, der die Vereinsführung kreativ, konstruktiv und kritisch begleitet."

Dagegen konzentrierte sich die Kampagne der Befürworter des derzeitigen Kurses vor allem am Supporters-Kandidaten Johannes Liebnau, der als Einpeitscher der HSV-Fankurve berüchtigt ist.

Ihm wurden seine oft unter der Gürtellinie angesiedelten Schlachtrufe im Stadion negativ ausgelegt und damit die Fähigkeiten zu konstruktiver Mitarbeit abgesprochen. Zudem fehle es dem Supporters-Quartett an wirtschaftlicher Kompetenz, hieß es.

Auch Barbarez bewirbt sich

Die allerdings bringen auch die Kandidaten der Gegenseite nur teilweise mit. Neben Unternehmern wie Alexander Otto (Shopping-Center und Immobilien) oder Ian Kiru Karan (Container-Wirtschaft) stellen sich erneut die Ex-HSV-Präsidenten Becker, Ronald Wulff und Jürgen Hunke sowie Vize-Weltmeister Willi Schulz zur Wahl.

Auch Schauspieler Marek Erhardt und der frühere Hamburger Bundesliga-Profi Sergej Barbarez bewerben sich um einen Platz. Doch gegen die zahlenmäßige Macht der Supporters werden sie es am Sonntag alle schwer haben.

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