"Abgehakt!": Robben setzt Titel-Zähler auf Null
Vom Bayern-Trainingslager berichten Mathias Frohnapfel und Christian Ortlepp
Riva - Die Erleichterung bei den mehr als 500 Bayern-Fans war spürbar, als Arjen Robben doch noch am Trainingsgelände in Arco auftauchte. (Bericht: Gardasee als Kraftquelle)
Zuerst hatte der Niederländer am Montagmorgen gefehlt, als Jupp Heynckes seine Mannen bei 27 Grad schwitzen ließ. Robben, gerade aus dem EM-Urlaub zurückgekehrt, absolvierte indes im Mannschaftshotel ein Sonderprogramm.
Eine erneute Verletzung? Robben lächelte im Gespräch mit SPORT1 kurz, dann sagte er: "Nein, es war nur ein spezielles Aufbautraining."
Gut gelaunt und entspannt präsentierte sich der Niederländer, nachdem er den Anhängern noch zig Autogramme geschrieben hatte. (DIASHOW: FC Bayern im Trainingslager)
Kinder vertreiben böse Erinnerung
Sein vergebener Elfmeter im Champions-League-Finale und die Schmach mit den Niederlanden bei der EM mit null Punkten ausgeschieden zu sein, schienen nur noch eine böse Erinnerung.
"Ich war weg von allem, hatte mit meiner Familie eine richtig schöne Zeit, die Kinder haben mich genug abgelenkt", erklärte der Münchner.
Und eine Zeitmaschine, um alte Fehler ausbügeln, hat er eh nicht.
"Man kann nicht mehr zurück, man kann nichts mehr ändern. Das ist abgehakt. Ich bin froh, von Null beginnen zu können."
Vize-Trauma nervt
Robben muss wahrscheinlich lange zurückdenken, um sich an eine so lange Auszeit vom Fußball zu erinnern. Die Terminhatz hat ansonsten in seinem Leben als Profi einen so festen Platz wie die Laufwege auf dem Feld.
Das Vize-Trauma nervt den Perfektionisten dennoch, in einem "schönen Urlaub" hatte er aber Zeit, die letzte Saison inklusive dreier im letzten Moment verpasster Titel einzuordnen.
"Das gehört zum Fußball, das bleibt eine ganze Karriere mit Höhepunkten und Tiefpunkten", lautete seine Einschätzung gegenüber SPORT1.
"Wenn man da oben arbeitet wie wir, da kann das passieren. Letzte Saison war natürlich richtig enttäuschend, es ist wichtig, das abzuhaken."
Frust als Motivationsspritze
Aus Robbens Sicht könnte die Motivation jetzt "vielleicht noch größer" sein, eines Tages doch beispielsweise mit dem Henkelpott in München spazieren zu fahren. ( SPIELPLAN: Die Saison 2012/2013)
Die Kritik nach dem Champions-League-Finale ebenso wie die Pfiffe im folgenden Testspiel gegen die Niederlande hat Robben - zumindest äußerlich - weggesteckt.
"Ich habe mich auf Fußball konzentriert, das ist und bleibt das Wichtigste. Sonst nichts. Ich will nicht mehr so viel nach hinten schauen", erklärte der Niederländer.
Die Lust auf die neue Saison scheint immens, schon beim ersten Kontakt mit dem Ball am Sonntag flitzte Robben beinahe in Aggressive-Leader-Manier über den Platz und ließ auch Jupp Heynckes zwischenzeitlich zufrieden blicken.
Muskelfaserriss bei Heynckes
Denn der Bayern-Trainer war zum Start am Gardasee nicht am meisten mit dem Team beschäftigt, sondern mit sich selbst.
Bei dem Versuch, die ideale Schusstechnik zu einer Übung zu demonstrieren, hatte sich der 67-Jährige verletzt.
Die Diagnose im Hotel: Muskelfaserriss im Oberschenkel.
Trotz Verletzung auf dem Platz
"Er wird sich nichts anmerken lassen", kündigte FCB-Mediendirektor Markus Hörwick bereits vor dem Vormittagstraining an.
Und so war es auch. Wie ein stolzer General gab Heynckes die Anweisungen, zog aber bisweilen das rechte Bein ein wenig nach.
Auf die Frage, wie es ihm mit der Verletzung gehe, winkte Heynckes nur mürrisch ab. Wichtiger als seine Fitness ist nunmal die der Mannschaft, findet der Trainerroutinier.
Dante beeindruckt
Neuzugang Dante imponierte jedenfalls der Umgang des Chefcoachs mit der Verletzung.
"Ich habe eigentlich nichts von seiner Verletzung gemerkt", meinte der Brasilianer auf SPORT1-Nachfrage. "Er ist immer dabei, das ist gut und wichtig für uns."
Beim Plan, am Gardasee die Basis für eine erfolgreiche Spielzeit zu legen, wollen sich Heynckes und die Bayern nicht so leicht aufhalten lassen.


