Sorgenkind HSV: Neuanfang im Land des Lächelns
Von Andreas Kloo
München - Heung Min Son grüßte mit breitem Grinsen den Fotografen am Hamburger Flughafen entgegen.
Wenn sich einer über den Abflug ins Trainingslager freute, dann der 20-Jährige.
Am Montagmittag brach der HSV zum einwöchigen Vorbereitungscamp in Südkorea auf, der Heimat Sons.
"Man muss einfach freundlich sein und viel lächeln. Dann bekommt man keine Probleme", gab der Angreifer Verhaltensregeln für die Asien-Reise aus.
Teilnahme an Viererturnier
Die Hamburger nehmen dort ab Freitag mit dem FC Groningen, dem FC Seongnam und dem FC Sunderland am "Peace Cup" teil.
Trainer Thorsten Fink will außerdem weiter am Feinschliff arbeiten und das Zusammenspiel im Team verbessern
Beim Test am Samstag gegen Holstein Kiel (1:1) zeigten die Hamburger noch große Schwächen.
Willkommene Prämien
In Südkorea geht es aber für den Bundesliga-Dino nicht nur um sportliche Ziele. Die weite Reise hat auch finanzielle Hintergründe.
Als Antrittsprämie kassiert der HSV 500.000 Euro, bei einem Turniersieg würde es nochmal eine Million zusätzlich geben.
Viel wichtiger aber sind die möglichen langfristigen Folgen. (DATENCENTER: Der Bundesliga-Spielplan)
Mit der Asien-Tour soll vor allem der asiatische Markt angekurbelt werden. Son spielt dabei logischerweise das Zugpferd.
"Wir haben dort viele Termine. Dabei geht es auch um neue Sponsoren. Es ist dort sehr viel möglich. Das wollen wir für die Zukunft noch mehr nutzen", berichtet Marketing-Vorstand Joachim Hilke in der "Hamburger Morgenpost".
Talentschmiede für den HSV
Gleichzeitig will der HSV nach weiteren Spielern wie Son Ausschau halten. In Seoul wird dazu am Mittwoch die Asian Football Academy eröffnet.
Sons Vater wird die Schule leiten und verspricht eine enge Zusammenarbeit mit der Fußball-Schule.
Will heißen: Tummelt sich dort ein vielversprechendes Talent, erfährt es der HSV als erster.
Drei Spieler auf Wunschzettel
Doch nicht nur für die entferntere Zukunft, sondern auch für die aktuelle Saison suchen die Hamburger noch nach Verstärkung.
Auf Finks Wunschzettel stehen drei Spieler: einer für die Abwehr und zwei für das Mittelfeld.
Fink ist optimistisch und vertraut Arnesen voll und ganz: "Ich warte auf das, was mir Frank präsentiert", hatte der Coach im SPORT1-Interview gesagt.
Van der Vaart-Deal geplatzt
Den Wunsch nach einem Zehner konnte der Däne Fink aber bislang nicht erfüllen. Rafael van der Vaart wird nicht an die Elbe zurückkehren.
Am Sonntag kam die endgültige Absage des Niederländers von Tottenham Hotspur.
Klub-Boss Carl-Edgar Jarchow hatte zuvor ohnehin schon Abstand von dem Transfer genommen.
Keine Stürmer erwünscht
Im Angriff will Fink allerdings nicht mehr tätig werden. (DIASHOW: Bundesliga-Transfermarkt)
Auf den ersten Blick scheinen die Hamburger in vorderster Front etwas dünn aufgestellt. Neben Son stehen Marcus Berg und der lettische Neuzugang Artjoms Rudvens im Kader.
Rückkehrer Macauly Chrisantus soll wieder verkauft werden.
Doch Fink gibt sich mit drei Angreifern zufrieden: "Das reicht, da wir zukünftig mit nur einer Spitze spielen werden",sagte der Trainer den "Kieler Nachrichten."
Fink vertraut darauf, dass Rudnevs an seine Leistungen bei Lech Posen anknüpft. In Polen gelangen ihm in den letzten zwei Jahren 33 Tore in 56 Spielen.
Rajkovic und Töre vor dem Abgang
Mit Mladen Petric und Paolo Guerrero verließen allerdings die beiden besten Torschützen der letzten Spielzeiten die Hansestadt.
Auch Abwehrspieler Slobodan Rajkovic muss sich aus Hamburg verabschieden. Der Serbe hat nach seiner Trainingsprügelei mit Son keine Zukunft mehr unter Fink. (Bericht: Schlägerei und Investoren-Zoff)
Gökhan Töre will der HSV ebenfalls gewinnbringend weiter veräußern. Der Deutsch-Türke steht vor einem Wechsel zu Rubin Kasan. Eine Ablösesumme von 2,5 Millionen Euro stehen im Raum.
Mit den Einnahmen aus diesen Verkäufen und den Prämien aus Südkorea wollen die Hamburger dann auf dem Spielermarkt nochmal tätig werden.
Fink peilt Rang sechs an
Sollte Arnesen bei seinen Einkäufen erfolgreich sein, hält Fink nach Platz 15 in der Vorsaison eine Qualifikation für das europäische Geschäft für möglich.
"Sollten wir unsere drei Wunschspieler für das Mittelfeld und die Abwehr bekommen, ist Platz sechs oder sieben drin."
Seeler skeptisch
HSV-Legende Uwe Seeler teilt diesen Glauben nicht: "Ich bin ganz ehrlich: Ich sehe es immer noch skeptisch, dass es eine großartige Saison wird", sagte der frühere Stürmer der "dpa".
Seeler fügt jedoch hinzu: "Aber es soll eine Mannschaft aufgebaut werden, und eigentlich bin ich immer Optimist."


