Ya Konan macht Schmadtkes Auszeit zur Zerreißprobe
Von Christian Paschwitz
Hannover - Bei Hannovers Testspiel-Klatsche gegen Bundesliga-Absteiger Hertha BSC (Bericht) stand Didier Ya Konan nur 45. Minuten auf dem Platz.
Das 0:4 war schon die zweite Niederlage für die 96er in der laufenden Vorbereitung.
Abgesehen von einer guten Torchance blieb der Ivorer, der im Training vor wenigen Tagen einen Schlag auf das Knie bekommen hatte, wie seine Teamkollegen blass.
"Wir haben viele taktische Fehler gemacht und viele Chancen liegenlassen", sagte Trainer Mirko Slomka nach der Partie ( SERVICE: Bundesliga-Sommerfahrpläne).
Doch noch etwas anderes beschäftigt in Hannover die Gemüter: Hinter der Zukunft von Slomka und Ya Konan stehen weiterhin Fragezeichen.
Kind bestätigt Interesse an Ya Konan
Zu beiden Themen äußerte sich Slomka nach der enttäuschenden Partie gegen die Berliner nicht.
Schon gar nicht zur Transfer-Attacke von Red Bull Salzburg, die Präsident Martin Kind immerhin offiziell bestätigte.
Dass der Vorstoß ausgerechnet auf das Konto des ehemaligen 96-Trainers Ralf Rangnick geht, seit kurzem Sportdirektor beim Retortenklub, gab dem Abwerbungsversuch einen zusätzlichen Zungenschlag.
Nicht nur Slomka ("Er ist ein extrem wichtiger Spieler") ist bedient - vor allem aber wirken sie gleich doppelt machtlos. (DIASHOW: Transfermarkt Bundesliga)
96 quasi handlungsunfähig
Zum einen, weil Ya Konan ein Bekenntnis zum Klub nach wie vor vermissen lässt, und kaum absehbar ist, was passiert, wenn die finanzkräftigen Österreicher für den 28-Jährigen die festgeschriebene Ablösesumme von acht Millionen Euro aufbieten.
Zum anderen aber deutet die Personalie erstmals an, wie handlungsunfähig die Niedersachsen offenbar doch sind ohne Jörg Schmadtke.
Der Manager befindet sich aus familiären Gründen nach wie vor in einer Auszeit, soll erst ab Mitte September wieder als Teilzeitkraft halbtags den Managerposten bekleiden, bevor er 2013 dann wieder voll einsteigt.
Schmadtke in Japan unterwegs
Schmadtke beteuerte zwar zu Beginn seines "Mini-Sabbatical", er sei "ja nicht aus der Welt, es gibt Telefone, und wenn es etwas Wichtiges ist, bin ich auch erreichbar."
Und auch Kind meinte: "Alles ist organisiert, nichts bleibt liegen. Außerdem weiß ich ja, wie das Geschäft funktioniert. Wir wollen Herrn Schmadtke so wenig wie möglich belasten."
Insgeheim muss sich der Klub-Boss aber eingestehen, dass das Tagesgeschäft ohne die physische Präsenz seinen wichtigsten Angestellten leidet, wenngleich der unlängst nach Fernost reiste, um den japanischen Rechtsverteidiger Hiroki Sakai zu verpflichten.
Viergeteilter Managerposten
Auch im Ringen um Ya Konan, den Schmadtke 2009 von Rosenborg Trondheim nach Hannover holte, dürfte der 48-Jährige nicht tatenlos zusehen. Wie weit sein Handlungsspielraum aktuell jedoch tatsächlich greift, ist schwer einzuschätzen.
Bis zu seiner Rückkehr kümmern sich ofifziell Kind und Slomka um jegliche Transferaktivitäten, unterstützt von Schmadtkes Assistenten Nadine Große und Dominic Prinz.
Slomka-Verlängerung lässt auf sich warten
Doch wie sehr bei den "Roten" Verzögerungstendenzen eingesetzt haben, zeigt auch die stockende Vertragsverlängerung mit Slomka.
"Wenn Geschäftsführer Jörg Schmadtke im September zurückkehrt, wird er die Gespräche aufnehmen. Ich rechne damit, dass wir schnell einig werden", sagte Kind der "Sport Bild". "Spätestens im Oktober sollte alles geregelt werden."
Beim Trainingsauftakt Ende Juni hatte sich Slomka (Vertrag bis 2013) aber bereits öffentlich darüber gewundert, dass die Gespräche über eine Verlängerung auf sich warten ließen.
Entscheidung bis Anfang August
Noch mehr drängt die Zeit für eine Entscheidung über Ya Konans Verbleib: Bereits am 2. August steht die 3. Qualifikationsrunde der Europa League an.
Später würden die "Roten" Ya Konan, wenn überhaupt, ohnehin nicht abgeben, wie Kind gegenüber der "Bild" deutlich machte: "Sonst könnten wir ja nicht mehr reagieren."
Was nachvollziehbar ist: Andernfalls würde den Niedersachsen in den ersten Saison-Partien nämlich die Torjäger ausgehen.
Mame Diouf noch lange außer Gefecht
Noch bis Mitte September fehlt Ya Konans Sturmpartner Mame Diouf wegen eines Teilabrisses des Syndesmosebands.
Und der zuletzt angeschlagene Mohammed Abdellaoue ist gerade erst wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen.
Kind erklärt zwar: "Wir haben einen Plan für 96 - und mit Ya Konan."
Das Tauziehen um ihn wird jedoch der Lackmustest dafür sein, ob die bislang einzigartige Arbeitskonstellation zwischen Schmadtke und 96 tatsächlich so funktionieren kann.


