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Luuk de Jong wechselte 2009 von de Graafschap zu Twente Enschede © getty

Der Rekordtransfer lässt Gladbach von einer goldenen Zukunft träumen. Eberls Einkaufsliste übersteigt die Reus-Millionen.

Von Julian Buhl

Mönchengladbach/München - Max Eberl machte einen zufriedenen Eindruck, als er dabei zusah, wie sich sein Team zum offiziellen Mannschaftsfoto aufstellte.

Denn vor allem dafür, dass sich in der hinteren Reihe der Spieler mit der Nummer neun postieren konnte, hatte Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor in den vergangenen Tagen und Wochen hart arbeiten müssen. (SERVICE: Bundesliga-Sommerfahrpläne)

"Ich bin stolz, dass er bei uns ist und froh, dass wir den Durchbruch geschafft haben", sagte Eberl über die geglückte Verpflichtung des niederländischen Nationalstürmers Luuk de Jong vom FC Twente Enschede.

Der 21-Jährige unterschrieb nun einen Fünfjahresvertrag, der bis Juni 2017 gilt. (492198DIASHOW: Transfermarkt Bundesliga)

"War unser Wunschtransfer"

Eberl berichtete von einem harten Kampf, zähen Verhandlungen mit komplizierten und intensiven Gesprächen: "Es war ein schwieriger Transfer, aber unser Wunschtransfer."

Für dessen erfolgreichen Abschluss ist Gladbach auch finanziell bis an seine Schmerzgrenze gegangen.

Auch wenn Eberl das, "was momentan kursiert", nicht bestätigen wollte, wird die Borussia wohl eine Ablösesumme von rund 15 Millionen an Twente überweisen.

"Ich kenne den genauen Preis nicht", sagte der Niederländer mit einem Augenzwinkern. Er sei sehr glücklich darüber, "dass Borussia sehr hart gearbeitet hat, um den Transfer über die Bühne zu bekommen".

De Jong soll Reus ersetzen

De Jong tritt sein Engagement in Gladbach damit mit der Hypothek des teuersten Neueinkaufs der Vereinsgeschichte an. Und mit dem nicht weniger schwer wiegenden Auftrag, den zu Borussia Dortmund gewechselten Marco Reus zu ersetzen.

"Wir haben mit Marco einen Mann für viele Tore verloren und mussten wieder so einen finden", sagte Eberl.

Damit formulierte Gladbachs Sportdirektor klare Erwartungen an die Verpflichtung des Torjägers, mahnte gleichzeitig aber auch zu Geduld bis zu deren Erfüllung: "Luuk braucht die Zeit, um in der Bundesliga anzukommen."

[kaltura id="0_yf7ff1uu" class="full_size" title="De Jong Gladbachs teuerster Transfer"]

"Borussia wollte mich wirklich"

De Jong selbst hofft darauf, dass "die Anpassung kein Problem wird".

Der Torjäger, der in der vergangenen Saison in 31 Einsätzen 25 Treffer erzielte, hatte sich in dem Transferpoker, in dem es durchaus auch andere Interessenten mitboten, früh für einen Wechsel nach Mönchengladbach entschieden.

Die Borussia habe er gewählt, "weil sie mich wirklich wollten. Und ich wollte in die deutsche Liga und will mich dort weiterentwickeln".

Favres Konzept überzeugt

Die Perspektiven, die ihm Eberl und Trainer Lucien Favre dafür in Mönchengladbach aufzeigt hatten, haben de Jong überzeugt.

Der Niederländer hat jedenfalls schon ziemlich konkrete Vorstellungen, was das zukünftige Offensivspiel der "Fohlen" angeht:

"Ich mag es, wenn ich kreative Spieler um mich herum habe. Ich mag Flanken und ich hoffe, dass ich meine Qualitäten zeigen kann."

Den unter anderem ebenfalls vollzogene Transfer des Schweizer Nationalspielers Granit Xhaka, der für rund neun Millionen vom FC Basel kam und den Platz in der Gladbacher Mittelfeldzentrale einnehmen soll, dürfte de Jong in dieser Hinsicht durchaus begrüßen.

Transfererlöse reinvestiert

"Wir haben einen guten Kader stehen, der die Bundesliga und die Champions-League-Qualifikation bestehen soll", sagte Eberl.

Mit insgesamt geschätzten 35 Millionen Euro gab Gladbach so viel für neue Spieler aus wie noch nie, und hat damit auch die durch die Abgänge von Reus und Dante erzielten Transfererlöse von rund 22 Millionen Euro bereits mehr als reinvestiert.

"Wir haben gesagt, dass wir keine verrückten Sachen machen. Das haben wir umgesetzt", sagte Eberl.

Eberl dämpft Erwartungen

Die Teilnahme an der Champions League, die sich die Borussia in den anstehenden Qualifikationsspielen erst noch final sichern muss, habe man finanziell noch nicht verplant.

Der Sportdirektor ist spürbar darum bemüht, die Erwartungen an den Überraschungsvierten der vergangenen Saison nicht zu groß werden zu lassen.

"Nachhaltigkeit in der Einstelligkeit" zu erreichen, gab er etwas verklausuliert als Saisonziel aus.

CL-Quali Ende August

Alles andere als die erneute Qualifikation für das internationale Geschäft wäre angesichts der Investitionen der aktuellen Größenordnung dennoch wohl eine Enttäuschung.

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft scheinen in Gladbach aber gegeben.

"Das heißt nicht dass wir träumen. Wir sehen der Realität ins Auge und werden als Verein unseren Weg weitergehen", sagte Eberl.

In welche Richtung dieser die "Fohlen" führen wird, werden schon die Qualifikationsspiele für die Champions League Ende August zeigen.

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