Heißer Dreikampf um die Nummer eins
München/Donaueschingen - Dreikampf um die Nummer eins:
Bei Schalke 04 streiten einen Monat vor dem ersten Saison-Pflichtspiel im DFB-Pokal beim 1. FC Saarbrücken in Timo Hildebrand, Ralf Fährmann und Lars Unnerstall gleich drei Kandidaten um den Stammplatz zwischen den Pfosten.
"In der Vorbereitung können sich unsere drei Torhüter zeigen. Vor dem Pokalspiel in Saarbrücken werde ich dann entscheiden, wer im Tor steht", sagt Schalke-Coach Huub Stevens, der in der kommenden Spielzeit keine Rotation zwischen den Pfosten haben möchte. ( DATENCENTER: Der Spielplan 2012/2013)
Der außergewöhnlichen Situation auf Schalke ist sich Stevens bewusst, er stellt aber fest:
"Konkurrenzkampf muss sein. Entscheidend ist, dass die Kommunikation stimmt."
Keine Tendenz auszumachen
Und um die muss sich Stevens offenbar keine Sorgen machen, wie auch das Trainingslager in Donaueschingen zeigte, wo sich das Torwart-Trio von seiner besten Seite zeigte.
"Die Jungs sind charakterlich alle in Ordnung", sagt der neue und alte 04-Torwarttrainer Holger Gehrke, der eine solche Ausgangslage in seiner langjährigen Karriere auch noch nicht erlebt hat.
"Das ist eine ganz spezielle Situation. Das ist für die Jungs, aber auch für mich eine Herausforderung", berichtet der ehemalige Bundesligaprofi, der bislang noch keine Tendenz ausmachen kann:
"Bei anderen Vereinen sagt man zwar auch, dass das Rennen offen ist, aber intern hat sich meistens schon eine Nummer eins herauskristallisiert. Doch bei uns gibt es wirklich noch keine Vorentscheidung."
Fährmann trägt die Nummer eins
Nachdem im Jahr eins nach Manuel Neuer bedingt durch Verletzungen sowohl Fährmann (23) als auch Unnerstall (21) und Ex-Nationaltorwart Hildebrand (33) sich zwischenzeitlich als Nummer eins fühlen durften, geht das Rennen in dieser Saison von vorne los.
Fährmann, der in der vergangenen Spielzeit durch einen Kreuzbandriss am neunten Spieltag aus allen Träumen gerissen wurde, trägt immerhin die Nummer eins auf dem Rücken, was er als einen Vorteil deutet:
"Ich denke, dass die Nummer eins auch im Tor stehen wird."
Kollegiales Verhältnis
Schalkes frühere Nummer drei, der zwischen 2007 und 2009 hinter Manuel Neuer und Mathias Schober zumeist auf der Tribüne die Bundesligaspiele verfolgen musste, will nicht noch einmal zurückstecken.
"Ich wäre schon sehr enttäuscht, wenn ich die Nummer drei würde. Ich bin jetzt wieder heiß darauf zu spielen", sagt Fährmann, der das kollegiale Verhältnis der Schalker Schlussmänner untereinander hervorhebt: "Wir haben keinen Stinkstiefel dabei."
Das sieht auch Unnerstall so, der mit seinem Kumpel Fährmann im Trainingslager ein Doppelzimmer teilt.
"Aber klar ist, dass ich die Nummer eins werden will. Sonst hätte ich den falschen Beruf", kündigt Unnerstall an.
Heldt betrachtet Luxusproblem positiv
Von dem Aufsteiger der vergangenen Saison, dem in der Vorbereitung Achillessehnenprobleme zu schaffen machen, sind sie auf Schalke vollauf überzeugt.
Sein bis 2013 laufender Vertrag soll in Kürze bis 2016 verlängert werden.
"Es sind nur noch Details zu klären", sagt Schalkes Sportvorstand Horst Heldt, der das Luxusproblem im Tor positiv betrachtet.
"Es ist schön, wenn der Trainer die Qual der Wahl hat. Jeder hat die Möglichkeit, sich zu positionieren. Dann werden wir sehen, wie die Reihenfolge am Ende der Saison aussieht", sagt Heldt, der weiß, dass auch Routinier Hildebrand nicht kampflos seinen jungen Kollegen das Feld überlässt.
"Natürlich will ich spielen, was denn sonst?", äußerte der siebenmalige Nationalspieler.
Kader soll ausgesiebt werden
Doch nicht nur um die Position zwischen den Pfosten wird bei den Königsblauen intensiv gekämpft.
Besonders im Mittelfeld tummeln sich mit Jermaine Jones, Julian Draxler, Jose Manuel Jurado und Lewis Holtby viele Startelf-Kandidaten.
Da droht selbst den Zugängen Roman Neustädter und Tranquillo Barnetta ein Platz auf der Bank.
Der Konkurrenzkampf wird durch nachrückende Talente aus der Meister-A-Jugend und die Ankündigung von Stevens und Heldt, den Kader vor dem nächsten Trainingslager in Kärnten (4. bis 11. August) auszudünnen, zusätzlich angeheizt.
Insgesamt sind derzeit im Trainingslager 28 Spieler dabei, EM-Teilnehmer Benedikt Höwedes stößt am Sonntag zum Kader. "Es geht für alle bei null los", sagt Stevens. Und das gilt nicht nur für die Torhüter.


