"Ich will Manuel immer pushen"
Vom FC Bayern berichtet
Mathias Frohnapfel
München - Einen Arbeitsnachweis hat Tom Starke im Bayern-Trainingslager nicht gebraucht.
Jedes Mal, wenn Bayerns Neuzugang im Tor den Trainingsplatz verlassen hat, war sein Dress durchgeschwitzt. (DIASHOW: FC Bayern im Trainingslager)
Und das lag nicht allein an den hochsommerlichen Temperaturen am Gardasee, sondern am Einsatz des Ex-Hoffenheimers.
Der Keeper ist zwar bei Bayern klare Nummer zwei hinter Nationaltorwart Manuel Neuer. Dennoch hat er sich ehrgeizige Ziele gesetzt.
Test gegen Peking
Und dank Neuers EM-Urlaub konnte er in den ersten Trainingswochen und Testspielen zeigen, welch erfahrenen Mann die Bayern verpflichtet haben. ( SPIELPLAN: Die Bundesliga-Saison 2012/2013)
Beim Testspiel des FCB in Peking während der China-Promotour durfte Starke immerhin eine Halbzeit spielen.
Kein Problem mehr wegen Wiese
Mittlerweile kann es Starke auch verwinden, dass ihn nun in Hoffenheim Tim Wiese beerbt hat.
Er wäre sonst bei seinem Ex-Klub wohl von der Nummer eins zur Nummer zwei degradiert worden.
Im SPORT1-Interview schildert Starke den Neustart beim Rekordmeister, die künftige Arbeit mit Neuer und Bayerns Ambitionen.
"In anderer Welt angekommen"
SPORT1: Herr Starke, Sie haben die ersten Testspielen mit dem FC Bayern absolviert und das Trainingslager am Gardasee erlebt. Wie fühlt es sich an, jetzt ein Roter zu sein?
Tom Starke: Ich bin hier in einer anderen Welt angekommen, allein schon, was das Umfeld anbetrifft. Man ist im Trainingslager am Gardasee zig Kilometer weg von München und das Stadion in Arco ist bei jedem Training voll. Das ist beeindruckend. Auch in München beim Training ist immer was los.
SPORT1: Warum haben Sie sich für den Wechsel von Hoffenheim zu Bayern entschieden, obwohl Sie ja hinter Manuel Neuer die Nummer 2 im Tor sein werden?
Starke: Ich habe die Chance gesehen, beim besten Verein Deutschlands zu spielen. Ich möchte mich weiterentwickeln. Manuel Neuer ist ein klasse Torwart, da will ich Ansatzpunkte mitnehmen. Ich habe schon viele Bundesliga-Spiele hinter mir und hab die Chance, nochmal in andere Gefilde reinzurutschen.
SPORT1: Sehen Sie Ihre Aufgabe vor allem darin, Manuel Neuer Druck zu machen und wenn möglich die Nummer 1 zu werden?
Starke: Nein, es geht nicht um die Nummer 1, natürlich will ich Manuel im Training immer pushen und fordern. Ich habe keine Ansprüche auf die Nummer 1, wenn ich gefragt und gefordert bin, werde ich aber bereit sein.
SPORT1: Glauben Sie also, so auch Neuer noch mehr anspornen zu können?
Starke: Eine starke Nummer 2 macht alle stärker, sich selbst und auch die Nummer 1. Das hilft der Mannschaft und dem Verein.
SPORT1: Wie schätzen Sie Bayerns Chancen ein, Dortmund abzulösen und Meister zu werden?
Starke: Ich weiß nicht, wie die Chancen stehen, wir wollen auf jeden Fall Meister werden, da gibt es kein Wenn und Aber. Da hat sich der Verein klar positioniert und das macht auch jeder einzelne Spieler. Wir sind hier, um den Titel zu holen.
SPORT1: Wie groß ist die Vorfreude mit Bayern in der Champions League dabei zu sein?
Starke: Ich war ja fünf Jahren in Leverkusen und habe da als Nummer 2 die Champions League erlebt, aber ich wollte es auch erleben, wie es ist, um den Titel mitzuspielen oder eine reelle Chance zu haben. Das gilt nicht nur für die Champions League, sondern auch für die anderen Wettbewerbe, ich glaube, die Chancen sind nirgendwo größer.
SPORT1: Wie schwer wird es werden, das Trauma vom verlorenen Finale aus den Köpfen zu bekommen?
Starke: Ich kann es nicht genau sagen, aber wir werden alles dafür tun, dass wir wieder nach vorne schauen, dass jeder einzelne Spieler nach vorne schaut. Es sind viele Neue da, die mit diesem Trauma in Anführungszeichen nichts zu tun haben. Ich denke, so wie die Mannschaft sich jetzt präsentiert mit Spaß und Freude, da ist von Trauma nichts zu spüren.
SPORT1: Für Jupp Heynckes ist es womöglich sein letztes Jahr als Trainer. Ist das irgendwie zu spüren?
Starke: Ich glaube, er will sich mit dem größtmöglichen Erfolg verabschieden. Dafür ist er zu sehr Sportsmann und zu ehrgeizig, als dass er irgendetwas abschenken würde.


