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Rummenigge (l.) und Hoeneß spielten von 1974 bis 1978 gemeinsam beim FCB © imago

Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß sorgen sich um die europäische, nicht die nationale Konkurrenz.

München - Sorgen wegen der Finanzkrise, Gedankenspiele über die Nachfolgeregelung für Uli Hoeneß und Lob für Trainer Jürgen Klinsmann:

Manager Hoeneß und Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge vom deutschen Rekordmeister Bayern München haben in aktuellen Fragen klar Stellung bezogen.

Vor allem über die Wirtschaftslage im europäischen Fußball äußerten beide ihre Sorge. "In dieser Krise geht es wirklich ans Eingemachte", sagte Hoeneß dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Der Manager erwartet in den kommenden sechs Monaten deutliche Veränderungen bei den Besitzverhältnissen der Vereine. Auch Rummenigge fürchtet angesichts der Krise um die Zukunft europäischer Klubs.

Er habe von Kollegen aus England, Spanien und Italien von "ganz massiven Problemen" gehört, "weniger bei den absoluten Topklubs, aber eine Stufe darunter", sagte der Vorstands-Vorsitzende der Bayern der "Süddeutschen Zeitung":

"Es scheint zahlreiche Klubs zu geben, die ernsthaft bankrottgefährdet sind." Weniger bedroht seien allerdings die Vereine der Bundesliga, da es hierzulande solidere Strukturen gebe.

Faire Ausgangslage trotz Scheichs

Rummenigges kürzlich mit UEFA-Präsident Michel Platini abgesprochener Vorschlag, um "einige Auswüchse auf ein gesünderes Maß" zurückzuführen: Ein Lizensierungsverfahren für die Champions League.

"Man würde verfügen, dass nur 50 Prozent der Gesamteinnahmen eines Klubs in Gehälter investiert werden dürfen. Dann würde es keine so große Rolle mehr spielen, ob ein Klub ein eingetragener Verein ist, oder ob er einen Scheich hat", sagte Rummenigge (Chelsea bald in deutscher Hand?) .

Er spielte damit auf Manchester City an, wo dank eines solchen Geldgebers exorbitante Summen bezahlt werden. Dadurch werde der Markt verdorben.

Transfer von de Jong "schlimm"

Als Negativbeispiel nannte Rummenigge ("120 Millionen für Kaka wären Wahnsinn gewesen, (...) aber viel schlimmer finde ich den Transfer von Nigel de Jong ") den jüngsten Kauf des britischen Klubs: "Im Sommer hätte de Jong aufgrund einer Vertragsklausel noch zwei Millionen Euro gekostet. Ein Zehntel! Mit anderen Worten: Da ist jemand bereit, für vier Monate 18 Millionen Euro zu zahlen."

Die wegen der Krise erhoffte Mäßigung werde es so wohl nicht geben, folgerte Rummenigge. Für die Nachfolge seines Vorstandskollegen Hoeneß, der Ende des Jahres als Manager ausscheiden möchte, wünscht sich der Vorstands-Chef einen "starken Sportdirektor".

Man brauche jemanden, der die Spieler auch mal zurechtweise. Das tue Hoeneß auch.

Hoeneß als Lobbyarbeiter

Der kündigte derweil an, sich nach seiner Ablösung nicht ins Tagesgeschäft einzumischen, dafür wolle er "Dinge, die bei uns brachliegen", vorantreiben: "Zum Beispiel haben wir im Moment keine Zeit für Lobbyarbeit in der Politik, für die Kontaktpflege mit großen Firmen und Verbänden."

Zufrieden äußerten sich beide über die Arbeit von Trainer Klinsmann. Dessen große Stärke sei die Kommunikation, sagte Hoeneß: "Als Bundestrainer kam er vielleicht eher stur rüber, ich ahnte gar nicht, dass er sich andere Meinungen anhört und von guten Argumenten überzeugen lässt."

Für die am kommenden Wochenende beginnende Rückrunde der Bundesliga und den Kampf um die deutsche Meisterschaft sehen Hoeneß und Rummenigge die Bayern gut gerüstet, bezeichneten Überraschungs-Herbstmeister 1899 Hoffenheim trotz dessen Verletzungssorgen und des Understatements von Trainer Ralf Rangnick als großen Herausforderer.

1899 tut Bayern gut

"Natürlich wollen die Meister werden", sagte Rummenigge: "Ich bin überzeugt, dass sich die Hoffenheimer oben etablieren und ein dauerhafter Konkurrent von uns bleiben werden."

Hoeneß meinte: "Die Hoffenheimer sind gut für Bayern München, weil sie mit unglaublichem Engagement und vielen Ideen an die Dinge herangehen. Das ist erfrischend und fordert uns heraus."

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