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Sammer (r.) erzielte als Bundesligaspieler in 178 Partien 41 Tore © getty

Vieles war im Trainingslager ganz nach Bayern-Geschmack, doch der Rekordmeister entdeckt auch Defizite. SPORT1 zieht eine Bilanz.

Vom Bayern-Trainingslager berichtet Mathias Frohnapfel

Riva del Garda/München - Als der Bayern-Tross am Freitagabend im Flieger aus Verona Richtung Heimat schwebte, öffnete der Himmel über dem Gardasee die Schleusen.

Wie am Tag der Ankunft des deutschen Rekordmeisters am vergangenen Wochenende tobte sich ein Gewitter im Trentino aus.

Ein passendes Bild: Denn das insgesamt so positive Fazit des Trainingslagers wurde am Ende erheblich getrübt.

Weniger durch die 2:3-Niederlage im ersten echten Test gegen den SSC Neapel, sondern durch die Hiobsbotschaften am Tag danach:

Lange Pausen für Alaba und Rafinha

Da gab der FCB die langfristigen Ausfälle von David Alaba und Rafinha bekannt: Der Österreicher erlitt gegen die Italiener einen Ermüdungsbruch im linken Fuß zu und muss bis zu zwei Monate pausieren (587092DIASHOW: Bilder aus dem Trainingslager).

Der Brasilianer, der umknickte und sich einen einfachen Bänderriss im Sprunggelenk zuzog, muss vier bis fünf Wochen zuschauen.

Damit ist Heynckes? Wunschformation in der Viererkette für den Saisonstart bereits hinfällig.

SPORT1 zieht ein Fazit des Bayern-Trainingslagers.

Aussagekraft der Testspiele

Die Münchner besiegten eine Trentino-Auswahl 11:0, kassierten aber gegen den italienischen Pokalsieger Napoli eine Pleite.

Doch obwohl die deutschen Nationalspieler fehlten, zeigten sich die Bayern viel passsicherer als noch beim Trainingsauftakt an der Säbener Straße.

Dabei gefiel vor allem Xherdan Shaqiri als schneller Dribbler, während Keeper Tom Starke durch einige Glanztaten gegen Neapel das Publikum kräftig raunen ließ.

Zudem imponierte Talent Kevin Friesenbichler mit einem Hattrick gegen die Trentino-Auswahl. Heynckes versprach, den jungen Österreicher im Blick zu behalten.

[kaltura id="0_zwieyvd4" class="full_size" title="Alaba fehlt beim Saisonstart"]

Integration der neuen Spieler

Unkompliziert und offen, das ist der erste Eindruck, den die Bayern-Zugänge Claudio Pizarro, Xherdan Shaqiri, Mario Mandzukic, Dante, Mitchell Weiser und Lukas Raeder vermittelten.

Auch bei den Mitspielern kommen sie gut an, Diego Contento nannte die Kollegen "menschlich und charakterlich top".

Und Co-Trainer Peter Hermann sagte im Gespräch mit SPORT1: "Shaqiri ist schon sehr gut drin, auch Mandzukic ist sehr gut aufgenommen worden und Pizarro ist eh ein alter Bekannter."

Verfassung von Superstar Robben

Am Mittwoch fiel Arjen Robben mit einem Verband am Fuß auf, allerdings hatte ihn nur eine Blase geärgert.

Ansonsten präsentierte sich der Niederländer bestens erholt von der letzten Frust-Saison und in den Testspielen extrem spielfreudig.

Gegen die Trentino-Auswahl traf er gleich dreifach, gegen Napoli brachte er auf der rechten Seite wie gewohnt seine Gegenspieler in Bedrängnis.

Der Schock des verschossenen Elfmeters im verlorenen Champions-League-Finale gegen Chelsea scheint verdaut.

"Das ist abgehakt. Es kann nur besser werden", berichtete Robben selbstbewusst, sagte aber zu der Kritik in der Vorsaison auch:

"Ich bin nicht dumm und ich vergesse nicht so schnell."

Zusammenarbeit zwischen Sammer und Heynckes

Keine einzige Trainingseinheit schwänzte Matthias Sammer als Beobachter, immer wieder sah man den neuen Sportchef danach mit Jupp Heynckes die Köpfe zusammenstecken.

"Das Verhältnis ist exzellent, überragend. Es macht mir viel Freude", meinte Sammer zur Arbeit mit Heynckes.

Der lobte den neuen Mann an seiner Seite ebenso als ?Vollprofi?, gab aber bei seiner Wutrede am Freitag klar zu verstehen, dass sich der 44-Jährige bitte genau an seinen Kompetenzbereich halten solle.

Auch als Heynckes verkündete, dass Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm nicht mit auf die Chinareise gehen werden, zeigte er klar, wo sein Hoheitsgebiet als Trainer anfängt.

Trainingsintensität und -erkenntnisse

Angreifer Mario Mandzukic hatte zwischendurch gescherzt, nach dem Training frage er stets: "Was kommt jetzt noch?"

Die Einheiten der Münchner waren offenbar nicht so kraftraubend, wie es Mandzukic aus seiner Zeit unter Felix Magath in Wolfsburg kennt.

"Die Grundlagen für die Ausdauer", wie es Co-Trainer Peter Hermann nennt, sollten dennoch gelegt sein.

Zudem zeigte sich vor allem Mandzukic unheimlich engagiert im Training und bei Kopfball-Übungen mit enormer Präsenz.

Mit ihm sowie den anderen Neuzugängen Pizarro und Dante dürften die Münchner künftig mit ihm bei Standards gefährlicher sein.

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