Bewegender Abschied für das "Tor-Phantom"
Aus Nürnberg berichtet Reinhard Franke
Nürnberg - Es dauerte lange, bis Marek Mintal endlich frisch geduscht vor die Journalisten trat.
Kein Wunder, das "Phantom" musste sich zuvor noch auf einigen Ehrenrunden von den Fans feiern lassen.
Es war das Ende einer Ära, als der Slowake am Samstag bei seinem Abschiedsspiel gegen Borussia Dortmund ein letztes Mal in der Mannschaft von Club-Trainer Dieter Hecking stand.
Mintal beendet seine Profi-Karriere, wird künftig nur noch für die zweite Nürnberger Mannschaft spielen.
Der Sieg gegen den Deutschen Meister und Pokalsieger geriet fast zur Nebensache.
Der 1. FC Nürnberg gewann gegen den BVB mit 4:2 und Mintal krönte mit seinem 2:1 per Strafstoß eine rauschende Gala.
Tag der großen Emotionen
Schon vor dem Spiel wurde Mintal geehrt. Freunde und ehemalige Weggefährten standen für ihn Spalier.
Unter ihnen der frühere Club-Trainer Michael Oenning, FCN-Ehrenpräsident Michael A. Roth und Nürnbergs Ex-Kapitän Andreas Wolf. Es war der Tag der großen Emotionen.
Kinder hielten sieben große Plakate hoch mit Fotos aus jeder Saison von Mintal und auch während des Spiels wurden auf den Anzeigetafeln Bilder des Club-Idols mit den Fans gezeigt.
"Ein Traum"
"In den letzten Tagen hatte ich ein ganz komisches Gefühl, weil ich wusste, dass etwas zu Ende geht und das war nicht einfach. Aber jetzt muss ich sagen es war phantastisch. Ein Traum", sagte Mintal zu SPORT1.
"Es war so eine tolle Atmosphäre, die Fans haben mir einen überragenden Abschied geschenkt. Es war ein guter Gegner, 4:2 gewonnen. Ich denke es gibt keinen besseren Abschied. Und ich schieße in meinem letzten Spiel auch noch ein Tor - super."
Hat er auch eine Träne verdrückt?
"Ein Auge hat gelacht, das andere geweint. Aber die Zeit ist einfach gekommen, dass ich mit der Profikarriere aufhöre. Den heutigen Tag werde ich niemals in meinem Leben vergessen. Es war einfach überragend", so Mintal.
Bauchentscheidung für den Club
Im Sommer 2003 kam der 25-Jährige vom slowakischen Traditionsverein MSK Zilina und wurde beim Club schnell zum Publikumsliebling und "Tor-Phantom".
In acht Spielzeiten durchlebte er alle Höhen und Tiefen als Profi.
Er habe sich damals aus dem Bauch heraus "sofort" für den Club entschieden, so Mintal. Und er betonte auch am Samstag, dass "es eine Ehre ist, für diesen Verein Fußball zu spielen".
Er blickte aber auch schon voraus: "Bei der U 23 freue ich mich auf meine neue Aufgabe, ich will den Jungen auf ihrem Weg zum Profi helfen und meine Erfahrung einbringen."
Gündogan dankt dem "Ersatz-Papa"
Seine ehemaligen Kollegen werden ihn vermissen. Dortmunds Ilkay Gündogan beendete für Mintal extra einen Tag früher seinen EM-Urlaub.
"Ich bin in Nürnberg Profi geworden, habe mich damals an Marek orientiert. Er war so was wie ein 'Ersatz-Papa'. Er hat das phantastisch gemacht, hat mich gut gesteuert und mir richtig viele Tipps gegeben", sagte Gündogan.
"Marek war mir immer eine Stütze an meiner Seite und war der Grund dafür, dass ich in Nürnberg gut Fuß gefasst und mich wohl gefühlt habe. Ich bin ihm für alles sehr dankbar."
Hecking: "Toller Nachmittag"
"Es war alles dabei. Ein sehr gutes Spiel vor einer großen Zuschauerkulisse und natürlich das Tor von Marek. Der Elfmeter von Marek war nicht abgesprochen", erklärte Hecking:
Und scherzend fügte der FCN-Coach hinzu: "Was sollen wir jetzt noch im Trainingslager? Wir haben den Meister geschlagen."
Klopp "stinkt" die Niederlage
Ganz anders die Situation beim geschlagenen Double-Sieger. "Das 2:4 stinkt mir", gab Trainer Jürgen Klopp offen zu.
Immerhin war es bereits die zweite Niederlage der Vorbereitung nach dem 1:3 beim FC Brügge, nachdem der Meister zuvor im gesamten Jahr noch unbesiegt gewesen war.
"Meine Mannschaft hat ohne den letzten Punch gespielt", monierte Klopp, dem im zweiten Trainingslager ab Sonntag im schweizerischen Bad Ragaz noch einige Arbeit bleibt.
Riesenlob für den "Super-Typ"
So unzufrieden der Meistercoach mit der Leistung seiner Elf war, so positiv sprach er über den Mann des Tages.
"Ein Schlitzohr verlässt die Fußball-Bühne. Er war jemand, der einen Landesliga-Körper hat und damit Weltklasse spielt", lobte Klopp.
"Mehr Näschen geht nicht, er ist der beste Volleyspieler, den ich kenne. Er ist nicht wahnsinnig schnell, nicht wahnsinnig groß, aber am Ende hat er die Dinger reingeschossen. Er ist ein Super-Typ."


