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Lars Bender (l.) spielte bis 2011 in Leverkusen unter Jupp Heynckes © imago

Bayer-Boss Holzhäuser ist sauer über das Buhlen um den Nationalspieler, was zeigt: Der FCB will sich im Mittelfeld verstärken.

Von Martin Volkmar und Christian Ortlepp

München - Echter Ärger oder nur ein Bluff?

Wolfgang Holzhäusers harsche Reaktion auf das Werben des FC Bayern um Lars Bender wirft Fragen auf.

"Ich will keinen Ärger mit den Bayern, aber ich bin verärgert und sehr verwundert, dass Jupp Heynckes das Thema Bender indirekt öffentlich gemacht hat", ärgerte sich Bayer Leverkusens Geschäftsführer in der "Bild".

Bayern-Sportdirektor Matthias Sammer reagierte im Gespräch mit SPORT1 vor dem Abflug zur China-Reise des Rekordmeisters gelassen.

"Das war ja harmlos", sagte Sammer in Reaktion auf Holzhäuser und spielte das Thema Bender herunter: "Das war vorher gar nix und ist jetzt gar nix."

"Letzte Woche Anfrage des FC Bayern"

Holzhäuser hatte allerdings den Wunsch der Münchner, den Nationalspieler zu verpflichten, bestätigt:

"Wir haben letzte Woche eine Anfrage des FC Bayern bekommen. Aber ich habe direkt gesagt, dass wir ihn nicht abgeben werden."

Das klingt trotz eines vermuteten Angebots von um die 15 Millionen Euro glaubwürdig, schließlich sagte Bayer schon dem FC Chelsea trotz der Mega-Offerte für Andre Schürrle von 25 Millionen Euro ab.

Erinnerungen an Vidal

Offenkundig sind die Leverkusener nicht zwingend auf solche Einnahmen angewiesen und sie wollen auch Ligarivale Bayern nicht stärken - was sie schon im Vorjahr beim anhaltenden Buhlen des FCB um Arturo Vidal zeigten.

Am Ende bekam Jupp Heynckes seinen Wunschspieler nicht, der stattdessen für eine Ablöse von rund 10,5 Millionen Euro zu Juventus Turin ging und dort auf Anhieb italienischer Meister wurde.

Erst im Frühjahr bis 2017 verlängert

Bayer sitzt auch bei Bender am längeren Hebel, denn der 23-Jährige hatte erst im Frühjahr bei den Rheinländern bis 2017 verlängert.

Dennoch scheint Holzhäuser Sorgen zu haben, dass die Avancen aus der Heimat den gebürtigen Oberbayern und ehemaligen 1860-Profi schwach machen könnten.

"Wir haben mit den Bayern vereinbart, das Thema nicht öffentlich zu machen. Und dass der Spieler nicht angesprochen wird", erklärte der Bayer-Boss seinen Unmut.

[kaltura id="0_88ud4bih" class="full_size" title="Bayerns Nationalspieler beim Laktat Test"]

Heynckes? Lobeshymnen

Deshalb kann er die Lobeshymnen von Heynckes nicht nachvollziehen. "Lars ist ein super Junge", hatte der einstige Leverkusener Trainer gesagt und ihn als möglichen Neuzugang nicht ausgeschlossen:

"Vorausschauend habe ich Lars Bender bei der EM schon eine SMS geschrieben, als er das Tor gegen Dänemark gemacht hat: 'Prima Leistung. Guter Einstand. Glückwunsch.' Vielleicht trägt das ja Früchte."

Holzhäusers ätzende Replik: "Ich bin erstaunt, dass Jupp Heynckes plötzlich SMS schreiben kann."

Auch Kontakt zu Bilbao wegen Martinez

Die Wahrheit hinter dem Wortgeplänkel: Heynckes beteiligt sich aktiv an der Suche nach einem weiteren Top-Neuzugang, offensichtlich wollen die Bayern unbedingt noch einen Nebenmann für Bastian Schweinsteiger im defensiven Mittelfeldspieler verpflichten (587092DIASHOW: Bilder aus dem Trainingslager).

So hat der ehemalige Coach von Athletic Bilbao wegen eines Wechsels des spanischen Nationalspielers Javi Martinez schon mit dessen Spielerberater und dem Präsidenten des baskischen Klubs gesprochen.

Doch bislang gelang es den Münchnern nicht, die festgeschriebene Ablösesumme von 40 Millionen Euro für Martinez herunterzuhandeln auf dessen laut Heynckes tatsächlichen Marktwert von 20 bis 22 Millionen Euro.

Die Aussage zeigt aber auch, welche Summe der FC Bayern wohl auszugeben bereit wäre für einen Top-Neuzugang auf der Sechser-Position.

Bender passt wie die Faust aufs Auge

Möglich, dass Leverkusen bei einer Erhöhung des Münchner Angebots einknickt, zumal Lars Bender wie die Faust aufs Auge zum Rekordmeister passen würde:

Jung, dynamisch, kämpferisch, technisch und charakterlich stark, heimatverbunden und mit dem zuletzt so schmerzlich vermissten Siegergen ausgestattet - weshalb der neue Sportchef Matthias Sammer schon seit Jahren von beiden Bender-Zwillingen in höchsten Tönen schwärmt.

Sollten sowohl Bender als auch Martinez nicht zu holen sein, könnte Bayerns Suche bei einem alten Bekannten enden: Dem Ex-Hamburger Nigel de Jong, der für die Rolle des von Uli Hoeneß zuletzt so schmerzlich vermissten "Drecksacks" prädestiniert wäre.

De Jongs Besuch in München

Vergangene Woche weilte der niederländische Nationalspieler bereits in München, ob beruflich oder privat ist nicht bekannt.

Dagegen gilt es als gesichert, dass sich der 27-Jährige bei Manchester City nicht mehr wohl fühlt.

In der Schlussphase der Meisterschaft war de Jong beim englischen Meister nur noch zweite Wahl, danach berichteten Medien auf der Insel bereits über ein Interesse des FC Bayern und von Inter Mailand. Die Ablöse soll angeblich bei rund 10 Millionen Euro liegen.

"Wir suchen die letzten Prozente und die suche ich fleißig mit", sagte Sammer am Samstag im "ZDF". Die Suche nach einem neuen Super-Sechser scheint dazuzugehören.

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