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Club-Neuling Timo Gebhart (r.) im Gespräch mit SPORT1-Reporter Reinhard Franke © SPORT1

Timo Gebhart spricht bei SPORT1 über den Club, sein trauriges Ende in Stuttgart und ist von seinem Ex-Trainer enttäuscht.

Von Reinhard Franke

Nürnberg - Zwei Spiele machte Timo Gebhart in der gesamten Vorsaison in der Startelf für den VfB Stuttgart, zehnmal wurde er eingewechselt.

Eine enttäuschende Bilanz für einen Spieler mit seinem Anspruch.

Denn 2008 wurde er zusammen mit Lars und Sven Bender U19-Europameister, wechselte 2009 von 1860 München zum VfB Stuttgart.

Und sein Start im Schwabenland war stark, Gebhart war auf einen Stammplatz abonniert.

Doch in den letzten anderthalb Jahren wurde er zurückgeworfen - auch aufgrund von Verletzungen.

Als "einen Neuanfang" interpretiert nicht nur Nürnbergs Sportvorstand Martin Bader den Wechsel Gebharts zum FCN.

Gehart erwartet sich ebenfalls viel von seinem Engagement im Frankenland.

Im SPORT1-Interview spricht der 23-Jährige über die Zeit in Stuttgart, die Zusammenarbeit mit Trainer Bruno Labbadia und die Nürnberger Fans.

SPORT1: Herr Gebhart, wie haben Sie sich beim Club eingelebt?

Timo Gebhart: Super. Ich bin toll aufgenommen worden, habe eine schöne Wohnung in der Stadt gefunden und habe hier von Anfang an das Vertrauen gespürt. Wichtig sind für mich der Trainer und das Umfeld. Mit dem Club identifiziere ich mich am besten. Wenn ich das hundertprozentige Vertrauen habe, dann muss ich auch nicht lange pokern und überlegen, auch wenn es andere Interessenten gab.

SPORT1: Wen denn?

Gebhart: Memmingen (sein Heimatverein, Anm. d. Red.) . Nein, Spaß beiseite, es waren noch andere Erstligisten an mir dran. Aber ich wollte das mit Nürnberg zu 100 Prozent und bin hier super angekommen. Bisher ist alles top.

SPORT1: War der VfB am Ende für Sie die Sackgasse in Ihrer Karriere, wo sie unbedingt raus mussten?

Gebhart: Ich hatte beim VfB zweieinhalb Jahre eine tolle Zeit. Ich war eigentlich immer Stammspieler. Doch im letzten Jahr hatte ich eine blöde Verletzung (Bänderriss, Anm. d. Red.), die ich aber auch nur bekam, weil ich angeschlagen weiter gespielt habe. Nach der Operation habe ich keine Chance mehr bekommen, egal, wie fit ich war oder wie ich gespielt habe.

SPORT1: Woran hat es gelegen?

Gebhart: Bruno Labbadia hat nicht mehr auf mich gesetzt. Ich glaube, dass auch Außenstehende gemerkt, dass ich nicht unbedingt sein Spielertyp war. Aber es ist okay. Ich versuche jetzt wieder aufzustehen.

SPORT1: Gab es mal ein klärendes Gespräch mit Labbadia?

Gebhart: Am Anfang gab es schon Gespräche, aber am Ende war dann Funkstille. Da wusste man auch selber, dass das nicht mehr funktioniert.

SPORT1: Sie klingen sehr enttäuscht.

Gebhart: Natürlich bin ich enttäuscht, ich müsste lügen, wenn ich nein sagen würde. Man ist natürlich auch sauer und fragt nach dem Warum. In dem Jahr, wo wir gegen den Abstieg gespielt haben, war alles noch in Ordnung. Aber so ist es im Fußball.

SPORT1: Blicken Sie im Zorn zurück?

Gebhart: Nein. Insgesamt hatte ich in Stuttgart eine super Zeit. Die Fans haben mich gemocht und ich die Fans auch. Die haben mich auch super verabschiedet. Für mich war es schwer zu gehen, gerade wegen so geilen Fans. Aber auch beim Club gibt es brutale Fans, im positiven Sinn. Das war auch ein Grund, dass ich zum Club gegangen bin. Die Fans gehören einfach dazu.

SPORT1: Ein Grund für Ihren Wechsel war sicher auch Trainer Dieter Hecking, oder?

Gebhart: Er war das A und O für meine Entscheidung. Wenn er etwas sagt, das nimmt man sofort auf. Es gibt Leute, da willst du das aufnehmen, was die sagen, aber es geht nicht. Bei ihm hat jedes Wort einen positiven Hintergrund. Der weiß, wie man mit jungen Spielern umgehen muss.

SPORT1: Ist der Club also ein richtiger Neuanfang?

Gebhart: Auf jeden Fall. Ich habe in meinen jungen Jahren schon einiges erlebt - Positives wie auch Negatives. Es musste etwas ganz Neues her. Beim Club spüre ich wieder Vertrauen. Ich will mein Selbstvertrauen zurückgewinnen.

SPORT1: Sie wurden 2008 mit den Bender-Zwillingen U19-Europameister, spielten mit Lars und Sven zusammen bei 1860 München. Die Beiden sind heute Nationalspieler. Blicken Sie da etwas neidisch zu denen?

Gebhart: Überhaupt nicht. Ich freue mich richtig für die. Aber auch bei jedem anderen, der da spielt, weil dann hat man es auch verdient. Die Benders sind Freunde von mir und ich bin bei dem Tor vom Lars bei der EM aufgesprungen und habe so gejubelt. Ich gönne es jedem, der dabei ist. Mein Traum ist es, irgendwann auch dahin zu kommen, ich habe schließlich auch alle Nationalteams erfolgreich durchgespielt. Jetzt muss ich wieder Gas geben.

SPORT1: Was ist für den Club drin?

Gebhart: Ich schaue nur von Spiel zu Spiel.

SPORT1: Der Lieblingsspruch eines jeden Fußballers.

Gebhart: (lacht) Nein, es ist wirklich so. Ich will keine großen Töne spucken und sagen: "Hey, passt auf ich schieße jetzt zehn Tore". Wenn ich es nicht schaffe, dann habe ich mir ja selber ins Knie geschossen. Ich spiele einfach drauflos und die Jungs auch. Man muss die ersten Spiele abwarten. Der Club hat sich in den letzten zwei Jahren sehr weiterentwickelt, die Truppe hat viel Qualität. Die Fans können sich auf uns freuen.

SPORT1: Was sind Ihre Ziele mit dem Club?

Gebhart: Ich will einfach so viel wie möglich spielen und Spaß dabei haben. Ich habe für vier Jahre unterschrieben, habe Einiges vor und will mit dem Club natürlich erfolgreich sein.

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