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SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) besuchte Markus Babbel im Kraichgau © getty

Markus Babbel spricht bei SPORT1 über die Ziele mit Hoffenheim, Tim Wiese, seinen Stil - und den möglichen Trainerjob bei Bayern.

Von Reinhard Franke

Sinsheim - Er wirkt rundum zufrieden.

Kein Wunder, das Kapitel Hertha BSC ist für Markus Babbel lange abgehakt.

Der 39-Jährige blickt zuversichtlich nach vorne und hat sich mit 1899 Hoffenheim neue, hohe Ziele gesteckt. Der Trainer will mit den Kraichgauern ins internationale Geschäft. Mittelmaß ist nicht sein Ding.

Dafür hat sich Babbel einen durchaus attraktiven Kader zusammengestellt. Neben einigen Hochkarätern bekam er mit Nationalkeeper Tim Wiese seinen Wunschspieler.

Unerwünscht ist dagegen Stürmer Ryan Babel, den der Coach zu den Amateuren schickte.

Im SPORT1-Interview spricht Babbel über das "neue" Hoffenheim, Wiese, seinen Stil, Tattoos - und die Spekulationen um eine Nachfolge von Jupp Heynckes beim FC Bayern.

SPORT1: Herr Babbel, am Ortseingang von Hoffenheim hängt ein Schild "Wir sind bereit. Du auch?" Wozu sind Sie bereit?

Markus Babbel: Zum einen, dass wir uns auf die neue Saison freuen und vor allem, dass wir versuchen wollen, guten und erfolgreichen Fußball zu spielen. Wir wollen es schaffen, nach Europa zu kommen.

SPORT1: Die Euphorie ist groß. Was haben Sie gemacht?

Babbel: Ich habe den Spielern die Möglichkeiten bei Hoffenheim aufgezeigt. Wir haben ein Trainingsgelände, das mit Sicherheit zu den Top 5 in Europa zählt. Es kann nicht sein, dass wir damit sportlich hinterherhinken. Nur mit großen Worten werden wir das nicht schaffen, sondern wir müssen knallhart arbeiten. Ich will Aufbruchstimmung erzeugen.

SPORT1: Dank der Zugänge ist das bisher gelungen. Tim Wiese, Eren Derdiyok, Takashi Usami, Kevin Volland, Matthieu Delpierre machen Sie glücklich, oder?

Babbel: Und ob! Ich bin über jeden einzelnen Transfer sehr glücklich. Sie bringen uns qualitativ weiter. Die Frage ist, ob sie die Qualität schnell rüberbringen können oder noch Zeit brauchen. Ich habe aber ein gutes Gefühl bei den Neuen und denke, dass sie sich schnell zurechtgefunden haben.

SPORT1: Vor allem Wiese war Ihr Wunschspieler.

Babbel: Ich habe eine unglaublich hohe Meinung von ihm. Er ist ein Spieler aus der alten Generation und ich hoffe, die er die Qualität, die er einfach hat, abruft und durch seine Erfahrung die Jungs mitreißt, unsere Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Auch durch die Europameisterschaft hat Tim nochmal Erfahrung dazu gesammelt.

SPORT1: Haben Sie jetzt über Ihren neuen Kapitän gesprochen?

Babbel: Natürlich ist Tim ein Kandidat, weil er die Grundvoraussetzungen mitbringt. Er ist ein Spieler, den man hört und der etwas darstellt. Unsere jungen Spieler können sich an Tim anlehnen, aber auch an Matthieu Delpierre, der erfahren ist und lange auf sehr hohem Niveau gespielt hat. Natürlich sind diese Jungs für mich sehr wichtig.

SPORT1: Sicher auch Eren Derdiyok und Kevin Volland, oder?

Babbel: Kevin bringt alles mit. Er ist ein Spielertyp, der unglaublich mannschaftsdienlich und fleißig ist und zuhört. Er hat eine hohe Physis und ist technisch sehr beschlagen. So einen Spieler wünscht man sich und ich bin total überzeugt von ihm. Auch Eren bringt alle Voraussetzungen mit. Wenn der im Lauf ist, bin ich gespannt, wie die Gegner ihn aufhalten wollen.

SPORT1: Ihr Vorgänger Holger Stanislawski hat Kritik an Hoffenheims Bossen geübt, weil Sie groß einkaufen durften, bei ihm aber gespart worden sei.

Babbel: Dass er aus seiner Sicht etwas klar stellen will, finde ich legitim. Ich kann aber mit Recht behaupten, dass ich nicht mit Geld um mich geschmissen habe. Wiese, Schröck (Stefan Schröck, Anm. d. Red.) und Delpierre kamen ablösefrei und ein Usami kam mit einer geringen Leihgebühr. Eins darf man nicht vergessen: Ich habe fünf Jahre im Schwabenland gearbeitet und da achtet man auf das Geld. (schmunzelt)

SPORT1: Es ist Ihre erste Vorbereitung mit Hoffenheim. Sind Sie der Schlüssel zum Erfolg?

Babbel: Ich will mich da nicht herausheben. Ich sehe mich auch als Teil der Mannschaft. Ich habe es selber erlebt, habe in Vereinen gespielt, wo man etwas gewinnen kann und weiß wie wichtig es ist, am Ende die gesteckten Ziele zu erreichen. Egal, ob bei Bayern oder in Liverpool - es war immer extrem harte Arbeit. Ich will meine Jungs überzeugen, dass es sich lohnt Stehvermögen zu beweisen.

SPORT1: Sie gehören zur neuen Trainergeneration. Was macht Sie aus?

Babbel: Ich bin kein alter Trainer und habe die ganz Alten noch erlebt wie Klaus Augenthaler oder Hans Pflügler. Das war ein ganz anderes Holz. Aber auch einen Stefan Effenberg, Oliver Kahn, Jens Lehmann oder Trainergrößen wie Ottmar Hitzfeld, Giovanni Trapattoni oder Otto Rehhagel. Ich versuche für mich das rauszuziehen, was mir persönlich bei allen gefallen hat. Bei mir ist der Medizinball genauso angesagt wie die Lichtschranke. Ich habe einen guten Mix aus alt und neu. Ich mache nichts, von dem ich nicht überzeugt bin.

SPORT1: Tim Wiese nennt Sie einen "coolen Typen", der Spaß rein bringt. Andere reden von "Babbel'scher Konditionsbolzerei". Worüber freuen Sie sich mehr?

Babbel: Über nette Zeilen freut man sich natürlich immer. (lacht) Ich habe auch schon in Stuttgart und in Berlin hart trainiert, weil es einfach wichtig ist. Im Vergleich zu meiner Zeit damals ist der Sport einfach physischer, schneller und laufintensiver geworden. Ich will die Jungs nicht ärgern, aber man muss manchmal über seine Grenzen gehen. Nur so erreichen wir unsere Ziele.

SPORT1: Es gibt Stimmen, die Sie bei einer erfolgreichen Saison mit Hoffenheim gerne 2013 als Nachfolger von Jupp Heynckes in München sehen würden. Wie sind Ihre Gedanken dahingehend?

Babbel: Wenn ich eins im Fußball gelernt habe, dann nicht über die nächste Woche hinaus zu planen. Ich fühle mich in Hoffenheim total wohl und habe den Traum, mit dem Klub in die Europa League zu kommen. Natürlich habe ich 16 Jahre bei den Bayern gespielt und der Verein steht mir sehr nah. Wenn ich es schaffe, zum FC Bayern zu kommen, dann weiß ich, dass ich beim Verein davor gute Arbeit gemacht habe.

SPORT1: Bei Wiese werden die Tattoos mit jeder Saison mehr, wie ist das bei Ihnen? Sie tragen die Logos Ihrer Ex-Vereine unter der Haut. Wann kommt das Hoffenheim-Tattoo?

Babbel: Das ist fest eingeplant, das ist ja ein schönes Wappen. Ich hatte bisher nur nicht die Zeit. Mir haben Tattoos schon als Kind gefallen, habe mir mit 30 mein erstes stechen lassen. Jedes Motiv habe ich mir gut überlegt. Im Nachhinein sage ich mir "Du Vollidiot, das tut saumäßig weh", aber danach bin ich immer sehr stolz.

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