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Calvente absolvierte für Betis und Sabadell 46 Spiele in der Segunda Division in Spanien © imago

Gerhard Poschner erklärt bei SPORT1, warum Deutschland für Spieler aus dem Land des Europameisters eine Option geworden ist.

Von Christian Stüwe und Reinhard Franke

München - Am Freitag präsentierte der SC Freiburg den Neuzugang Ezequiel Calvente.

Die Breisgauer leihen den 21 Jahre alten Mittelfeldspieler für ein Jahr von Betis Sevilla aus.

Soweit nichts Besonderes. Und doch ist der Transfer bemerkenswert, waren doch Spanier bis vor gar nicht allzu langer Zeit in der Bundesliga noch Exoten.

Doch mittlerweile befindet sich Calvente in bester Gesellschaft. Gladbach holte Alvaro Dominguez von Atletico Madrid, Leverkusen Daniel Carvajal aus der zweiten Mannschaft von Real Madrid.

Bayer an Arzo interessiert

Zudem soll Bayer an Cear Arzo vom belgischen Erstligisten KAA Gent interessiert sein.

Der Mittelfeldspieler stammt aus der Jugend des FC Villarreal, für den er in der Saison 2005/06 drei Spiele in der Champions League absolvierte.

Joselu wohl zu teuer für Hoffenheim

Carvajals früherer Teamkollege Joselu stand vor einem Wechsel zu 1899 Hoffenheim, doch vorerst wird nichts aus dem Transfer.

"Das Thema hat sich jetzt erstmal erledigt", sagte Trainer Markus Babbel im Trainingslager in Österreich. Madrid fordert zehn Millionen Euro als Ablöse, Hoffenheim will nicht mehr als fünf Millionen zahlen.

Jung und entwicklungsfähig

"Wir sind zwar nach wie vor interessiert, aber bei diesen Forderungen machen wir nicht mit. Wenn Real mit weniger zufrieden ist, dann können sie gerne bei uns anrufen", sagte der Coach.

Von der Qualität des Spaniers ist er in jedem Fall überzeugt: "Joselu wäre für uns eine absolute Verstärkung, würde uns in der Offensive noch mehr Qualität verleihen. Gleichzeitig ist er jung und entwicklungsfähig", sagte Babbel zu SPORT1.

"Sie müssen raus aus Spanien"

Der Spanien-Boom in der Bundesliga habe verschiedene Gründe, erklärt Gerhard Poschner im Gespräch mit SPORT1.

"Früher wollten die Spanier nicht aus ihrem Land raus, weil es ihnen dort auch ganz gut ging", sagt Poschner: "Mittlerweile haben sie sich ein bisschen geöffnet. Sie müssen auch raus aus Spanien, weil die wirtschaftliche Situation schlecht ist."

[kaltura id="0_8r90ld8a" class="full_size" title="Schalke gibt Vollgas"]

Vereine "finanziell zerstört"

Während Real Madrid und der FC Barcelona weiter in der Lage sind, hohe Ablösesummen und Gehälter zu zahlen, sind viele andere Klubs überschuldet (492198DIASHOW: Bundesliga-Transfermarkt).

Im vergangenen Jahr hatte sich der Saisonstart der Primera Division verzögert, da die Spieler wegen ausgebliebener Gehaltszahlungen streikten.

Land tief in der Schuldenkrise

Mittlerweile steckt das ganze Land tief in der Schuldenkrise, die Situation im Fußball hat sich nicht verbessert.

"Viele spanische Vereine sind finanziell zerstört, am Boden", sagt Poschner, der von 1999 bis 2001 bei Rayo Vallecano spielte und bei Real Saragossa zwischen 2009 und 2010 als Generaldirektor tätig war.

"Ich behaupte mal, dass von den spanischen Vereinen in Deutschland nur eine Handvoll eine Lizenz bekommen würde", sagt der Spanien-Experte, der zwischen 1987 und 1998 in der Bundesliga für den VfB Stuttgart und Borussia Dortmund auflief.

"Freiburg für junge Spieler ein Paradies"

Dementsprechend verwundert es Poschner nicht, dass sich ein spanischer Junioren-Nationalspieler wie Calvente für ein Engagement im Breisgau entscheidet.

"Für Ezequiel gibt es eigentlich fast kein besseres Pflaster als Freiburg", sagt der 42 Jahre alte frühere Mittelfeldspieler: "Für junge Spieler ist Freiburg ein Paradies, um sich weiter zu entwickeln und die Grundlagen für die weitere Karriere zu schaffen, wo auch immer."

Calvente selber sprach in der "Badischen Zeitung" von einer "großen Herausforderung".

Er wird nun versuchen, möglichst schnell die deutsche Sprache zu lernen, um sich in das Team von Trainer Christian Streich integrieren zu können.

Viele Legionäre in England und Deutschland

Dazu waren Spanier früher nur bedingt bereit. Als Pep Guardiola 2001 aus Barcelona nach Italien zu Brescia Calcio wechselte, war er einer der ersten spanischen Topstars, der sein Glück im Ausland suchte.

Mittlerweile sind viele Spanier Legionäre, spielen in der Premier League oder eben in der Bundesliga.

"Sie öffnen sich auch ein bisschen kulturell, was früher nicht der Fall war", sagt Poschner: "Früher war Deutschland gleichzusetzen mit dem Nordpol. Mittlerweile haben sie gemerkt, dass es nicht ganz so schlimm ist."

Die vollen Stadien und die gute Organisation in Deutschland würden dabei helfen, die Spieler nach Deutschland zu locken.

Und auch die Bundesligisten würden "langsam, aber sicher" den Spielermarkt in Spanien besser beobachten.

Raul als Vorbild

Nicht zu unterschätzen sind allerdings auch die Verdienste einer spanischen Fußball-Ikone, die vor zwei Jahren zum FC Schalke wechselte.

Raul lenkte den Blick seiner Landsleute auf die Bundesliga und ebnete den Weg für seine Nachfolger.

"Schon als Raul zu Schalke gekommen ist, habe ich darauf hingewiesen, dass das eine Signalwirkung haben kann", sagt Poschner: "Das hat sich bestätigt."

Und so hat der "Senor" seinen Anteil daran, dass der Nordpol Bundesliga für seine Erben bewohnbarer geworden ist.

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