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Christian Nerlinger (r.) war von 2009 bis 2012 sportlicher Leiter der Bayern © getty

Der Bayern-Präsident fordert eine Abkehr von der "mia san mia"-Mentalität. Nerlinger hätte auch mit dem CL-Titel gehen müssen.

Von Marc-Oliver Robbers

München - Nach der China-Reise des FC Bayern war Uli Hoeneß beeindruckt.

"Total verrückt. Ich war unheimlich überrascht und begeistert von dem großen Kenntnisstand, den die Leute hier haben. Über unsere Mannschaft und den ganzen Verein", sagte der FCB-Präsident im Interview mit der "tz".

Sportlich und wirtschaftlich war die Reise ein voller Erfolg.

"Wir haben gut Geld verdient und in beiden Spielen gezeigt, dass der Kader in der Breite wesentlich besser geworden ist als im letzten Jahr." (563193DIASHOW: Bayerns Planspiele)

Hoeneß fordert Umdenken

Doch anders als in den Vorjahren, ist das für Hoeneß kein Grund eine Kampfansage an den Meister und Rivalen aus Dortmund zu schicken. Der Bayern-Präsident fordert gar ein Umdenken. "Mia san mia" hat vorerst ausgedient.

"Wir haben in den letzten Jahren viel zu viel über uns gesprochen, der Satz 'mia san mia' ist viel zu oft überall abgedruckt worden", kritisierte Hoeneß und fordert mehr Demut: "Erst sollte man Erfolge haben, dann darüber sprechen."

Schon im Februar Gespräche mit Sammer

Für Erfolge soll auch der neue Sportvorstand Matthias Sammer sorgen. Hoeneß gab zu, dass es bereits im Februar erste Gespräche mit dem ehemaligen DFB-Sportdirektor gab ? lange bevor die Mannschaft alle Titelchancen verspielte.

Verwunderlich, da die Bayern erst vier Monate zuvor den Vertrag mit Sammer-Vorgänger Christian Nerlinger verlängert hatten.

[kaltura id="0_vccamwoj" class="full_size" title="Bayern plant Angriff auf die Spitze"]

Nerlinger-Ablösung lange geplant

Eine Ablösung war somit unabhängig vom Erfolg angedacht. "Christian steht in keinster Weise als Sündenbock für die verlorenen Finals da! Er weiß, dass bei mir seit einigen Monaten schon die Gedanken über eine Veränderung da waren", erklärte Hoeneß.

Selbst im Falle des Champions-League-Titels hätte Nerlinger wohl seinen Hut nehmen müssen. "Die Veränderung wäre auch dann gekommen, aber wohl nicht am 1. Juli", sagte Hoeneß und erhofft sich vom erfahrenen Sammer auch eine Neustrukturierung des Nachwuchsbereichs.

"Das muss alles wieder neu geordnet und verbessert werden." Damit stimmt er auch indirekt der Kritik des ehemaligen Reserve-Trainers Andries Jonker (BERICHT: Jonker attackiert Bayern) zu.

Breno-Urteil zu hart

Ein Thema liegt dem Bayern-Präsidenten dagegen noch immer schwer im Magen: Die Verurteilung von Ex-Bayernspieler Breno.

"Für mich war das Urteil ein Schock. Ich habe mir nie und nimmer vorstellen können, dass der Junge dafür ins Gefängnis geht ? und vor allen Dingen so lange", zeigte sich Hoeneß betroffen.

Er fürchtet gar ein Karriereende für den Brasilianer, der wegen schwerer Brandstiftung für drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis muss.

"Wenn das Urteil nicht revidiert wird in der Berufung, dann ist sein Leben kaputt. Ich weiß nicht, ob man hier nicht differenzieren muss zwischen einem Maurer, der seinen Beruf weiter ausüben kann, wenn er wieder rauskommt, und einem jungen Fußballspieler ? der absolut nichts anderes kann als Fußball spielen."

Urteil wie eine lebenslange Sperre

Für ihn kommt das Urteil damit einer lebenslangen Sperre gleich. "In diesem Urteil steckt eine solche soziale Härte, das hätte das Gericht meiner Meinung nach berücksichtigen müssen. Ein Strafmaß muss ja eine Strafe sein für jemanden. Hier ist es eine fast lebenslängliche."

Der Klub wird sich daher auch weiterhin um Brenos Familie kümmern. "Wenn immer sie ein Problem hat, bei dem wir helfen können, werden wir das tun", sagte Hoeneß und beweist damit die soziale Verantwortung des Vereins.

Etwas, das sich bei allem Umbruch nicht verändert hat.

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