Klopp greift wieder zum Zuckerbrot
Von Eric Böhm
München - Eine Woche Trainingslager in der Schweiz haben Jürgen Klopp seine gute Laune zurückgebracht.
Ein kompletter Kader, Vertragsverlängerungen und nicht zuletzt konzentrierte Arbeit seiner Schützlinge bewogen Borussia Dortmunds Trainer zu einem fast schon überschwengliches Fazit.
"Mein Fazit fällt super positiv aus. Wir haben riesige Umfänge trainiert und sind einen großen Schritt weiter", bilanzierte Klopp vor der Abreise aus Bad Ragaz.
Nach dem gewonnen Härtetest bei Legia Warschau am Sonntag dürfte sich der Coach umso zufriedener auf die Heimreise nach Dortmund gemacht haben (BERICHT: Lewandowski trifft in der Heimat) .
Aufschwung nach schleppendem Beginn
Vor einigen Tagen hatte dies noch ganz anders geklungen. Schwache Testspiele ohne die EM-Fahrer waren dem Meistercoach übel aufgestoßen.
Die Vertragsverlängerung von Jakub Blaczykowski, die Rückkehr seiner DFB-Auserwählten und der gelungene Test gegen St. Gallen brachten beim Meister wieder Zug in die bis dahin schleppende Vorbereitung.
Kein Verletzungspech
Nach der Peitsche holte der begnadete Motivator zur Abwechslung wieder das Zuckerbrot raus.
Besonders positiv bewertete Klopp, dass trotz intensiver Einheiten keine Verletzungen zu beklagen sind: "Es gab nur kleinere Blessuren. Die Mannschaft ist einen Schritt weiter, das ist das Entscheidende."
Dabei zog nicht nur die Landschaft den BVB-Tross in die Schweiz ( SERVICE: Bundesliga-Sommerfahrpläne).
Bender dämpft die hohen Erwartungen
Der Aberglaube dürfte eine gewichtige Rolle gespielt haben, schließlich trimmte sich das Team schon 2011 in Bad Ragaz für den beeindruckenden Bundesliga-Durchmarsch.
"Damals haben wir hier den Grundstein für eine sehr gute Saison gelegt. Und die Bedingungen sind wieder optimal. Daraus kann man aber nicht ableiten, dass wir zwangsläufig wieder Meister werden", betont Mittelfeld-Allrounder Sven Bender in der "WAZ".
Nach einer Saison mit extrem vielen Verletzungen muss sich Bender seinen Stammplatz neu erkämpfen - auch wenn die Konkurrenz groß ist.
Große Qualität im Kader
"Wir haben in der Breite brutal an Qualität zugelegt. Wir haben gerade auf meiner Position viele Spieler, die eine enorm hohe Qualität mitbringen", betont der 23-Jährige.
Die neue Kadertiefe durch die Zugänge Marco Reus, Julian Schieber oder Leonardo Bittencourt wird auch dringend benötigt, denn trotz des Doubles gibt es Nachholbedarf.
"In der Champions League haben wir ein paar Wünsche der Fans offen gelassen. Das wissen wir. Wir wollen eine bessere Rolle spielen als im letzten Jahr", bestätigt Bender.
Taktischer Feinschliff in Dortmund
Nach den Trainingslagern in Kirchber (Österreich) und der Schweiz soll nun in Dortmund vor allem am taktischen Feinschliff gearbeitet werden.
Die für sein System elementaren Anforderungen kommen bei Klopps Vorbereitungsgestaltung aber nie zu kurz. Die schweren Testspiele aus voller Belastung waren bewusst gewählt.
"Wir müssen uns zu aller erst um das Spiel gegen den Ball kümmern, klar ist da auch Frische notwendig. Vor allem geistige Frische.
Aber es ist weniger notwendig, als wenn es um den eigenen Ballbesitz geht", sagt der Trainer.
Bender bleibt zurückhaltend
Das zur Kunstform perfektionierte Understatement behalten die Borussen auch nach zwei Meistertiteln in Folge bei, weniger hungrig ist das immer noch sehr junge Team deswegen noch lange nicht.
"Diese Gier, diese Vorfreude aufs Fußball spielen, die ist bei jedem wieder da. Man merkt, dass jeder Bock hat zu kicken", sagt Bender: "Wir wollen in jedem Wettbewerb so lange wie möglich mitspielen."


