Barnetta: "Wir wollen Titel holen"
Von Thorsten Langenbahn
Gelsenkirchen - Seine dynamischen Dribblings und seine Spielübersicht zeichnen Tranquillo Barnetta aus.
Schon in den ersten Tests im Trikot des FC Schalke 04 hat der ablösefreie Zugang von Bayern Leverkusen gezeigt, dass er als Linksaußen der Königsblauen eine wichtige Rolle spielen kann.
"Ich habe mit Schalke die richtige Entscheidung getroffen", sagt der 61-fache Schweizer Nationalspieler über seinen Wechsel zum Champions-League-Teilnehmer.
Spätes Comeback nach Knie-OP
Für Leverkusen erzielte der 27-Jährige in 187 Bundesliga-Spielen 23 Treffer und bereitete 41 vor.
In der vergangenen Spielzeit kam der Schweizer nach einer Knie-Operation erst Ende März zu seinem ersten Saisoneinsatz, nun will er wieder voll angreifen ( SERVICE: Bundesliga-Sommerfahrpläne).
Im SPORT1-Interview spricht Barnetta über seine ansteigende Formkurve, die einzigartigen Fans auf Schalke und die harte Hand von Trainer Huub Stevens.
SPORT1: Herr Barnetta, nach sieben Jahren in Leverkusen: Wie waren die ersten Wochen auf Schalke?
Tranquillo Barnetta: Es hat alles sehr gut gepasst. Ich habe mich direkt gut eingelebt. Die Mannschaft, in der viele junge Spieler sind, hat mich gut aufgenommen. In der Vorbereitung ist es natürlich manchmal ein bisschen hart, aber das gehört dazu.
SPORT1: Wie weit ist die Mannschaft vom Stand der Vorbereitung?
Barnetta: Ich glaube, wir sind auf Kurs. Wir haben schon einige Fortschritte gemacht, aber wir wissen auch, dass wir noch einiges zu tun haben. Gerade als Mannschaft, gegen den Ball zu arbeiten, daran werden wir in den nächsten Wochen noch arbeiten.
SPORT1: Auf welcher Position sehen Sie sich?
Barnetta: Ich denke, dass ich auf der linken Seite eingesetzt werde. Wenn es Bedarf auf einer anderen Position gibt, werde ich auch dafür bereit sein.
SPORT1: Werden Sie in der Startelf gesetzt sein?
Barnetta: Ich habe sicherlich gute Chancen. Aber was heißt gesetzt? Wir werden so viele Spiele haben, dass auch immer wieder rotiert werden wird. Deshalb wird es nicht nur Stammspieler geben. Wir werden im Saisonverlauf jeden brauchen.
SPORT1: Ihr neuer Trainer Huub Stevens gilt als harter Hund. Wie haben Sie ihn bisher kennengelernt?
Barnetta: Er ist einer, der auf dem Platz viel verlangt. Zwischendrin gibt es aber auch immer wieder lockere Phasen. Die Kommunikation zwischen Mannschaft und Trainer ist bis jetzt sehr gut.
SPORT1: Ist in dieser Spielzeit mehr drin als der dritte Platz, vielleicht sogar die Meisterschaft?
Barnetta: Man sollte nicht schon in der Vorbereitung von der Meisterschaft reden. Unser Ziel sollte es sein, wieder in die Champions League zu kommen. Wir werden versuchen, in allen Wettbewerben so weit wie möglich zu kommen und auch in der Meisterschaft so lange wie möglich oben mitzuspielen.
SPORT1: Mit Leverkusen waren Sie 2011 als Vizemeister schon nah dran an der Schale. Wie heiß sind Sie, hier in Deutschland endlich einen Titel zu holen?
Barnetta: Natürlich bin ich heiß darauf. Das war auch ein Grund für den Wechsel, weil wir hier junge, hungrige Spieler sind, die gerne Titel holen wollen. Daran arbeiten wir und werden alles dafür geben.
SPORT1: Sie hatten auch einige Angebote aus dem Ausland. Welchen namhaften Klubs haben Sie für Ihr Engagement auf Schalke abgesagt?
Barnetta: Es waren schon einige Klubs an mir dran, aber es sind auch immer viele im Gespräch, bei denen es dann nicht so konkret ist. Für mich ist wichtig, dass ich mit Schalke die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich fühle mich hier im Moment sehr, sehr wohl und hoffe, dass wir eine tolle Saison haben werden.
SPORT1: Sind die Fans auf Schalke noch verrückter als anderswo?
Barnetta: Ja, klar. Sie sind bekannt dafür, wie sie hinter der Mannschaft stehen. Das ist schon Wahnsinn und auch ein Grund dafür, warum es wunderbar ist, für Schalke spielen zu können.
SPORT1: Bei Ihrer Heimspiel-Premiere gegen den AC Mailand waren 40 000 Zuschauer da. Wie haben Sie die Stimmung erlebt?
Barnetta: Die war jetzt schon klasse. Ich kenne die Stimmung aus den Meisterschaftsspielen mit Leverkusen. Natürlich ist es schöner, wenn man für die eigene Mannschaft auflaufen kann, als in die Arena als Gegner zu kommen.
SPORT1: Direkt in Ihrem ersten Testspiele für Königsblau haben Sie ein Traumtor in den Winkel erzielt. Was haben Sie sich noch vorgenommen?
Barnetta: Als offensiver Mittelfeldspieler versuche ich schon, im Abschluss erfolgreich zu sein, aber die Vorlagen sind ebenso wichtig. Deshalb habe ich mir kein Ziel gesetzt. Ich hoffe, dass es öfter so klappt wie in dem Testspiel.


