HSV droht erneute Zittersaison
Von Thorsten Mesch
München - Die Bundesliga geht in ihre 50. Saison und es gibt nur einen Verein, der seit ihrer Gründung dabei ist: den Hamburger SV (JETZT NEU: SPORT1 Bundesliga Sonderheft).
In der vergangenen Spielzeit sah es lange Zeit so aus, als müsse der Bundesliga-Dino sein 125-jähriges Bestehen als Zweitligist begehen.
Doch der HSV, zur Winterpause noch Letzter, rettete sich nach dem Trainerwechsel von Michael Oenning auf Thorsten Fink mit einem Zwischenspurt vor dem Abstieg und landete am Ende auf Rang 15.
Erstmals seit zehn Jahren standen die Rothosen damit aber am Saisonende in der unteren Tabellenhälfte.
Seeler hofft auf ruhigere Saison
"Die letzte Saison war schon sehr schwierig", meinte HSV-Ikone und Ex-Präsident Uwe Seeler im SPORT1-Interview.
"Ich wünsche mir, dass wir nicht noch mal so zittern müssen und dass es im Jubiläumsjahr ein bisschen ruhiger wird."
Das wünschen sich auch die treuen Fans, doch in der Vorbereitung sorgten Trainingsraufereien und ein heftiger Streit zwischen Fink und Abwehrspieler Slobodan Rajkovic für Schlagzeilen.
Teambuilding beim Kanufahren
Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet und das Sportliche ist wieder in den Vordergrund gerückt.
"Wir hatten ein gutes Trainingslager in Südkorea, konnten dort durch den Sieg beim Peace Cup Selbstvertrauen tanken", sagt Fink zu SPORT1 ( Sommerfahrplan).
"Gerade waren wir vier Tage mit Kanus in Schweden unterwegs. Da sind wir auch als Team zusammengewachsen und haben viele neue Seiten aneinander kennengelernt."
Nun gehe es darum, "dass wir uns den nötigen Feinschliff auf dem Platz holen", erklärt der ehemalige Bayern-Profi, betont aber:
"Wir haben noch reichlich Arbeit vor uns, sind aber optimistisch, dass wir zum Saisonstart bei hundert Prozent sind."
Teil 4 der SPORT1-Bundesliga-Vorschau.
• Das ist neu:
Namhafte Spieler wie Paolo Guerrero, Mladen Petric und Gökhan Töre und David Jarolim haben den Verein verlassen.
Sportdirektor Frank Arnesen bastelt zusammen mit Trainer Fink noch am Kader. Nach dem Radikal-Umbau der vergangenen Saison wurde die Mannschaft bisher nur punktuell verstärkt.
Prominentester Zugang ist der ehemalige Nationaltorwart Rene Adler, der lettische Stürmer Artjoms Rudnevs wurde für 3,5 Millionen Euro von Lech Posen geholt, und der zuletzt an Fortuna Düsseldorf ausgeliehene Offensivmann Maximilian Beister ist zurückgekehrt.
"Die Dinge, die wir uns vorgenommen haben, setzen wir nach und nach um. Das braucht allerdings Zeit", erklärt Arnesen SPORT1.
"Wir mussten erst Geld einnehmen, um wieder einkaufen zu können nachdem wir ja schon früh die Transfers von Adler, Rudnevs und Beister gemacht hatten. Jetzt kommt bald Badelj dazu, dann werden wir noch einen Innenverteidiger und einen Spielmacher verpflichten." (DIASHOW: Bundesliga-Transfermarkt)
Hoffnung auf Badelj
Mittelfeldspieler Milan Badelj kommt allerdings erst Ende August von Dinamo Zagreb - das Bestehen des Medizin-Checks vorausgesetzt.
Fink ist von der Qualität des Kroaten überzeugt. "Badelj ist in Deutschland noch ziemlich unbekannt. Aber glauben sie mir, das wird sich ändern", sagte er im "kicker".
Ohne das Offensiv-Duo Guerrero/Petric setzt der Trainer nun auf eine anstatt zwei Spitzen. Rudnevs oder der Schwede Marcus Berg kämpfen um den Platz im Sturmzentrum.
• Das soll besser werden:
Berg, 2009 für zehn Millionen Euro als teuerster Einkauf der Vereinsgeschichte gekommen, will und muss endlich den Durchbruch schaffen.
Und die gesamte Hamburger Mannschaft steht nach der schwachen Vorsaison unter Druck und will ihren Fans "gerade zu Hause wieder guten Fußball anbieten", wie Fink vorgibt.
• Saisonziel:
"Für uns geht es darum, die Mannschaft weiterzuentwickeln und deutlich besser abzuschneiden als in der vergangenen Serie", sagt Fink.
"Wir werden im Vorfeld aber ganz sicher keinen bestimmten Platz ausrufen", ergänzt er.
SPORT1-Prognose:
Die große Aufgabe von Fink und Arnesen ist es, die Abgänge zu kompensieren und das Team zu stabilisieren, vor allem auch in der Abwehr.
Die Defensive präsentierte sich in der vergangenen Saison nämlich nur selten bundesligatauglich.
Sollte der HSV am Ende auf einem einstelligen Platz landen, wäre es eine Überraschung, realistischer ist ein Abschneiden zwischen Rang zehn und 13.


