Neuanfang für Augsburgs zweiten Streich
Von Christian Paschwitz
Augsburg - Die Puppen tanzen lassen dürfte der FCA auch in der Jubiläumssaison kaum: (JETZT NEU: SPORT1 Bundesliga Sonderheft).
Ungeachtet des gedanklichen Brückenschlags zur heimischen Marionetten-Institution, der Augsburger Puppenkiste, wird es bei den Bayerischen Schwaben diesmal wieder nur ums eines gehen: den Klassenerhalt.
Der gelang in der Vorsaison immerhin bereits am vorletzten Spieltag - während Mitaufsteiger Hertha BSC wieder runter musste.
Dass die zweite Saison in neuer Umgebung zumeist die schwierigere ist, wissen die Augsburger allerdings.
"Wir müssen tierisch aufpassen und dürfen uns nicht einlullen lassen von dem Gefühl, dass wir den Klassenerhalt ja schon mal geschafft haben. Es geht wieder bei null los", sagte kürzlich Keeper Simon Jetzsch.
Jentzsch hebt den Zeigefinder
Und das nicht nur bei der Jagd nach Punkten fürs sportliche Überleben. Auch personell ist bei den Augsburgern ein umfassender Neustart angesagt - nicht zuletzt an vorderster und verantwortungsvollster Front.
Der im Vorjahr noch gefeierte Aufstiegscoach Jos Luhukay, den die Fans auch am Saisonende angesichts des 14. Tabellenplatzes hochleben ließen, warf hin nach Differenzen mit Klub-Präsident Walther Seinsch.
Auch wegen der verweigerten Vertragsverlängerung mit seinem Trainerteam.
Aufstiegsbaumeister Luhukay und Rettig weg
Und auch der zweite Baumeister des Aufstiegs kehrte dem FCA den Rücken zu:
Manager Andreas Rettig wechselte lieber als neuer Geschäftsführer zur Deutschen Fußball Liga nach Frankfurt.
Doch Augsburg ist bemüht, mit neuen Kräften die verloren wirkende Klub-Idylle wieder herzustellen.
Teil 5 der SPORT1-Bundesliga-Vorschau.
• Das ist neu:
Der neue Trainer des 51. Bundesligisten der Historie heißt Markus Weinzierl - und ist für die Beletage des deutschen Fußballs ein absolutes Greenhorn.
Der 37-Jährige kommt aus der Dritten Liga, schaffte da aber den Aufstieg mit Jahn Regensburg.
"Er stand schon länger ganz oben auf unserer Liste", verrät Vereinschef Seinsch.
"Das Hauptkriterium war, dass er in Regensburg mit dem geringsten Etat der Dritten in die Zweite Liga aufgestiegen ist."
Greenhorn Weinzierl
Im Umgang mit der Mannschaft gibt sich Niederbayer Weinzierl wesentlich lockerer als sein ruhiger Vorgänger.
Seine Spiel-Philosophie ist jedoch dieselbe wie von Luhukay:
"Unser System wird nicht verändert", sagt Weinzierl. "Ich habe eine funktionierende Mannschaft übernommen."
Soll heißen: Es wird weiterhin im 4-2-3-1 gespielt.
Paula in Rettigs Fußstapfen
Rettigs schweres Manager-Erbe wiederum tritt Manfred Paula an.
Der ehemalige Jugendleiter, der im Augsburger Umfeld unlängst noch höchst kritisch gesehen wurde, weil er hinter Luhukays Rücken noch vor dessen Rücktritt bereits mit Weinzierl verhandelt haben soll, scheint bisher jedoch ein recht glückliches Transfer-Händchen zu besitzen.
Gleich acht neue Spieler wurden geholt, dazu Jan Moravek fest verpflichtet und Ja-Cheol Koo weiter ausgeliehen.
EM-Fahrer Petrzela, Liga-Rückkehrer Bance und Ottl
Dass Hochkaräter anheuerten wie Tschechiens EM-Teilnehmer Milan Petrzela, Estland-Routinier Ragnar Klavan (83 Länderspiele), der ehemalige Mainzer Torjäger Aristide Bance und Ex-Bayern-Star Andreas Ottl spricht ebenso für Paula.
Schon sieben Wochen vor dem Saisonstart war der Kader komplett, und mit 2,5 Millionen Euro hielten sich auch die Transfer-Ausgaben im vorgegebenen Rahmen.(DIASHOW: Bundesliga-Transfermarkt)
"Es war eine intensive Phase"“, resümiert Paula.
"Aber wir tun uns leichter als im Vorjahr, weil der FCA für die Spieler interessanter geworden ist."
Jentzsch nun Vizekapitän
"Ich bin sehr optimistisch, was die neue Saison angeht", sagt Weinzierl. Er will den Abgängen von Axel Bellinghausen, Jonas De Roeck, Hajime Hosogai und Nando Rafael nicht hinterhertrauern.
Hierarchisch hat der Neu-Coach, der vielmehr den noch wochenlangen Ausfall von Stürmer Sascha Mölders wegen eines Knöchelbruchs beklagt ("Eine bittere Geschichte"), bereits einiges verändert:
Routinier Jentzsch ernannte er zum stellvertretenden Kapitän hinter Paul Verhaegh.
• Das soll besser werden
Ein Fehlstart wie im Vorjahr, als Augsburg erst am neunten Spieltag den ersten Sieg feiern konnte, soll unbedingt verhindert werden.
Dazu muss aber das altbekannte Manko der Chancenverwertung abgestellt werden, das auch in den Testspielen immer wieder zutage trat - mal abgesehen vom 2:0 gegen Bayer Leverkusen.
"Wir spielen uns genügend Möglichkeiten heraus", so Weinzierl, "aber wir nutzen sie noch nicht gut genug."
Abschlusshoffnung Bance
Umso mehr hofft der FC deshalb auf die alten Qualitäten von Neuzugang Bance.
Nach zweijähriger Bundesliga-Auszeit, die ihn über Dubai und Katar sowie schließlich zu Samsunspor in der Türkei brachte, hat Burkina Fasos Nationalspieler aber noch einigen Rückstand.
Immerhin gab der 500.000-Euro-Einkauf mit der wild-blonden Rasta-Frisur in den Tests mit einigen Treffern schon einmal einen Vorgeschmack auf sein mögliches Leistungsvermögen.( Sommerfahrplan).
• Saisonziel
Einmal mehr kann es nur darum gehen, die Klasse zu halten.
"Es ist eine große Herausforderung das zu schaffen, und wie man das packen kann, das hat Augsburg letztes Jahr gezeigt", sagt Neuzugang Andreas Ottl bei SPORT1.
Schon jetzt sehen sie sich in Augsburg dafür im Plan: “Ich bin mit der Vorbereitung absolut zufrieden, wir sind voll im Soll", meint Weinzierl.
• SPORT1-Prognose
Bance, Ottl und Petrzela geben der Mannschaft Qualität, die zuletzt gefehlt hat.
Dennoch muss sich die neue Mannschaft erst einmal finden, nicht zuletzt auch der Trainer dabei beweisen.
Entscheidend dürfte der Start sein:
Bei schnellen Erfolgserlebnissen mögen der FCA und seine Fans auf eine Euphoriewelle geraten, den Klassenerhalt mit weniger Zittern eintüten als zuletzt.
Gehen die ersten fünf Partien dagegen in die Hose, weht Weinzierl wohl ein kalter Wind entgegen.
Ein Abschneiden zwischen Rang elf und 14 sollte aber möglich sein.


