FCB: Terminstress, Abwehrnot und Gomez-Debatte
Vom FC Bayern berichtet
Mathias Frohnapfel
München - Der Zeitplan des FC Bayern ist derzeit eng getaket:
Am Dienstagabend spielte das Team in Ingolstadt gegen die Paulaner Traumelf (15:0), am Mittwoch siegte man in Kaiserlautern (3:2) und am Wochenende geht es zum LIGA total!-Cup nach Hamburg. (BERICHT: Arbeitssieg auf dem Betzenberg)
Gegen Werder Bremen kämpfen die Münchner um den Finaleinzug (Sa., ab 18.20 Uhr im LIVE-TICKER).
Das Finale beziehungsweise das Spiel um Platz drei folgt am Tag darauf.
Ein anspruchsvolles Programm. Schon zuvor schlauchte der Marketing-Trip nach China die Profis.
"Es war grenzwertig"
"Die China-Reise war strapaziös, es waren extreme klimatische Verhältnisse", sagte Jupp Heynckes dazu: "aber die Mannschaft hat sich hervorragend verhalten."
Und Uli Hoeneß stellte im Gespräch mit SPORT1 dazu fest: "Jupp Heynckes hat es ja schon gesagt, was wir gemacht haben, war grenzwertig, aber noch zu verantworten."
Aus Spielersicht fällt die Bewertung ähnlich aus. Arjen Robben nennt diese fünf Tage "nicht optimal" und fordert: "Wir müssen die kommenden Wochen nutzen."
Vor dem Start der vergangenen Saison bimste Heynckes im Trainingslager am Gardasee den Spielern ein, welchen Stellenwert die Abwehrarbeit hat - mit Erfolg. Die Münchner zeigten sich defensiv gegenüber der Van-Gaal-Ära stark verbessert.
Schweinsteiger spielt
Diesmal fehlten im Trentino die deutschen Nationalspieler allesamt, es ging vor allem darum, die Neuzugänge zu integrieren und das Umschaltspiel zu üben.
Philipp Lahm lief am Dienstag zum ersten Mal wieder im Münchner Team auf, Bastian Schweinsteiger wurde noch geschont, wird aber beim LIGA total!-Cup dabei sein.
"Er ist ohne Beschwerden. Ich nehme ihn mit, er wird natürlich spielen", sagte Heynckes.
Offen ist, ob Schweinsteiger zum Länderspiel gegen Argentinien berufen wird. "Da werden wir schon zu einem Konsens kommen", meinte der 67-Jährige mit Blick auf Bundestrainer Joachim Löw.
Breitner: "Vorbereitungsspiele nicht das Maß"
Die Vielzahl an Testspielen und Reisen beeindruckt den Rekordmeister nicht. Paul Breitner hält eine Diskussion darüber ohnehin für unnötig.
"Ob eine Mannschaft zu viele oder zu wenige Vorbereitungsspiele macht, darüber jetzt zu reden ist Humbug", sagte der Marken-Botschafter des FCB im Gespräch mit SPORT1.
"Du kannst 100 Vorbereitungsspiele machen und 100 gewinnen, das ist keine Garantie, dass du optimal in eine Saison startest. Die Vorbereitungsspiele sind nicht das Maß."
Reisestrapazen gelten zudem auch für andere Teams wie den HSV, der direkt vom Peace Cup in Südkorea zum Jubiläumsspiel im eigenen Stadion gegen den FC Barcelona anreiste.
Verletzungskrise in der Defensive
Viel schwerer wiegt aktuell die Verletzungskrise in der Defensive.
Die Außenverteidiger David Alaba (Ermüdungsbruch) und Rafinha (Bänderriss) verletzten sich bereits im Trainingslager am Gardasee und fallen bis zum Saisonstart aus.
Zudem wurde jetzt bei Diego Contento ein kleiner Haarriss im linken Fuß diagnostiziert. Der 22-Jährige fällt damit mindestens zehn Tage aus, könnte sogar bis zu drei Wochen fehlen.
Gesetzt ist im Moment in der Münchner Außenverteidigung nur Philipp Lahm.
Zuletzt experimentierte Heynckes im Training mit Luiz Gustavo auf der Position als Linksverteidiger, auch Jerome Boateng könnte auf der Außenposition spielen.
In Hamburg soll jedoch Gustavo auf links beginnen.
Hoeneß will Gomez "kitzeln"
Indes führte Hoeneß jetzt weiter aus, weshalb er jüngst Mario Gomez als "gut, aber nicht sehr gut" bezeichnete und gesagt hatte: "Wenn er sehr gut wäre, wären wir jetzt Champions-League-Sieger."
Bewusst, meinte der Bayern-Präsident, habe er die "Mechanismen der Medien" nutzen und Mario "reizen und kitzeln" wollen. "Das kann man nicht jeden Tag machen, vielleicht nur alle zwei Jahre mal", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".
"Aber wenn du was machst, hast du ja noch die Hoffnung, dass sich was verändert."
Lewandowski weiter auf Einkaufsliste
Als weiteres Druckmittel auf Gomez gilt zudem Robert Lewandowski. Die Münchner sollen bereits vor einiger Zeit dem BVB-Stürmer ein Angebot gemacht haben, inklusive Sieben-Millionen-Jahresgehalt.
Doch Dortmund habe alle Gespräche abgelehnt. Allerdings steht Lewandowski angeblich weiter auf Bayerns möglicher Einkaufsliste für die Saison 2013/2014 ebenso wie Edin Dzeko von Manchester City.
"Das Wohlfühlgehabe, das es bei uns ständig gab, ist nicht immer gut", stellt Hoeneß fest.
Die Konkurrenz kurbelt der Bayern-Boss im Moment jedenfalls kräftig an.


