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Der Bosnier Sergej Barbarez spielte von 2000 bis 2006 für den HSV © getty

Vorstandsboss Bernd Hoffmann geht als Sieger aus der Mitgliederversammlung hervor. Ein angeblicher Putschversuch scheitert.

Hamburg - Vorstandsboss Bernd Hoffmann ist aus der Mitgliederversammlung des Hamburger SV als deutlicher Punktsieger gegen seine vereinsinternen Kritiker hervorgegangen.

Bei der zu einem Machtkampf zwischen Basis und Klubführung hochstilisierten Aufsichtsratswahl der Hanseaten (Winterfahrplan HSV) wurden ausschließlich klare Befürworter des derzeitigen Vorstandes in das Kontrollgremium gewählt.

Damit ist ein angeblich geplanter Putschversuch gegen Hoffmann gescheitert.

Meistbesuchte Mitgliederversammlung

"Das ist ein klares Mitgliedervotum für den Verein. Um mich persönlich ging es dabei nicht. Ich sehe es eher als einen guten Tag für den HSV", sagte Hoffmann, der den Klub seit Februar 2003 führt und in Hamburg noch bis Ende 2011 unter Vertrag steht, nach der Abstimmung am Sonntag.

Die für die Zukunft der Hanseaten richtungweisende Wahl hatte 4677 Klubangehörige mobilisiert und damit für die meistbesuchte Mitgliederversammlung in der 122-jährigen Geschichte des Vereins gesorgt.

Aus der vorstandskritischen Fan-Organisation "Supporters" wurde keiner der vier Kandidaten in den zwölfköpfigen Aufsichtsrat gewählt.

Gegenwind gestoppt

Somit ist die Anhängergruppierung in dem Gremium einzig durch Björn Floberg vertreten.

Als Abteilungsdelegierter stand dieser allerdings schon vor der Abstimmung als Kontrolleur fest. Teile der Supporters, mit rund 45.000 Mitgliedern die weitaus größte Fraktion innerhalb des Vereins, hatten der Klubführung im Vorfeld der Wahl unter anderem die Kommerzialisierung des Vereins sowie mangelnde Transparenz vorgeworfen und Gegenwind für Hoffmann angekündigt.

Der Vorstandsboss konnte sich nach einem im Vorfeld hart geführten Wahlkampf jedoch auf sein Stimmenlager verlassen.

Geringer Einfluss für "Supporters"

Andernfalls hätte es bei wichtigen Entscheidungen künftig wohl erhebliches Konfliktpotenzial zwischen Hoffmann und einem Block aus "Supporters" sowie dem gegenüber dem Klubboss ebenfalls kritisch eingestellten Ex-Präsidenten Jürgen Hunke gegeben.

Durch das Abstimmungsergebnis bleibt nun nicht nur der Einfluss der Fangruppierung gering. Auch Hunke scheiterte bereits im ersten Wahlgang.

Stattdessen platzierten sich zahlreiche Hoffmann-Anhänger in dem Kontrollgremium. Neben dem bisherigen Aufsichtsrats-Chef Horst Becker schafften auch die Unternehmer Ian Karan und Alexander Otto, Klinikchef Jörg Debatin sowie die langjährigen Kontrolleure Ronald Wulff und Bernd Enge den Sprung in das Gremium.

Barbarez als Nachrücker

Im zweiten Wahlgang rückten dann Ex-Profi Sergej Barbarez und Peter Becker nach. Der 62-Jährige ist Präsident der Hamburger Handwerkskammer. Als Abteilungsdelegierte komplettieren Floberg, Ernst-Otto Rieckhoff, Eckhart Westphalen und Gerd Krug den Aufsichtsrat. Insgesamt hatten sich 20 Kandidaten beworben.

Besonders Barbarez freut sich bereits auf seine neue Aufgabe. ("Gerüst steht auch ohne De Jong")

"Ich glaube, dass im Aufsichtsrat neben wirtschaftlicher auch sportliche Kompetenz gefragt ist. Ich kenne das Geschäft und möchte meine Erfahrungen beim HSV einbringen", sagte der ehemalige Publikumsliebling der Hamburger, der in der Bundesliga auch für Hansa Rostock, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen aufgelaufen war und seine aktive Karriere nach der vergangenen Saison beendet hatte.

Finanzen derzeit im Lot

Auch finanziell läuft es für den Vorstand um Hoffmann derzeit nach Plan. Nach den zur Mitgliederversammlung veröffentlichten Zahlen schloss der HSV das Geschäftsjahr vom 1. Juli 2007 bis zum 30. Juni 2008 mit einem Gewinn in Höhe von gut 2,1 Millionen Euro ab. (De-Jong-Wechsel perfekt)

Umgesetzt wurden in diesem Zeitraum insgesamt rund 138 Millionen Euro.

"Das vergangene Geschäftsjahr war sportlich und wirtschaftlich sehr erfolgreich", sagte Horst Becker und blickte nach der Wahl zuversichtlich nach vorn: "Ich bin von diesem Ergebnis begeistert. Dieser Aufsichtsrat steht dafür, die gute Arbeit des Gremiums fortzusetzen. Es ist gut, dass sich die Kandidaten aus der Hamburger Wirtschaft durchgesetzt haben. Das bedeutet für die Zukunft zielorientiertes Arbeiten."

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