"Wir haben unser Rückgrat verloren"
Von Martin Volkmar und Uwe Pöls
München - Trotz der enormen Ausgaben für neue Spieler trauert Lucien Favre noch immer seinen verlorenen Leistungsträgern hinterher.
Dies erklärte der Erfolgscoach von Borussia Mönchengladbach im Exklusiv-Interview mit dem neuen SPORT1-BUNDESLIGA-SONDERHEFT zur 50. Saison.
"Wir haben unser Rückgrat verloren. Das ist so, wie wenn Barcelona Messi, Xavi und Pique abgeben muss", sagte der Schweizer.
Reus "an 90 Prozent der Tore beteiligt"
Dies gelte neben Ex-Abwehrchef Dante (zum FC Bayern) und Roman Neustädter (zu Schalke 04) vor allem für den zu Borussia Dortmund gewechselten Marco Reus, "der an 90 Prozent der Tore beteiligt war".
Es sei für einen Trainer "natürlich nicht schön, wenn er eine Mannschaft aufgebaut hat und dann die wichtigsten Leute den Verein verlassen", meinte Favre daher:
"Aber dann geht die Arbeit eben wieder von vorne los und das hat auch seinen Reiz."
Umbau kein Grund für Zögern bei Verlängerung
Der Umbau der Gladbacher, die für mehr als 30 Millionen Euro unter anderem Luuk de Jong als teuersten Transfer der Vereinsgeschichte sowie Granit Xhaka und Alvaro Dominguez verpflichteten, habe aber nichts mit seinem Zögern bei der Vertragsverlängerung zu tun (DIASHOW: Bundesliga-Transfermarkt).
"Nein, das hatte nichts miteinander zu tun. Es gab während der letzten Saison wichtigere Dinge als meine Vertragsverlängerung. Das haben wir in der Sommerpause geregelt und ich freue mich, dass wir auch hier Klarheit haben, bevor die neue Saison losgeht", sagte Favre, der seinen Kontrakt bis 2015 verlängert hat.
Der Höhenflug mit den Gladbachern, die er zunächst 2011 in der Relegation vor dem Abstieg bewahrte und in diesem Jahr sensationell in die Champions-League-Qualifikation führte, ist dem ehemaligen Profi offenbar nicht zu Kopf gestiegen.
"Habe nie von der Meisterschaft geträumt"
"Ich bin Realist und habe nie von der Meisterschaft geträumt", sagte er. "Wir haben eine tolle Saison gespielt, wir waren die große Überraschung des letzten Jahres, aber es wäre verrückt gewesen, an die Meisterschaft zu denken.“"
Und auch über sein gewandeltes Image vom Retter zum Konzept-Coach macht sich Favre keine Gedanken: "Meistertrainer, Systemtrainer, harter Hund, Feuerwehrmann – ich bin alles schon gewesen, aber das sind doch nur Klischees. Ein Trainer muss gut sein, Punkt."
Das komplette Interview sowie weitere Top-Themen, Fakten, Daten und alles Wissenswerte zur neuen Spielzeit im BUNDESLIGA-SONDEHEFT von SPORT1 – jetzt am Kiosk kaufen oder online.


