Veh: Gladbach ist das Vorbild
Von Thorsten Langenbahn
Frankfurt/Main - Armin Veh führte Eintracht Frankfurt auf direktem Wege zurück in die Bundesliga.
Der Meistertrainer des VfB Stuttgart von 2007 übernahm die Hessen im vergangenen Jahr als Nachfolger von Christoph Daum.
Bereits zwei Spieltage vor dem Saisonende hatte er die Mission Wiederaufstieg erfüllt.
Kurz darauf verlängerte Veh seinen Vertrag um ein weiteres Jahr bis zum 30. Juni 2013.
"Ich habe die Vision, eine Mannschaft so zu entwickeln, dass man eine Überraschung schaffen kann", sagt Veh über die Eintracht der Zukunft.
Im SPORT1-Interview spricht der 51-Jährige über die launische Diva vom Main, die Ziele in der Bundesliga und Borussia Mönchengladbach als Vorbild.
SPORT1: Herr Veh, der Eintracht haftet der Ruf an, eine launische Diva zu sein. Wie schwierig ist das Arbeiten in diesem Umfeld am Main?
Armin Veh: Da ich schon ein paar Jahre im Geschäft bin, ist es für mich nicht schwierig. Und launisch ist die Eintracht in den vergangenen Jahren nicht mehr gewesen. Die Ägide unter Heribert Bruchhagen (Eintracht-Vorstandsvorsitzender, Anm. d. Red.) war ja nicht launisch. Sie haben zum Beispiel auch lange an Friedhelm Funkel festgehalten.
SPORT1: Anfang Mai haben Sie Ihren Vertrag um ein Jahr bis 2013 verlängert. Beim HSV haben Sie im März 2011 selbst gesagt: es reicht. Wann reicht es bei der Eintracht?
Veh: In Hamburg habe ich einfach gesehen, dass man so nicht erfolgreich sein kann. Je älter man wird und je mehr Erfahrung man hat, desto mehr weiß man, wie es nicht geht. Deswegen habe ich gesagt, dass ich dafür nicht mehr zur Verfügung stehe. Darüber denke ich im Moment aber nicht nach. Wir haben eine entwicklungsfähige Mannschaft mit einer guten Altersstruktur und was dann kommt, das weiß ich nicht.
SPORT1: Gibt es denn einen Traum, den Sie haben mit der Eintracht?
Veh: Ein bisschen träumen darf man und wenn man vorangeht, braucht man Visionen. Ich habe die Vision, eine Mannschaft so zu entwickeln, dass man eine Überraschung schaffen kann. Aber dazu gehört auch ein Plan und es müssen alle mitspielen. Ein bisschen Glück gehört auch dazu.
SPORT1: Wer taugt in der Bundesliga als Vorbild für eine positive Entwicklung?
Veh: Aktuell etwa Borussia Mönchengladbach. Wer hätte vor Jahren gedacht, dass sie in diese Sphären vorstoßen. An solchen Beispielen kann man sich hochziehen. Das stärkt den Glauben, dass man mit kontinuierlicher Arbeit und guter Personalpolitik die Chance hat, oben heran zu kommen. Mit Geld schafft man das nicht. Als Eintracht Frankfurt nützt es uns nichts, wenn uns jemand zehn Millionen mehr gibt. Dafür sind die anderen zu weit weg. Dementsprechend dürfen wir mit unseren begrenzten Möglichkeiten keine Fehler in der Personalpolitik machen.
SPORT1: Worauf dürfen sich die Fans bei der Eintracht der Zukunft freuen?
Veh: Wir haben eine spielerisch gute Mannschaft, die eine eigene Identität will, um die Klasse zu erreichen. Deswegen glaube ich schon, dass man sich in dieser Saison ab und zu auch freuen kann.
SPORT1: Verfolgen Sie mit Ihrer Mannschaft einen offensiven Ansatz?
Veh: Ja, das habe ich eigentlich immer so gehalten, nach vorne zu spielen und nicht destruktiv auf Konter. Das werden wir nicht tun und so ist die Mannschaft auch nicht zusammengestellt.
SPORT1: Takashi Inui vom VfL Bochum und Olivier Occean von Mit-Aufsteiger Greuther Fürth sind von Ihren Neuen die einzigen Stars – in Anführungsstrichen.
Veh: (lacht) Wir haben ja lauter Spieler aus der Zweiten Liga geholt oder Spieler, die wenig gespielt haben. Daran erkennt man unseren finanziellen Hintergrund. Aber wir haben wirklich talentierte Spieler geholt. Occean ist schon älter (30, Anm. d. Red.), aber vorne eine wichtige Anspielstation für uns. Die anderen, ob Aigner, Inui, Celozzi, Oczipka oder Anderson, sind alles junge Spieler. Die müssen sich in der Bundesliga erst beweisen, das ist eine andere Hausnummer. Aber ich glaube, dass sie die Fähigkeiten besitzen, sich dort durchsetzen zu können.
SPORT1: Womit rechnen Sie in der kommenden Saison, wie gut die Eintracht mithalten kann?
Veh: Ich gebe keinen Platz aus. Aber eins ist klar: Als Aufsteiger ist das primäre Ziel, die Klasse zu halten. Wir werden mit einigen Mannschaften darum kämpfen, dass wir ein paar andere hinter uns lassen. Das ist realistisch.
SPORT1: Zum Saisonauftakt gibt es gleich zu Hause das Topspiel gegen Bayer Leverkusen. Wie groß ist die Vorfreude auf die Bundesliga-Rückkehr in Stadt und Verein?
Veh: Ich glaube, durch den Aufstieg gibt es eine gewisse Euphorie. Wir haben ein riesiges Fanpotenzial. Von daher sind wir glücklich, dass wir wieder 1. Liga spielen. Deswegen sind die Euphorie und auch die Erwartungen relativ groß.


