Im Kollektiv zum Klassenerhalt
Von Christian Stüwe und Martin Hoffmann
München - Im vergangenen Dezember stand der SC Freiburg mit dem Rücken zur Wand.
Lediglich 13 Punkte hatte der Sportclub aus 17 Spielen geholt und dümpelte abgeschlagen am Tabellenende.
Sechs Spieler wurden aussortiert, darunter Kapitän Heiko Butscher.
Schließlich wurde auch noch Trainer Marcus Sorg entlassen und Torjäger Demba Papiss Cisse an Newcastle United verkauft.
Doch in dieser fast aussichtslosen Situation gelang die Wende zum Guten.
Streich der Retter
Mit Christian Streich übernahm ein Trainer aus der Freiburger Fußballschule und führte die Mannschaft mit jungen Talenten zum Klassenerhalt.
Und mehr noch: Ein Stück weit gab Streich den Freiburgern das Besondere wieder, was den etwas anderen Klub im Süden der Republik immer ausgezeichnet hatte.
Während Vorgänger Sorg sich eher als ein ruhiger Theoretiker präsentierte, zeigt sich der 47 Jahre alte Streich hoch emotional - und verfügt mit seinem breiten badisch dazu über ein echtes Alleinstellungsmerkmal in der Bundesliga.
Jung, offensiv, passorientiert
Doch nicht nur Streichs Dialekt passt in den Breisgau, auch seine Art Fußball spielen zu lassen entspricht den Vorstellungen in Freiburg:
Offensiv, kurzpassorientiert und mit jungen Talenten aus dem eigenen Nachwuchs auf dem Rasen.
Mit Jonathan Schmid (22 Jahre), Matthias Ginter (18), und Oliver Sorg (22) baute Streich gleich drei dieser Spieler in seine Rückrundenelf ein und verhalf ihnen zum Durchbruch in der Bundesliga.
Sie sollen ein wichtiger Bestandteil der Zukunft des SC Freiburg sein.
"Es ist einfach schön, wenn man einen Trainer hat, der nicht nur von einem Jahr zum nächsten denkt, sondern bei dem man in jedem Gespräch merkt, dass er über eine Saison hinausdenkt", lobt Präsident Fritz Keller den Trainer im Gespräch mit SPORT1.
• Das ist neu:
Flügelspieler Ezequiel Calvente (21), der Verteidiger Vegar Eggen Hedenstad (21) sowie die Offensivspieler Max Kruse (24) und Marco Terrazzino (21) kamen neu und passen exakt ins Anforderungsprofil.
Stark am Ball, passsicher und variabel einsetzbar - die Fähigkeit, mehrere Positionen spielen zu können, zeichnet fast alle Spieler des Kaders aus, was eine der großen Stärken der Mannschaft ist.
Streich kann so extrem variabel aufstellen und die Gegner überraschen.
"Sobald die Mannschaft den Ball erobert hat, greift sie überfallartig an. Das geht blitzschnell und ist extrem effizient", beschreibt der frühere Profi Andreas Buck das Freiburger Spiel im SPORT1-Sonderheft.
"Um so teamorientiert spielen zu können, braucht es ein starkes Kollektiv, und das hat Streich in Freiburg geschaffen", erklärt Buck, der von 1988 bis 1990 beim SC spielte.
• Das soll besser werden:
In der desaströsen Hinrunde der vergangenen Saison war Cisse Fluch und Segen zugleich.
Neun Treffer erzielte der Senegalese, auf den sich sowohl in Freiburg wie auch bei den Gegnern alles konzentrierte.
Der Teamgedanke, die Austauschbarkeit der einzelnen Akteure - fast schon traditionell das Erfolgsrezept des Klubs - litt darunter.
Cisse ging im Winter, das Kollektiv funktionierte in der Rückrunde unter Streich wieder.
Es muss also nichts besser werden. Es geht darum, die Leistungen aus der Rückrunde zu bestätigen. Angesichts von sensationellen 27 Punkten dürfte das schwer genug werden.
• Das sagt der Trainer:
"Wenn wir es schaffen, drei Mannschaften hinter uns zu lassen, freuen wir uns schon. Wir wissen, dass wir in Freiburg sind", sagte Christian Streich:
"Und wir wollen ordentlich Fußball spielen, damit die Leute gerne zu uns ins Stadion kommen. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir in der Bundesliga spielen und wir werden versuchen, den anderen Mannschaften Paroli zu bieten."
• Saisonziel:
Für Freiburg geht es um nichts anderes als den Klassenerhalt.
"Wir haben sehr viele junge Spieler und da muss man immer mal mit rechnen, dass es einen kleinen Rückschlag gibt", sagte Präsident Keller zu SPORT1:
"Aber letztendlich glaube ich, dass wir sehr gute Chancen haben, in der Bundesliga zu bleiben."
Keller hofft, dass die junge Mannschaft die Basis für eine langfristige Ligazugehörigkeit bilden wird.
• SPORT1-Prognose:
Freiburg verfügt mit Oliver Baumann über einen hervorragenden Torwart, auch Abwehr und Mittelfeld sind gut und ausgeglichen besetzt.
Problemzone dürfte der Angriff sein. Der gesetzte Stürmer Sebastian Freis ist nicht sonderlich torgefährlich, sein Ersatz Garra Dembele hat in Freiburg noch nie zu seiner Form gefunden.
Kann der Rest der Mannschaft die vermeintlich fehlende Durchschlagskraft kompensieren, dürfte dem Klassenerhalt nichts im Wege stehen.


